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Eine Wohlfühloase ohne Biss

kicker

Gleich mit einer 0:5-Packung musste der BSC Young Boys am späten Sonntagnachmittag die Heimreise von Lausanne in die Bundesstadt antreten. YB hat auch in dieser Höhe absolut verdient verloren. Vor allem nach dem dritten Gegentreffer war es ein "Über-sich-ergehen-lassen".

Es fällt dabei auf, es ist keineswegs die sportliche Qualität, die bei den Bernern nicht ausreicht. Im Sommer hat die sportliche Führung in allen Mannschaftsteilen nachgerüstet. Gregory Wüthrich ist ein gestandener Verteidiger, Armin Gigovic ist mit seinen Anlagen eine Bereicherung für die Liga und ganz vorne hat auch Sergio Cordova das Potenzial zum Unterschiedsspieler. Es fehlt bei den Young Boys an der Einstellung. Das ist alarmierend.

In diesem Zusammenhang muss auch der Trainerstaff in die Pflicht genommen werden. Christoph Spycher stellte sich nach der Pleite hinter seinen Coach und das ist auch lobenswert, doch selbstredend ist Giorgio Contini nicht frei von Schuld, wenn sich bei seinem Team der Schlendrian einschleicht. In einer Zeit, in der der Staff um eine Mannschaft immer grösser wird, ist die menschliche Komponente bei einem Cheftrainer immer wichtiger. Taktisch sind ohnehin alle gut geschult. Wie erreiche ich eine Mannschaft, wie stelle ich sie passend ein und mache sie heiss: Das sind die zentralen Fragen. Da ist bei den Young Boys zuletzt nicht optimal gearbeitet worden, ansonsten lassen sich Totalausfälle wie gegen Panathinaikos oder gegen Lausanne nicht erklären.

Die Interviews gleichen sich

Sowohl nach der Pleite gegen Panathinaikos als auch nach der Klatsche in Lausanne erschien YB-Captain Loris Benito zum Interview. Nach dem Europa-League-Spiel nahm sich Benito bewusst kleine Bedenkzeiten, um zu antworten. Es schien in ihm zu brodeln. Gegen Lausanne wusste der Captain schon, was er zu sagen hatte. Der Inhalt war in etwa identisch.

„"Ich verstehe, dass der Tank auf Reserve ist - aber Lausanne geht es gleich. Ich verstehe es nicht. Das ist extrem frustrierend."“ (Loris Benito, Blue, 05.10.2025)

Es bleibt beim Captain das grosse Unverständnis. Die fehlende Motivation, alles in die Waagschale zu werfen, die Extra-Meter zu gehen - daran mangelt es bei einigen Spielern beim BSC offenbar. Benito wurde nach dem Spiel auch auf das Einlaufen angesprochen. Da fehlt die Intensität bei den Bernern ebenfalls, doch das ist kein Indikator für die Leistung im Spiel, wie der Routinier sagt. Gegen Bukarest sei dem auch so gewesen, worauf die Young Boys eine tolle Partie gezeigt hätten.

Womöglich hat man sich beim BSC in den letzten Tagen von den jüngsten Resultaten blenden lassen. Klar, der Sieg in Bukarest sticht heraus, dennoch gelten die Rumänen als eines der schwächsten Teams in der Europa League. Dazu kommt der Sieg gegen den FC Thun. Gegen die Berner Oberländer waren die Young Boys mit dem 4:2 aber gut bedient. Über eine Stunde war der Gast die spielbestimmende Mannschaft im Wankdorf. Das darf schlichtweg auch nicht der Anspruch eines Vereins sein, der den Meistertitel holen möchte.

Rund um das Spiel gegen den FC Thun beteuerte Giorgio Contini, dass die Stimmung in der Mannschaft nicht schlecht sei. Womöglich liegt genau da der Hund begraben. YB scheint trotz aller Rückschläge - das Cup-Out gegen den FC Aarau wurde in diesem Artikel nicht einmal erwähnt - noch immer eine Wohlfühloase zu sein. Solange dem so ist, wird eine Konstanz in Bern niemals eintreten. Spätestens nach dem 0:5 in Lausanne dürfte das auch in der Bundesstadt allen klar geworden sein.