Aus Kölns Trainingslager in La Nucia berichtet Jim Decker
Gut gelaunt sitzt Said El Mala in der Lobby des Kölner Teamhotels Barcelo La Nucia Hills. Zu Transferfragen will sich der Senkrechtstarter lieber nicht äußern, da sei alles gesagt: Er bleibt im Winter in Köln. Im gemeinsamen Interview mehrerer Medien spricht El Mala aber eine Viertelstunde lang gern über alles andere.
Herr El Mala, es ist viel passiert in den vergangenen sechs Monaten. Haben Sie die freien Tage nutzen können, um alles zu realisieren und mal sacken zu lassen?
Ja, es ist wirklich viel passiert. Ich habe im Urlaub versucht, das zu realisieren, und mich gekniffen - auch zusammen mit meinem Bruder. Ich glaube, das ist uns auch ganz gut gelungen, auch wenn die Pause nicht so lange war. Darauf kann man schon ein bisschen stolz sein (schmunzelt).
Sie sind von Viktoria Köln aus der 3. Liga zum FC gekommen, sind jetzt Topscorer und waren schon beim DFB dabei. Wie hat sich Ihre Rolle verändert?
Ich glaube, wenn du als jüngerer Spieler zu einem Bundesligisten kommst und dann Leistung bringst, erarbeitest du dir automatisch ein Standing. Ich glaube schon, dass ich jetzt eine etwas andere Rolle einnehme als in den ersten Wochen, als ich neu war. Ich glaube schon, dass ich auch mal vorangehen kann, auch als junger Spieler. Und es ist auch wichtig, dass die Mannschaft das gut aufnimmt.
War Viktoria für Sie daher der perfekte Zwischenschritt?
Bis jetzt war es das wichtigste Jahr in meiner Karriere. Ich konnte dort reifen und mich an den Profi-Fußball gewöhnen. Die 3. Liga ist eklig, da wirst du auch gerne mal umgehauen. Es war auch eine sehr gute Entscheidung, dass ich im letzten Winter dortgeblieben bin, um meine Entwicklung da fortzusetzen. Bei Viktoria kannst du dich super weiterentwickeln. Es sind zwar nicht die besten Bedingungen, aber du hast dort ein tolles Trainerteam, einen guten Trainingsplatz und super Leute um dich herum.
Warum haben Sie sich dann für den 1. FC Köln entschieden? Sie hatten schließlich auch andere Optionen.
Erstens wollte der FC auch meinen Bruder holen. Zudem hat sich der FC von Anfang an um uns bemüht. Es war für mich überhaupt keine Option, irgendwo anders hinzugehen. Ich wollte immer schon vor so vielen Menschen spielen, außerdem ist Köln so eine geile Stadt. Es gab daher gar keine anderen Überlegungen.
Welche Ziele hatten Sie sich ursprünglich für den Sommer gesetzt? Was wollten Sie in dieser Saison erreichen?
Mein Ziel war es, anzukommen und Bundesliga zu spielen. Es ist schneller passiert als gedacht - aber umso besser.
Wie sieht dann Ihr Ziel für die Rückrunde aus?
Einfach da weitermachen. Wir wollen Siege holen und in der Liga bleiben. Dafür arbeiten wir jetzt.
„Ich habe auch nicht erwartet, so schnell das Niveau zu erreichen, um in der Bundesliga mithalten zu können.“ (Said El Mala)
Hat sich Ihr eigenes Verständnis innerhalb der Mannschaft verändert? Wie sehen Sie sich innerhalb der Mannschaft?
Es ist unheimlich wichtig für mich, Feedback aus der Mannschaft zu bekommen. Und das ist so. Wenn die Jungs sagen: "Mach es so, dann hilfst du uns", dann tut mir das gut.
Sie spielen nicht immer von Anfang an, sondern wechseln manchmal von der Bank in die Startelf und zurück. Wie gehen Sie damit um?
Es macht mir nichts aus, ob ich reinkomme oder von Anfang an spiele. Natürlich will jeder von Anfang an spielen, das ist bei jedem Profisportler normal. Aber ich glaube, dass ich auch von der Bank aus einen guten Job mache. Solange ich der Mannschaft helfen kann, ist das das Wichtigste.
Waren Sie eigentlich am Anfang überrascht, dass Sie als Spieler, der aus der 3. Liga kam, teilweise so leicht gestandene Bundesliga-Spieler stehen lassen können?
Ja, definitiv. Das habe ich mir schon anders vorgestellt. Ich habe es nicht so erwartet. Aber ich habe auch nicht erwartet, dass ich so schnell das Niveau erreichen würde, um in der Bundesliga mithalten zu können.
Haben Sie das Gefühl, dass es im Laufe der Hinrunde schwieriger für Sie geworden ist, weil sich die Gegner besser auf Sie eingestellt haben? Teilweise sind sie nicht zu zweit, sondern zu dritt auf Sie gegangen …
Das ist normal, wenn man performt oder scort. Die Gegner analysieren das und nehmen dann Umstellungen vor. Man hatte schon das Gefühl, dass es nicht nur ein Gegenspieler war, sondern auch mal zwei oder drei. Aber das ist die Herausforderung für einen Spieler, da dann trotzdem Lösungen zu finden.
Ist es auch Ihr Ziel, mit Deutschland zur WM zu fahren?
Daran denke ich aktuell nicht. Wir haben noch viele Spiele vor uns und ich muss der Mannschaft helfen. Ich muss hier Leistung bringen, um überhaupt in Frage zu kommen. Solange ich hier keine Leistung bringe, brauchen wir auch nicht über die WM zu reden.
Gibt es denn einen regelmäßigen Austausch mit dem Bundestrainer?
Nein.
