Die Wachablöse scheint vollzogen: Austria Wien bezwang Meister SKN St. Pölten im Bundesliga-Spitzenspiel am Samstag mit 2:1. Für die Veilchen war es der dritte Sieg im dritten Saisonduell mit den Wölfinnen - vor dieser Spielzeit war überhaupt noch nie ein voller Erfolg gelungen. "Das ist schon ein Ausrufezeichen", sagte Virginia Kirchberger, die mit ihrem Treffer zum 1:0 (68.) den Grundstein des violetten Erfolges legte. "Es ist aber nach wie vor nichts entschieden." Sechs Punkte beträgt der Rückstand des SKN auf die Wienerinnen nun.
Neben Kirchbergers Dosenöffner ist auch St. Pöltens verschossener Elfmeter (54.) als Schlüsselszene einzustufen. Nach einem Wenninger-Foul an Carina Brunold übernahm SKN-Kapitänin Jennifer Klein Verantwortung - und scheiterte an einer stark parierenden Jasmin Pal: "Jenny und ich kennen uns sehr gut. Sie hat auch im Cup gegen uns einen Elfmeter geschossen und getroffen. Ich habe mir gedacht, dass sie wieder in die gleiche Ecke schießen wird - und mich richtig entschieden", meinte die Schlussfrau gegenüber dem kicker.
Übeltäterin Carina Wenninger steht bei Pal nach ihrer Rettungstat aber nicht in der Schuld: "Das ist mein Geburtstagsgeschenk für sie", lachte die Schlussfrau. Die Austria-Kapitänin wurde am Freitag 35 Jahre alt. In Feierlaune war naturgemäß auch Austria-Coach Stefan Kenesei, der sich nach einem Achillessehnenriss in Ralf-Rangnick-Manier auf einem Sitzroller durchs Stadion bewegte. "Mir ist lieber, es passiert mir, als einer meiner Spielerinnen", so der 40-Jährige. Für diese gab es lobende Worte: "Es war ein richtig geiles Spiel von uns, die Qualität war aber auf beiden Seiten sehr hoch. Unser Plan ist voll aufgegangen, wir hatten über weite Strecken alles im Griff und sind am Ende des Tages verdienter Sieger."
SKN-Trainer Fasotte: "Resultat ist schwer zu verdauen"
Etwas anders sah das SKN-Trainer Laurent Fasotte: "Das Resultat ist schwer zu verdauen. Ich finde nicht, dass wir verdient haben, zu verlieren. Unser Plan war es, in der Halbzeit noch im Spiel zu sein, das ist uns gut gelungen. In der zweiten Hälfte haben wir den Willen gezeigt, das Spiel zu gewinnen. Der verschossene Elfmeter war natürlich eine Schlüsselszene. Aber so etwas ist schon vielen Spielerinnen und Spielern passiert", machte der Belgier seiner Kapitänin keine Vorwürfe.
Sehr wohl bemängelte der 48-Jährige die fehlende Zuordnung beim zweiten Gegentreffer in der 70. Minute durch Katharina Schiechtl: "Nach dem ersten Gegentreffer haben wir etwas die Konzentration verloren, da sind die Spielerinnen den Anweisungen nicht gefolgt und haben die Räume nicht besetzt. Von einem 0:2 zurückzukommen, ist natürlich schwierig. Aber wir haben eine gute Reaktion gezeigt und das 1:2 erzielt."
Pause für St. Pölten, Veilchen in Prag gefordert
Für eine Aufholjagd reichte es nicht mehr. Diese müssen die entthronten Wölfinnen nun aber in der Liga starten, wenn die Meisterschaft auch zum elften Mal in Folge in Niederösterreich bleiben soll. "Wir haben noch zwei Spiele gegen sie zu spielen. Es liegt an uns zu entscheiden: Geben wir auf und akzeptieren, dass sie die Meisterschaft gewinnen? Oder kommen wir stärker zurück?", schloss Fasotte.
Eine erste Antwort auf diese Frage kann der SKN am 22. Februar gegen die SPG FC Blau-Weiß Linz/Union Kleinmünchen geben. Die Austria ist bereits am Mittwoch wieder im Einsatz. Im Viertelfinal-Hinspiel des Women's Europa Cup gastiert man bei Sparta Prag: "Prag ist sicher Favorit, eine Topmannschaft auf europäischem Niveau", gab Kenesei Ausblick. "Wir wollen aber in jedem Bewerb Erfolge feiern und Leistung bringen, unabhängig davon, wie der Gegner heißt."