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Eiskalter Pejcinovic drängt sich beim Elfmeter vor - und bedankt sich

kicker

Lange hatte auch Dzenan Pejcinovic das enge Gedränge auf dem kleinen Platz im aus der Zeit gefallenen Stadion ("The oval") von außen betrachten müssen. Der Wolfsburger wusste am Dienstagabend also ganz genau, welche knifflige Aufgabe auf die Eingewechselten zukommen würde, die in der Schlussphase dieses kampfbetonten U-21-Spiels den Auftrag hatten, endlich diesen Rückstand wettzumachen und im besten Falle das Spiel doch noch zu drehen.

Die EM-Qualifikation stand auf dem Spiel

Schließlich stand letzten Endes nicht weniger als die EM-Qualifikation auf dem Spiel. Denn nach der Heimniederlage gegen Griechenland stand die DFB-Auswahl nun in Belfast zusätzlich unter Druck, weil zuvor die Griechen auch die Hürde in Lettland (1:0) genommen hatten. Deutschland drohte, abreißen und eine Vorentscheidung im Kampf um den Gruppensieg zuzulassen.

Nach 74 Minuten war das Warten für Pejcinovic vorbei. Zuvor hatte Trainer Antonio Di Salvo bereits die Angreifer Mert Kömür (Augsburg) und Ilyas Ansah (Union Berlin) gebracht, nun ergänzte der 20-Jährige die volle deutsche Offensivwucht. Vier Minuten später tat sich die erste Lücke im nordirischen Beton auf, die Leipzigs Assan Ouedraogo zum ersehnten Ausgleich nutzte.

Pejcinovic übernimmt statt Weiper

Weitere fünf Minuten später gab es Handelfmeter für das DFB-Team. Wer würde sich dem Druck und der Verantwortung stellen? Vorgesehen als Schütze war eigentlich der Mainzer Nelson Weiper, der erfahrenste Recke dieser U-21-Generation. Es schoss allerdings Pejcinovic und verwandelte ebenso souverän, wie er zuvor die Schützen-Entscheidung getroffen hatte.

"Ich war so überzeugt, dass ich gesagt habe, ich schieße jetzt", verriet der Siegtorschütze hinterher, "ich glaube, die anderen hatten auch das Gefühl, dass ich überzeugt bin, und das hat ja auch ganz gut geklappt." Ohne Mätzchen versenkte Pejcinovic die Kugel stramm und platziert im linken Eck. "Aber auch ein großes Dankeschön an Nelly, weil es nicht so verständlich ist, dass er einem anderen Stürmer den Elfmeter gibt", bedankte sich der Vollstrecker artig, "und klar, dann liegt es an mir, was ich daraus mache."

42 Treffer in 51 Länderspielen

Nervliche Probleme scheint dieser junge Mann jedenfalls keine zu haben. "Er hat einen unheimlichen, tollen Instinkt, einen brutalen Abschluss mit links und rechts", lobte Di Salvo, der die Planänderung vor dem Strafstoß geduldet hatte. "Ich habe in dem Moment nichts gesagt, weil ich gemerkt habe, die Spieler, die hätten schießen müssen, waren schon lange auf dem Platz. Und was ich gut finde, ist, dass es da keinen Egoismus gab, da gab es auch kein Diskutieren. Sondern Dzenan hat sich den Ball genommen, wahrscheinlich haben sie kurz geredet, und dann hat man ihm den Schuss gelassen, weil alle sicher waren, dass er trifft."

Das tut er in den Juniorennationalteams besonders gerne. In nunmehr 51 Länderspielen hat er sagenhafte 42 Tore geschossen und liegt damit auf Rekordkurs. Wo soll das noch enden? "Das soll nirgendwo enden, ich will gerne genauso weitermachen", kontert Pejcinovic ebenso treffend wie auf dem Platz. Allerdings muss sich der Angreifer in Wolfsburg und in der Bundesliga noch steigern, um auch Ansprüche auf die Stammformation in der U 21 anmelden zu können.

Auch in der Bundesliga soll der Knoten platzen

"Da muss man halt die Entwicklung abwarten. Wir können nicht nur Spielzeiten hier geben, sondern man muss ja irgendwo dann auch im Verein die Leistung zeigen, die dafür berechtigen", stellt Di Salvo klar, "trotzdem ist Szenan ein hervorragender Spieler, deswegen habe ich ihn eingeladen."

"Klar, jetzt ist mein Ziel, in der Bundesliga weiterzumachen", versichert Pejcinovic, "da hatte ich genug Chancen, jetzt muss ich dranbleiben und mich endlich mal belohnen in der Bundesliga." Das würde viele beim VfL beruhigen und das nervenstarke wie treffsichere Talent noch stärker in den Fokus rücken.