Vor dem Abschluss des 16. Spieltags in der Premier League musste sich Ruben Amorim mal wieder gegen Kritik diverser Vereinsikonen wehren. Der Portugiese aber stimmte im Kernpunkt mit ein: "Es ist eine Tatsache, dass ich als Manager von Manchester United der Meinung bin, dass wir hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben. Wir sollten mehr Punkte haben, insbesondere in dieser Saison."
Am Montagabend sprang im Heimspiel gegen Bournemouth dann wie schon zuletzt gegen West Ham (1:1) aber nur ein Punkt heraus. Doch dieses 4:4 gegen die Cherries ließ die Kritik an Amorim keinesfalls wachsen - im Gegenteil.
"Das war das bisher beste Spiel der Premier-League-Saison", schwärmte beispielsweise Jamie Carragher bei Sky Sports und hob explizit die Leistung der Hausherren heraus: "Es war fast wie eine Rückkehr zu Alex Fergusons Manchester United mit seinem offensiven Fußball."
Der einstige Liverpool-Profi sah das "beste Manchester United seit langer Zeit. Während des größten Teils des Spiels waren sie absolut fantastisch. Zum ersten Mal unter Amorim - und zum ersten Mal seit langer Zeit - hatte ich das Gefühl, das zu sehen, was Manchester United eigentlich sein sollte."
Die Red Devils hätten "Angriffswelle um Angriffswelle" auf das Tor der Gäste geschickt. "Aber die Unfähigkeit zu verteidigen hat ihnen geschadet", schloss Carragher.
"Wenn man ein wenig Verständnis dafür hat ..."
Eine 2:1-Pausenführung Manchesters hatte Bournemouth per Doppelschlag bis zur 52. Minute in eine eigene Führung gedreht. Binnen zwei Minuten wiederum stellten Bruno Fernandes und Matheus Cunha plötzlich auf 4:3, ehe Eli Junior Kroupi doch noch mit dem 4:4-Endstand antwortete.
"Wenn man ein wenig Verständnis dafür hat ...", begann Amorim nach Abpfiff seine Ausführungen. "Wenn man den Verein so lange wie ich in der Premier League verfolgt, weiß man, dass man nicht nur die Pflicht hat, zu versuchen, die Spiele zu gewinnen. Die Art und Weise, wie man versucht, die Spiele zu gewinnen, ist für die Fans auch sehr wichtig."
Sportliche Erfolge stünden im Vordergrund. Und doch sagte Amorim im gleichen Atemzug: "Ich habe auch das Gefühl, dass die Fans unbedingt inspiriert werden wollen, wenn sie ins Old Trafford kommen. Heute war es inspirierend, denke ich - auch wegen Bournemouth. Aber am Ende bleibt das Gefühl der Frustration, das Spiel nicht gewonnen zu haben."
Noch wesentlich schwerer dürfte das Unterfangen am kommenden Sonntag (17.30 Uhr, LIVE! bei kicker) werden, wenn es zu Aston Villa geht. Die Mannschaft der Stunde auf der Insel hat neun Pflichtspielsiege aneinandergereiht.