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"Das lernst du in der C-Jugend": Krösches deutliche Kritik nach schwarzem Abend

kicker

Mit ruhiger Stimme, aber messerscharf in der Analyse ging Markus Krösche nach dem 2:3 in Stuttgart mit der Mannschaft ins Gericht. "Nach dem 1:1 haben wir völlig die Struktur verloren und waren vogelwild", monierte der Sportvorstand wenige Minuten nach dem Abpfiff in den Katakomben des Stadions. Nicht zum ersten Mal zeigte die gesamte Defensive Auflösungserscheinungen. In der Liga steht Frankfurt nach der Hinrunde bei 36 Gegentoren, wettbewerbsübergreifend bei 53 - die Bilanz eines Abstiegskandidaten.

Statt nach dem Ausgleich über einen "kompakten Verbund" zurück ins Spiel zu kommen, sei die Mannschaft "zu wild" und "zu weit auseinander" gewesen, kritisierte Krösche - und wurde noch deutlicher: "Wir lassen die Torchancen zu einfach zu. Wenn du keinen Druck auf den Ball hast - das lernst du grundsätzlich auch in der C-Jugend -, dann heißt das, erst mal die Tiefe zu sichern. Das haben wir in den Situationen nicht getan, da sind wir zu großes Risiko gegangen, auf einer Höhe zu stehen."

Deshalb sei der VfB mit einfachen Bällen in die Tiefe immer wieder zu Eins-gegen-eins-Situationen vor dem Tor gekommen. Dazu passt: Auch die Zweikampfquote ist mit nur 35 Prozent gewonnener Duelle ein Armutszeugnis. Krösche formuliert eine klare Forderung: "Wir müssen schauen, dass wir eine gewisse Kompaktheit hinbekommen, gegen den Ball als Mannschaft viel besser agieren und gewisse Prinzipien auch einfach einhalten."

Es stellen sich gleich mehrere drängende Fragen: Liegt das wiederkehrende Fehlverhalten an der individuellen Klasse der Spieler in der Abwehr, auf der Sechs und im Tor? Am Mangel an echten Führungskräften? Oder an Trainer Dino Toppmöller, der die Gesamtverantwortung für das Geschehen auf dem Rasen trägt? Ist es von allem ein bisschen? Nicht nur Krösche sieht im Spiel in Stuttgart "ein Spiegelbild der Hinrunde". Klar ist: So kann es in der Rückrunde nicht weitergehen, sonst schaut Frankfurt den Europapokal in der kommenden Saison nur im TV. Der VfB Stuttgart ist jetzt bereits auf sechs Zähler davongezogen.

Dabei ging die Partie mit der frühen Führung durch Rasmus Kristensen gut los für die Frankfurter, die in der Anfangsphase konsequent anliefen und den VfB vor einige Probleme stellten. Die verletzungsbedingte Auswechslung von Hoffnungsträger Younes Ebnoutalib, der sich einen krachenden Zweikampf mit Jeff Chabot geliefert hatte, war der erste Schockmoment. "Bei Younes sieht es nicht ganz so gut aus. Er wird morgen zum MRT gehen, dann wissen wir genau, was die Thematik ist", sagt Toppmöller. Der für Ebnoutalib eingewechselte Jean-Matteo Bahoya bot eine nicht bundesligareife Leistung.

Vollends kippte das Spiel nach dem schweren Patzer von Kaua Santos. Der Keeper eilte in der 27. Minute ohne Not aus dem Tor, um eine Flanke zu klären. Innenverteidiger Aurele Amenda hätte die Situation ohne das Eingreifen des Brasilianers relativ einfach per Kopf lösen können. So aber sprang ihm der Ball wieder aus den Händen, Ermedin Demirovic bedankte sich mit dem 1:1. Dem 1:2 wenige Minuten später ging eine merkwürdige Faustabwehr des nun vollends verunsicherten Torhüters voraus. Torschütze Deniz Undav ließ Frankfurts Sechser Oscar Höjlund im Sechzehner anschließend wie einen Schuljungen aussehen.

Neue Torwartdiskussion und ein Lichtblick

Dass Kaua Santos in der zweiten Hälfte bei einigen VfB-Chancen stark reagierte, ändert nichts daran, dass die Torwart-Diskussion nun wieder neu aufflammt. Da auch Michael Zetterer vor Weihnachten nicht überzeugt hatte, wird der 22-Jährige zwar im Tor bleiben. Doch es könnte ratsam sein, den Torwartmarkt zur Sicherheit etwas intensiver zu sondieren. Denn sollten Kaua Santos noch im Januar weitere Patzer unterlaufen, darf die Verpflichtung eines weiteren Torhüters kein Tabu sein.

Am Dienstagabend nahm Krösche den jungen Torhüter in Schutz: "Wir wollen einen offensiven Torwart. In der zweiten Hälfte hat er es sehr, sehr gut gemacht und seine Stärken gezeigt. Das war eine gute Reaktion." Ändert an dem folgenschweren Fehler aber nichts.

Einen Lichtblick gab es an diesem aus Eintracht-Sicht rabenschwarzen Abend allerdings doch: Zugang Ayoube Amaimouni-Echghouyab (Hoffenheim II) traf unmittelbar nach seiner Einwechslung zum 2:2 - ein sehenswerter Treffer des trickreichen Flügelstürmers. "Er hat eine besondere Fähigkeit: Das Eins-gegen-eins ist eine sehr große Stärke. Er versucht immer wieder, den Gegner sofort nach hinten zu zwingen. Und er hat einen überragenden linken Fuß", lobte Toppmöller. Der 21-jährige Bundesliga-Debütant sagte am Sky-Mikrofon: "Diesen Move habe ich diese Saison schon ein paarmal gemacht, ich liebe es."