Ende August war Noah Atubolu natürlich enttäuscht, ohne es öffentlich kundzutun. Nach seiner zweiten Saison als Freiburger Stammkeeper, in der er sich in allen Bereichen des Torwartspiels merklich verbessert hat, sowie einer starken U-21-EM erhielt er bisher noch keine Einladung zur A-Nationalelf. Julian Nagelsmann zog dem Freiburger Eigengewächs für die September-Länderspiele für nicht wenige Beobachter überraschend Augsburgs Finn Dahmen vor, als Nummer 3 hinter Oliver Baumann und Alexander Nübel. Der Bundestrainer erwähnte aber auch den auf Abruf nominierten Atubolu: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er in unseren Kreis rückt, wenn seine Leistungen so bestehen bleiben wie zuletzt." Dieses Kriterium hat Atubolu seitdem übererfüllt.
Vor und nach der Berufung für die September-Periode hatte der SC den Liga-Start gegen Augsburg (1:3) und in Köln (1:4) überraschend verpatzt. Atubolu war trotz der sieben Gegentore noch eine der wenigen Positiverscheinungen (jeweils kicker-Note 3), hatte aber nicht das von Nagelsmann oft betonte Momentum. Inzwischen ist das klar auf Seiten des athletischen 1,91-Meter-Mannes. Er hat maßgeblich zum eindrucksvollen Freiburger Umschwung mit zuletzt drei Siegen und einem Remis beigetragen.
Beim 3:1-Sieg gegen Stuttgart nach langem 0:1-Rückstand ließ Atubolu nach dem frühen, tückischen Hacken-Tor von Ermedin Demirovic aus kurzer Distanz nichts mehr anbrennen und ermöglichte somit die Aufholjagd am Ende. Beim 3:0 in Bremen zeigt er beim Stand von 2:0 in einem potenziellen Schlüsselmoment einmal mehr eine spezielle Qualität: Die Freiburger Nummer 1 hielt einen Strafstoß von Romano Schmid und stellte mit fünf Elfer-Paraden in Serie einen neuen Bundesliga-Rekord auf.
Ein erneuter Verzicht auf Atubolu wäre nicht leicht zu erklären
Beim mit 2:1 geglückten Europa-League-Start gegen Basel parierte Atubolu zu Beginn und kurz vor der Pause Großchancen und hielt am Sonntag zum Ende der Partie den Punkt beim 1:1 gegen Hoffenheim fest. Vor allem per Fußabwehr im Eins-gegen-eins mit Tim Lemperle - eine weitere ausgemachte Stärke. Auch wenn er im Spiel gegen die TSG seit längerer Zeit mit dem Fuß etwas wackelte, hat er sich auch in diesem Bereich deutlich stabilisiert und zuletzt insgesamt eine dicke Bewerbungsmappe in eigener Sache zusammengestellt.
"Wenn einer konstant gute Leistungen zeigt, wird er in der Regel auch belohnt", sagt SC-Coach Julian Schuster zur DFB-Debatte um Atubolu. Auf den Leistungsaspekt bezogen hätte Atubolu seine erste Einladung spätestens jetzt verdient, gerade auch im Quervergleich mit Baumann, Nübel und Dahmen. Ob es schon im Oktober so weit ist, entscheidet Nagelsmann, der wenige Kaderveränderungen im Vergleich zum September ankündigte, mit DFB-Torwarttrainer Andreas Kronenberg. Der hat lange beim SC gearbeitet, Atubolu dort selbst trainiert und sich das Hoffenheim-Spiel im Stadion angeschaut. Beide wissen: Ein erneuter Verzicht auf Atubolu wäre jedenfalls nicht leicht zu erklären.