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Eintracht in Neapel: UEFA lehnt Antrag auf Spielverlegung oder Geisterspiel ab

kicker

Am 22. September war der SSC Neapel der Verkauf von Gästetickets für das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt von der örtlichen Präfektur verboten worden. Schon beim letzten Aufeinandertreffen beider Klubs im Frühjahr 2023, damals im Achtelfinale der Königsklasse, durften keine Eintracht-Fans ins Stadio Diego Armando Maradona.

Am Spieltag kam es in der Stadt - auch aufgrund eines eklatanten Versagens der Sicherheitsbehörden - zu schweren Ausschreitungen zwischen Hooligans aus Neapel und Frankfurt. Vor diesem Hintergrund überraschte das neuerliche Fan-Verbot nicht. Seit dem letzten Spiel in Neapel 2023 kam es in UEFA-Europapokalwettbewerben zu 15 weiteren Fällen von behördlich verfügten Gästefan-Ausschlüssen. Dies stößt auf vehemente Kritik der Eintracht-Verantwortlichen.

"Problem für die europäische Fankultur"

Eintracht-Vorstand Philipp Reschke moniert in einer Vereinsmitteilung: "Der völlig unterschiedliche Umgang der teilnehmenden Länder und Nationalverbände mit Hochrisikospielen an den jeweiligen Standorten ist mittlerweile zu einem echten Problem für die europäische Fankultur und die Integrität der europäischen Klubwettbewerbe geworden. Es kann nicht sein, dass an den meisten Standorten Gästefans selbstverständlich und trotz großer Herausforderungen willkommen bleiben und an einigen anderen Standorten, wie zuletzt vor allem in Frankreich und Italien, bei identischer Vorauslage und Gefährdung Gästefans schlicht behördlich ausgeschlossen werden."

Anfang Oktober hatte die SGE unter Verweis auf sicherheitstechnische und organisatorische Mängel am Standort Neapel einen Antrag bei der UEFA eingereicht, das Spiel an einen neutralen Ort zu verlegen oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen. Dem Vernehmen nach berief sich der Klub dabei auf Artikel 26 der UEFA-Regularien zur Champions League.

Darin heißt es: "Ist die UEFA-Administration (...) der Ansicht, dass ein Spielort oder Stadion aus irgendeinem Grund (unter anderem im Zusammenhang mit ... der Infrastruktur, der Sicherheit, operativen und/oder organisatorischen Problemen) für die Durchführung eines Spiels ungeeignet ist, kann sie mit dem betreffenden Verband/Verein Rücksprache halten und diesen bitten, für alle Spiele, falls zutreffend und von der UEFA beschlossen, einen alternativen Spielort vorzuschlagen, der den Anforderungen der UEFA genügt. Können der Verband und der Verein innerhalb der von der UEFA-Administration gesetzten Frist keinen geeigneten Ausweichspielort bzw. kein geeignetes Ausweichstadion vorschlagen, kann die UEFA ein neutrales Ausweichstadion bestimmen (...)."

Werden die Regularien nachgeschärft?

Doch offenbar zielten die Hüter des Regelwerks mit diesem Passus nicht darauf, den Ausschluss von Gästefans zu unterbinden. Spielverlegungen gab es in der jüngeren Vergangenheit unter anderem aufgrund des Kriegs in der Ukraine. Bei der Eintracht rechnete man sich mit dem Antrag von Anfang an keine großen Erfolgschancen aus. Jurist Reschke erklärt: "Das Regelwerk der UEFA gibt den von behördlichen Gästefan-Ausschlüssen einseitig betroffenen Klubs und auch dem Verband selbst noch kein Instrument an die Hand, gegen diese Praxis und den daraus folgenden atmosphärischen und damit sportlichen Wettbewerbsnachteil vorzugehen oder ihn zumindest auszugleichen."

Trotzdem gibt es nun ein kleines Licht am Ende des Tunnels. "Die UEFA bestätigte in ihrer Mitteilung, sich in Anbetracht der zunehmenden Ausschluss-Praxis mit der Anpassung der Regularien intensiv zu befassen", heißt in der Pressemitteilung der Eintracht. "Wir bewerten das bei aller Verärgerung über die Umstände, denen wir einmal mehr in Neapel ausgesetzt sind als ein belastbares Signal der UEFA in die richtige Richtung", sagt Reschke und führt weiter aus: "Eine Chance auf Veränderung gibt es nur, wenn die veranstaltenden Heimvereine zukünftig in die Mitverantwortung für behördliche Einschränkungen genommen werden und diese Handhabung von Sicherheitsfragen nicht weiter einseitig Gästefans und Gastmannschaften benachteiligt."

UEFA-Boss Aleksander Ceferin hatte bereits 2023 anlässlich des Gästefan-Verbots in Neapel klare Worte gefunden. "Diese Situation ist untragbar, und wir müssen dringend etwas dagegen tun, denn die Entscheidung ist absolut nicht korrekt", stellte Ceferin fest und kündigte an: "Wir müssen sagen: 'Wenn so etwas passiert, dann wird dort nicht gespielt.' Ganz einfach, wir werden die Regeln ändern." Auf diese Worte folgen bislang keine Taten. Vielleicht kommt durch den Vorstoß der Eintracht jetzt endlich Bewegung in das Thema. Ceferin muss sich an seinen Worten messen lassen, kommentierte der kicker kürzlich.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass auch beim Europa-League-Spiel zwischen Aston Villa und Maccabi Tel Aviv keine Gästefans zugelassen sind. Das kritisierte sogar Großbritanniens Premierminister Keir Starmer. Die Vermutung liegt nahe: Sobald das Damoklesschwert einer Spielverlegung oder eines Geisterspiels über den lokalen Behörden schwebt, werden diese einen Teufel tun, Gästefans zu verbieten. Die politischen Kosten wären viel zu hoch. Auch die gastgebenden Vereine dürften sich dann für Gästefans ins Zeug legen.