"Nach dem Wiener Derby kommt einfach Salzburg gegen Rapid", sagt Stefan Maierhofer und meint damit nicht die zeitliche Abfolge im Bundesliga-Kalender. "Das ist das Spitzenspiel schlechthin", meint der frühere Stürmer, der 2008 mit Rapid Meister wurde und später auch für die Bullen aufflief. Am Sonntag (17 Uhr, LIVE! bei kicker) treffen seine beiden Ex-Klubs aufeinander und für den 2,02-Meter-Mann ist klar: "Beide brennen auf den Sieg." Viel spricht für ein offenes Duell zweier Teams, die sportlich wieder näher zusammengerückt sind. Das Spiel habe zurecht den Status eines Klassikers.
Der letzte Rapid-Sieg in Salzburg liegt mehr als zehn Jahre zurück. Ob es an der Zeit ist, dass die Hütteldorfer wieder einmal in der Mozartstadt triumphieren? "Rapid hat - was die letzten Jahre betrifft - Aufholbedarf, dass sie wieder mal in Salzburg gewinnen. Ich glaube, dass sie in diesem Jahr - was den Kader betrifft - mit Salzburg auf Augenhöhe sind und um den Titel mitspielen können." Eine Kampfansage, die zeigt: Rapid hat für ihn die Qualität, um nach langer Zeit wieder an der Salzach zu bestehen.
Erinnerungen an das legendäre 7:0
Unvergessen bleibt für Maierhofer das 7:0 im März 2008. Das Spiel am Ostersonntag genießt längst Kultstatus. "Das 7:0 bleibt unvergessen und wird für immer in den Köpfen bleiben. Daran wird man sich auch in vielen Jahren noch erinnern. Wir haben damals fünf Mal aufs Tor geschossen, und die ersten fünf Schüsse waren alle drin." Ob es diesen Spielverlauf noch einmal geben wird? "Man weiß nie, wie die Tagesverfassung ist. Triffst du früh, kann es schnell gehen - gerade in so einem Spitzenspiel."
Salzburg sieht Maierhofer nach vielen Jahren der Dominanz in einem Wandel. Die Ursachen sind für ihn klar: "Sie sind extrem lange auf einer Erfolgswelle geschwommen. Christoph Freund hat großartige Arbeit geleistet und es ist logisch, dass jemand wie der FC Bayern auf ihn aufmerksam wurde." Trotz der sportlich weniger erfolgreichen Jahre ist Maierhofer überzeugt, dass sein früherer Arbeitgeber bald wieder in die Erfolgsspur finden wird. "International vertreten sie Österreich sehr gut. National müssen sie jetzt einfach wieder einen Titel holen - das hat Sturm zuletzt besser gemacht."
Und auch in dieser Saison musste Salzburg bereits zahlreiche Niederlagen einstecken. Trainer Thomas Letsch ist angezählt, Sportdirektor Rouven Schröder hält aber an seinem Landsmann fest. Und das findet Maierhofer auch gut, er plädiert für Geduld: "Man muss ihm Zeit geben und dann nach einem Jahr ehrlich analysieren, ob die Ziele erreicht wurden. Ich weiß, dass der Fußball diese Zeit oft nicht hergibt - aber sie ist notwendig."
"Der Königstransfer der Bundesliga": Maierhofer schwärmt von Stöger-"Coup"
Großes Lob hat Maierhofer für Rapids Sportdirektor Markus Katzer, mit dem er einst 39 Mal für die Grün-Weißen auf dem Platz stand, parat. Die beiden kennen einander schon lange, hatten vor Jahren auch privat zu tun und waren sogar gemeinsam auf Urlaub. "Er ist ein ruhiger, aber reflektierter Zeitgenosse. Er hat sich über die Jahre ein großes Becken an Kontakten aufgebaut, wovon er jetzt enorm profitiert - insbesondere bei Transfers. Und der eine oder andere ist ihm sehr gut aufgegangen. Der größte Coup ist ihm mit der Präsentation von Peter Stöger gelungen. Für mich der Königstransfer der Bundesliga in diesem Sommer. Das ist ein absoluter Fachmann, der auch international seine Erfolge gehabt hat. Dazu kann man ihm nur gratulieren."
„Das muss die Marschroute sein. Dass sie über Spielerverkäufe Geld in die Kassa bringen und neue Talente verpflichten, aber gleichzeitig auch um Titel mitspielen.“ (Stefan Maierhofer über den SK Rapid)
Auch wirtschaftlich sieht Maierhofer den Klub auf einem guten Weg: "Rapid hat Geld investiert, aber sie haben auch wichtige Spieler teuer verkauft. Und das muss einfach auch die Marschroute sein für die nächsten Jahre. Dass sie über Spielerverkäufe Geld in die Kassa bringen und neue Talente verpflichten, aber gleichzeitig auch um Titel mitspielen."
Trotz Derby-Niederlage und der 1:4-Schlappe bei Lech Posen bleibt Maierhofer optimistisch: "Rapid hat gerade zu Saisonbeginn das Momentum auf ihrer Seite gehabt. Das war zuletzt nicht der Fall. Dennoch stehen sie immer noch an der Tabellenspitze, sind international dabei - da muss man ihnen jetzt auch einfach Zeit geben und sie arbeiten lassen."
Kein Tipp - aus Prinzip
Wenn es um eine Prognose für Sonntag geht, bleibt Maierhofer neutral: "Einen Tipp für dieses Spiel wird man von mir nicht hören, weil ich mich da nicht auf eine Seite stellen möchte." Kein Wunder - schließlich sind Rapid (60) und Salzburg (53) die beiden Klubs, für die der Wandervogel die meisten Spiele seiner Karriere bestritten hat. Zwei Klubs, die ihn geprägt haben - und die ihn bis heute nicht loslassen.