Die Madgeburger Spielweise liegt dem FCK einfach nicht. Das ist an diesem Samstagnachmittag keine völlig neue Erkenntnis. Die 2:3-Niederlage der Pfälzer im eigenen Stadion hat nur bestätigt, dass es keine reine Christian-Titz-Phobie ist. Von neun Duellen gegen die Madgeburger unter deren Ex-Coach gingen für den FCK fünf verloren, nur eine Partie wurde gewonnen.
Dass diese Bilanz zum Hinrundenabschluss nicht aufpoliert wurde, war selbstverschuldet. Nach durchaus ordentlichem Beginn der Roten Teufel boten diese eine zunehmend groteskere Darbietung im Defensivbereich auf. Nach 22 Minuten nahm das Unheil seinen Lauf. Weil Semih Sahin in dieser wie fast allen Szenen gebührenden Abstand von potenziellen Zweikämpfen nahm und Maxwell Gyamfi statt zu klären, den eigenen Keeper prüfte, musste Baris Atik nur noch einschieben.
Gyamfi stand auch beim 0:2 im Mittelpunkt, als er Mateusz Zukowski weder vom Ball trennen noch den Angreifer am Schießen aus 20 Metern hindern konnte. Torhüter Julian Krahl machte keine gute Figur und reagierte fast gar nicht, da er sich von einem im Abseits stehenden Magdeburger irritieren ließ - dabei nahm der gar nicht aktiv an der Situation teil. Alles regelkonform. Bei konsequenterer Chancenverwertung hätte der FCK noch das ein oder andere Gegentor vor der Pause fangen können.
Gyamfis Hattrick
"Wir haben heute auf vielen Positionen nicht die Qualität gezeigt, die die Jungs eigentlich haben. Wir sind auch nicht mehr in dieses Anlaufverhalten gekommen, wie wir es uns vorgestellt haben und waren auf vielen Positionen sehr schläfrig, um ins Eins-gegen-eins zu kommen. Und so entstehen dann die Tore", bemängelte Lieberknecht. "Wir wollten viel mehr Fußball spielen, über das Zentrum, um dann auf die Außenpositionen zu kommen. Das haben wir dann in der Halbzeit angesprochen, dass wir da viel mutiger spielen müssen."
Statt einem mutigen Start in die zweite Hälfte vervollständigte Gyamfi aber erst mal seinen persönlichen Hattrick, als er beim 0:3 Alexander Nollenberger die Schlüssel für den Strafraum überreichte. Individuelle Fehler in dieser Häufigkeit führten in dieser Saison zu zahlreichen Gegentoren und schmerzhaften Punktverlusten. "Der ein oder andere hat einfach noch das Problem, diese Konstanz hereinzubekommen und auf Dauer immer solide zu spielen", so Lieberknecht. "Wenn das für alle gelingt, nicht immer die Ausschläge nach oben und dann weit nach unten, dann hat man da auch als Mannschaft mehr davon."
Noch nicht reif genug
Daniel Hansliks Anschlusstreffer nur vier Minuten später erinnerte den FCK daran, dass noch nichts verloren war. Es entwickelte sich dank Marlon Ritters 2:3 vom Elfmeterpunkt eine emotionale und packende Partie, in der sich beide Teams kämpferisch und leidenschaftlich auf Augenhöhe begegneten. Am Ende zeigte der FCK dieses zweite Gesicht aber zu spät, aufgrund der individuellen Fehler zuvor steht unterm Strich ein nicht zufriedenstellendes Ergebnis - ein Spiegelbild der Hinrunde.
"Wir sind enttäuscht, weil man dieses letzte Heimspiel vor der Pause immer gewinnen möchte. Es ist uns auch nicht gelungen, diesen Schritt zu machen und oben anzudocken. Dass wir da noch nicht die Reife haben, sind Themen, die wir unter anderem jetzt in der kurzen Pause angehen", resümierte Lieberknecht.
Das zuletzt gesteckte 30-Punkte-Ziel hat der FCK damit verfehlt. Welche Rolle der Traditionsverein bei sechs Punkten Rückstand auf Platz 3 in der Rückrunde spielen kann, zeigt sich gleich zum Start. An den ersten vier Spieltagen geht es ausschließlich gegen Top-5-Teams: Hannover, Schalke, Elversberg und Darmstadt in dieser Reihenfolge. Lieberknecht hat große Pläne für diesen Zeitraum: "Da muss es klar sein: Wenn du da oben richtig reinkommen möchtest, dann bleibt nichts anderes übrig, als gegen alle vier zu gewinnen."