Der Bundestrainer hat auch Ihr Defensivverhalten angesprochen. Wie haben Sie das aufgenommen?
Es ist kein Geheimnis, dass ich mich in diesem Bereich noch verbessern muss. Das stimmt, und ich arbeite daran. Das geht nicht von heute auf morgen, aber mit der Zeit wird es immer besser.
Wie läuft die El-Mala-WG mit Ihrem Bruder Malek?
Wir regeln das sehr gut, bekommen aber auch Hilfe von Mama. Sie kommt alle zwei, drei Wochen und macht mal sauber. Aber wir haben da eine gute Zusammenarbeit.
Und wenn er dann mal gesund ist und bleibt …
… dann dauert es nicht lange, bis er auch hier sitzt. Da bin ich mir sicher.
Können Sie bei dem Hype um Ihre Person noch ungestört durch Köln schlendern?
Mittlerweile werde ich regelmäßig angesprochen. Ich habe aber keine Probleme damit, wenn Leute kommen und nach einem Bild fragen oder mit mir quatschen wollen. Da bin ich sehr offen und ich freue mich, wenn die Menschen zu mir kommen.
Am Ende des Jahres 2025 gab es sechs Spiele ohne Sieg, der Abstand nach unten ist in der Tabelle kleiner geworden. Wie viele Sorgen muss man sich um den FC machen?
Wir machen uns keine Sorgen. Wir wissen, was wir zu tun haben. Und wir wissen, was wir falsch gemacht haben, wieso wir nicht gepunktet haben. Daran arbeiten wir jetzt. In den zwei verbleibenden Spielen und dann in der Rückrunde wollen wir es auch wieder deutlich besser machen.
Wie wichtig wird dabei das Spiel gegen Heidenheim?
Extrem wichtig. Die Spiele gegen die Gegner aus dem unteren Tabellenbereich sind immer sehr wichtig, da man sich, wenn man punktet, davon distanzieren kann. Alle anderen Spiele sind aber auch wichtig, keine Frage.
Nach dem Test gegen Lugano bemängelte Trainer Lukas Kwasniok die Hingabe der Mannschaft. Haben Sie es auch so empfunden, dass vielleicht etwas das Feuer gefehlt hat?
Ja, schon. Das gilt auch für mich persönlich. Ich war in den letzten Tagen nicht auf meinem Top-top-top-Level, das würde ich so unterschreiben. Ich glaube aber, das Testspiel war relativ gut, wir haben eine andere Haltung gezeigt. Die wird auch gegen Heidenheim wichtig werden.
Kwasniok sagte auch, dass die Elf der ersten Hälfte für das Heidenheim-Spiel die Nase vorne hat. Sie gehörten zur zweiten Elf. Was bedeutet das für Sie?
Der Trainer entscheidet. Wenn ich von der Bank komme, ist das so. Das muss man als Fußballer akzeptieren. Trotzdem gebe ich alles dafür, dass ich von Anfang an spiele.
Sie haben gesagt, dass Sie nicht auf dem höchsten Level waren. Lag das auch daran, dass Sie diese sehr besondere Hinrunde verarbeiten mussten?
Ich glaube, das lag nicht nur an dieser Hinrunde, sondern auch daran, dass ich einfach noch ein sehr junger Spieler bin. Da gibt es Wellen: Schlechte Wochen, aber auch sehr gute. Das ist normal und gehört zur Entwicklung dazu.
„Ich fühle mich auf der linken Außenbahn mit der Linie neben mir auf jeden Fall am wohlsten.“ (Said El Mala)
Was brauchen Sie vom Verein, um Ihren Ehrgeiz zu befriedigen?
Das, was ich eigentlich schon jetzt bekomme. Das ist Vertrauen und die Tatsache, dass ich auf dem Platz einfach machen kann. Frei spielen, ohne strengste Vorgaben. Das kann ich, deshalb hat es auch so gut funktioniert bislang.
Inwiefern passen der Trainer Kwasniok und der Spieler Said El Mala zusammen?
Gut würde ich sagen. Ich darf machen, einfach spielen und meinen Freestyle rauslassen. Natürlich unter der Bedingung, dass ich defensiv arbeite (lacht).
Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?
Wir haben, wie jeder andere Spieler zu ihm auch, persönlich ein gutes Verhältnis, ohne dass wir jeden Tag ein Gespräch führen müssen.
Kwasniok sagte, dass Sie und Luca Waldschmidt ein kongeniales Duo bilden. Ist es tatsächlich so, dass Sie ähnliche Gedanken auf dem Platz haben?
Luca und ich verstehen uns auf und neben dem Platz sehr gut. Das merkt man auch im Spiel. Er weiß, wie ich laufe und ich weiß, wo Luca steht und läuft. Die Connection zwischen uns beiden ist wirklich sehr gut.
Nachdem Sie zu Saisonbeginn als Spezialist für die linke Seite bezeichnet wurden, kamen Sie nun auch schon im Sturmzentrum und auch mal auf der rechten Seite zum Einsatz. Wollen Sie sich bewusst vielseitiger aufstellen?
Definitiv. Ich fühle mich auf der linken Außenbahn mit der Linie neben mir auf jeden Fall am wohlsten, das merkt man auch. Aber um den Gegnern auch mal überraschend weh tun zu können, nehme ich mir vor, meine Qualitäten auch im Zentrum oder im Halbraum zu suchen.
Nehmen Sie sich eine konkrete Anzahl an Toren für die Rückrunde vor?
Nein, diesen Druck baue ich mir nicht auf. Ich will so viele Tore machen, wie es geht. Ob die Zahl am Ende zweistellig wird oder nicht, ist mir egal. Hauptsache, wir bleiben in der Liga.