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"Das ist mir unerklärlich": Ein Erfurter Remis, das sich wie eine Niederlage anfühlt

kicker

Die neunjährige Charly, die anlässlich des Weltkindertages die Pressekonferenz nach der Partie leiten durfte, ließ Fabian Gerber schon wieder lächeln. Zuvor hatte der Cheftrainer des FC Rot-Weiß Erfurt mächtig mit dem Spielausgang im Ost-Klassiker gegen den Chemnitzer FC gehadert. Fast 80 Minuten lang sah es so aus, als würde seiner Mannschaft eine perfekte englische Woche gelingen. Durch die Tore von Benjika Caciel (5.) und Chinedu Ugondu (52.) lag sie vor 8.031 Zuschauern im Steigerwaldstadion verdient mit 2:0 vorn und schien die Tabellenführung in der Regionalliga Nordost auszubauen. Was anschließend passierte, erinnerte Gerber ein wenig an das Champions-League-Gastspiel von Borussia Dortmund vier Tage zuvor, als der BVB in der Nachspielzeit noch einen 4:2-Vorsprung verspielte (4:4).

"Vielleicht haben wir uns zu sicher gefühlt", meinte er zu den zehn wilden Schlussminuten. In denen hatten die lange Zeit harmlosen Sachsen durch Treffer von Tom Baumgart (79.) und Domenico Alberico (88.) noch ein 2:2 erzwungen. "Das fühlt sich wie eine Niederlage an", meinte Erfurts Kapitän Til Linus Schwarz enttäuscht. "65, 70 Minuten hatten wir alles im Griff. Da haben wir bewiesen, warum wir ganz oben stehen. Warum wir dann so einen krassen Knick drin haben, ist mir unerklärlich." Die Gefühlslage bei seinen Teamkollegen war ähnlich. Die meisten schlichen mit hängenden Köpfen in die Kabine. Dabei bietet der Saisonstart mit 22 Zählern aus den ersten neun Spielen keinerlei Grund zum Trübsal blasen.

Ausfälle kompensiert

Deshalb war Gerber auch bemüht, die Stimmung aufzubessern und das Positive herauszustellen: "Über weite Strecken bin ich sehr zufrieden mit dem Auftritt meiner Mannschaft. Ich werde einen Teufel tun und ihr irgendetwas vorwerfen", sagte er. Wie sein Team die beiden schwerwiegenden Ausfälle von Romarjo Hajrulla (Innenbandanriss) und Phillip Aboagye (Kreuzbandriss) kompensiert habe, sei sehr gut gewesen. Dennoch wolle man sich in den nächsten Wochen auf dem vereinslosen Spielermarkt umschauen und eventuell nachlegen: "Es ist ja kein Geheimnis, dass wir noch einen Innenverteidiger suchen. Jetzt gucken wir auch noch nach einem Offensivspieler."

Sein Trainerkollege Benjamin Duda kam derweil aus dem Schwärmen über das Comeback seiner Schützlinge gar nicht mehr heraus: "In der letzten englischen Woche hatten wir einen Punkt gemacht. Da war bei uns in Chemnitz Totenstimmung. Jetzt haben wir trotz eines brutalen Spielplans sieben Punkte geholt. Welche Stimmung da im Fanblock herrschte, hat man hier gesehen", verwies er auf den Feierlichkeiten seiner Mannschaft vor der Gästekurve.

"Das fühlt sich für uns wie ein Sieg an. Wie wir die Widerstände überwunden haben, erfüllt mich mit Stolz. Nach zwei frühen kalten Duschen zu Beginn der Halbzeiten in den letzten zehn Minuten das Spiel noch zu egalisieren, ist das für die Entwicklung unserer Mannschaft ein wunderbarer, sehr wertvoller Moment", resümierte er. Stürmer Artur Mergel - von 2020 bis 2024 in Erfurt am Ball und dort zum "Fußballgott" aufgestiegen - resümierte: "Wir haben uns nie aufgegeben und spüren alle, dass wir jetzt ins Rollen kommen."