Sollte man das Spiel gegen den SSV Jeddeloh II aus Sicht des SC Weiche Flensburg 08 mit einem Wort beschreiben: "Ernüchterung" wäre passend. Die völlig verdiente 0:4-Niederlage schmerzte - aber noch mehr die Art und Weise. Die Flensburger hatten zwar phasenweise mehr Ballbesitz, waren aber offensiv harmlos und halfen bei den Gegentoren kräftig mit.
Die kürzeste Zusammenfassung des Nachmittags lieferte Finanz-Geschäftsführer Harald Uhr: "Das war gar nichts heute." Dabei war bei Deutschlands nördlichstem Regionalligisten nach drei Siegen in Folge und der Beförderung des bisherigen Co-Trainers Tim Wulff zum Chefcoach fast schon so etwas wie Euphorie aufgekommen. Wulff, bei den Fans sehr beliebt, war mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht worden.
"Tim Wulff ist prädestiniert für die Aufgabe, weil er den SC Weiche durch und durch lebt", betonte Sport-Geschäftsführer Dominique Natusch. "Über die Einstellung von Tim Wulff muss man keine Worte verlieren. Er kann der Mannschaft die Begeisterung und Leidenschaft vermitteln, die er als Spieler selbst gelebt hat", fügte Uhr bei. Der 75-Jährige hatte angemerkt, dass es auch Rückschläge geben werde - dass der erste schon so schnell kommen würde, war nicht abzusehen.
Kritik vom Kapitän
Es sei "in allen Belangen zu wenig gewesen", stellte Dominic Hartmann ernüchtert fest. Der Kapitän war noch einer der wenigen Flensburger, bei denen so etwas wie Aufbäumen gegen die Niederlage zu spüren war. Hartmann über den Gegner: "Die haben uns machen lassen und auf unsere Fehler gewartet." Und von denen gab es reichlich.
Nach dem frühen Rückstand in der 5. Minute durch Tom Gaida war Weiche 08 im Spiel, ohne zu überzeugen oder Torgefahr heraufzubeschwören. Aber die Gastgeber schafften es zumindest phasenweise, für "Stress im Strafraum" (SSV-Trainer Björn Lindemann) zu sorgen. Es war aber nur ein Strohfeuer, das mit dem 0:2 des überragenden Simon Brinkmann nach einer guten halben Stunde auch schon wieder beendet war.
Wenn es aus Lindemanns Sicht überhaupt etwas zu kritisieren gab, war es die mangelnde Chancenverwertung. Nach den Treffern von Simon Brinkmann und Pascal Steinwender - nach einem herausragend gespielten Konter über drei Stationen - vergaben die eingewechselten Moritz Brinkmann, Tobias Bothe und Hugo Brandes zwischen der 80. und 85. Minute noch drei "Hochkaräter" - mit dem 0:4 war Weiche 08 noch gut bedient.
"Heute konnten wir leider nicht das Feuer der letzten drei Spiele entfachen und sind, wenn man die 90 Minuten betrachtet, verdienter Verlierer. Wir waren sehr schwach in den Umschaltmomenten", stellte Wulff in seiner ersten Pressekonferenz als Cheftrainer fest und ergänzte: "Es war nicht die Leistung, die wir gern abgerufen hätten." Viel Zeit, um die Wunden zu lecken, bleibt nicht, zwei englische Wochen stehen an. Am Mittwoch geht es zum Bremer SV, am Samstag kommt der starke SV Meppen. In der folgenden Woche steht am Mittwoch (8.10.) das Landespokalspiel beim Ligarivalen VfB Lübeck an, ehe die weite Reise zu Aufsteiger FSV Schöningen ansteht.
Ein anderes Gesicht wolle man schon in Bremen zeigen, versicherten Wulff und seine Spieler. Der neue Coach war der Euphorie nach seiner Ernennung schon mit Nüchternheit begegnet. "Es stehen intensive Wochen mit vielen Spielen an, und deshalb muss das Augenmerk ganz klar auf der Arbeit mit der Mannschaft liegen", hatte er bei seiner Vorstellung bemerkt. Und es gibt noch eine Menge zu tun.