Fast zehn Jahre mussten die ärgsten Konkurrenten des FC Chelsea, des FC Liverpool und von Manchester City warten, bis Weihnachten, Ostern und Geburtstag mal wieder auf einen Tag fielen. Im Dezember 2015 verloren nämlich diese drei Klubs letztmals eine Premier-League-Partie am selben Spieltag. Am vergangenen Wochenende war es wieder so weit.
Als Nutznießer kristallisierte sich im Laufe des Sonntags Arsenal heraus. Die Gunners gewannen ihr Heimspiel gegen Crystal Palace mit 1:0, haben nach dem 9. Spieltag sechs Zähler Vorsprung auf City, sieben auf die Reds. Die ärgsten Verfolger des Spitzenreiters heißen stattdessen Bournemouth, Tottenham und Sunderland.
Dass ManCity im gleichzeitig zur Arsenal-Partie ausgetragenen Duell mit Aston Villa auf eine Niederlage zusteuerte, hatte Mikel Arteta dabei zunächst gar nicht mitbekommen. Erst nach dem eigenen Spiel erfuhr der Cheftrainer der Gunners nach eigener Aussage davon, seine Spieler - "die meisten, denke ich, zumindest" - ebenso. "Sie dürfen in der Halbzeitpause nicht an ihre Handys, also wussten sie hoffentlich davon nichts."
Eze zu "100 Prozent" ein Mann für die besonderen Momente
Arsenal hatte ohnehin genug mit dem eigenen Spiel zu tun. Der Stadtrivale hielt weitestgehend gut dagegen, es dauerte eine halbe Stunde bis zum ersten Abschluss der Gunners. Wenig später war es mal wieder Zeit für einen der "magischen Momente", die Arteta so oft beschwört: Eberechi Eze - man ist fast geneigt zu sagen: ausgerechnet - traf in der 39. Minute. Sein erstes Premier-League-Tor für Arsenal. Gegen sein Ex-Team.
„Wir haben von solchen Situationen letztes Jahr noch einige Male profitiert.“ (Palace-Coach Oliver Glasner über das Tor von Eze)
Der 27-Jährige gehört laut Arteta zu "100 Prozent" zu den Spielern, die diese magischen Momente herbeiführen können. Das Tor war nicht gerade einfach, mit einem schnellen Antritt visierte er einen im Strafraum quergelegten Ball an und hämmerte die Kugel per Scherenschlag ins rechte Eck. "Wir haben von solchen Situationen letztes Jahr noch einige Male profitiert", scherzte Palace-Coach Oliver Glasner im Nachgang. Kolportierte 80 Millionen Euro ließ sich Arsenal die Dienste Ezes im Sommer kosten, nachdem dieser in fünf Jahren bei Crystal Palace zum Star gereift war.
Arteta erhofft sich Boost für Eze
Arteta fühlte sich bei dem Treffer an ein ähnliches Tor seines Profis im Vorjahr erinnert - aber eben gegen Arsenal. "Das ist, was große Spieler nun mal machen", schwärmte der Spanier. "Er gehört sicherlich zu dieser Riege großer Spieler. Hoffentlich gibt ihm das einen kräftigen Boost und Selbstvertrauen, um noch mehr solcher Momente zu generieren. Diese Momente können manchmal eine ganze Saison ausmachen."
Der Jubel Ezes fiel verständlicherweise nüchtern aus, vor dem Spiel gegen sein Ex-Team aber habe er sich nichts anmerken lassen. "Ich habe keine Unterschiede zu anderen Spielen gesehen", meinte Arteta. "Er ist immer sehr entspannt und hat immer ein riesiges Lächeln im Gesicht. Aber heute war bestimmt ein besonderes Spiel für ihn."
69 Prozent der Arsenal-Tore durch Standards
Ebenfalls besonders: Dem Treffer von Eze ging ein Freistoß voraus, wieder einmal jubelte Arsenal also infolge einer Standardsituation. Zum elften Mal in dieser Saison, bei insgesamt 16 erzielten Treffern. Knapp 69 Prozent ihrer Tore erzielten die Gunners also nach Standardsituationen. Chelsea kommt als zweitbestes Team der Premier League auf neun Treffer.
Gegen Palace kam Arsenal im weiteren Spielverlauf zu weiteren guten Chancen nach Standards, beispielsweise durch einen Lattentreffer nach Gabriel-Kopfball. Wegen dessen Gefahr bei Standards und dessen Stabilität in der Arsenal-Abwehr, die erst drei Gegentore in der Premier League kassiert hat, nannte Jamie Carragher den Brasilianer zuletzt den aktuell "einflussreichsten Spieler in der Premier League".
Als nächstes bekommt Brighton die Aufgabe, eine Antwort auf die Arsenal-Standards zu finden. "Du kannst sie nicht Eins-gegen-eins verteidigen", stellte Seagulls-Coach Fabian Hürzeler vor dem League-Cup-Achtelfinale am Mittwoch (20.45 Uhr) klar. "Und es ist nicht nur Gabriel, sie machen es als Team sehr gut und haben sehr gute Muster." Er versuche Brighton ebenfalls eine "Standard-Kultur" einzuimpfen, aber "das kommt nicht über Nacht, das braucht Zeit". Gleichzeitig weiß Hürzeler auch: "Es wird immer wichtiger in der Premier League."
Arsenal stellt dies unter Arteta schon seit Jahren unter Beweis. Ein Meistertitel ist dabei allerdings noch nicht herausgesprungen. Die Ausgangslage für 2025/26 ist nach neun Spielen aber schon mal vielversprechend.