Viermal war Piet Scobel in dieser Saison bislang als Joker beim FCN zum Einsatz gekommen. Beim Heimauftakt nach der Winterpause durfte der 20-jährige Stürmer nun erstmals von Beginn an ran. Am Ende stand fest: Der Youngster hatte nicht nur wegen seines Doppelpacks dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt.
Zwölf Torabschlüsse, zwei Tore
Nicht weniger als zwölf Torabschlüsse waren Ausdruck seiner großen Präsenz im Angriffszentrum - und vielleicht auch Ergebnis eines Ratschlags von Miroslav Klose: "Der Trainer hat mir gesagt, ich soll schauen, dass ich so in die Position komme, dass ich immer mit dem ersten Kontakt abschließe und gar nicht so darüber nachdenke", meinte der Lockenkopf im Interview nach dem Spiel bei Sky. "Gut, dass am Ende zwei reingegangen sind", so Scobel ganz trocken.
Reichert lobt Scobel über den grünen Klee
In Jan Reichert komplettierte ein zweiter Protagonist das Doppelinterview. "Ich muss aufpassen, dass ich den Jungen nicht zu sehr lobe", sagte der Keeper gut gelaunt und legte dann aber doch los: "Er ist super bei uns angekommen, ist jemand, der hart an seinen Schwächen arbeitet und alles für das Team gibt. Man hat heute gesehen: Er hat den unbedingten Willen, das Tor zu machen. Wir sind froh, ihn bei uns zu haben, er ist - nicht nur wegen der beiden Tore - ein ganz wichtiger Spieler für uns", erkannte der 24-Jährige an, der den Club beim Stand von 2:2 mit seinem gehaltenen Elfmeter gegen Otto Stange vor dem dritten Rückstand bewahrt hatte (85.).
"Überragend", gab Scobel das Lob an den Keeper zurück. "Es war nicht das erste Spiel, wo er uns den Arsch gerettet hat. Das hat uns nochmal den letzten Push gegeben", meinte der 1,91 Meter große Angreifer. "Es war einfach ein schöner Moment für die ganze Mannschaft", kommentierte Reichert, dessen böser Patzer kurz zuvor nicht bestraft worden war, die Sekunden nach seiner Elfmeterparade. "Da hat man gemerkt, es geht auch im Stadion nochmal ein Ruck durch." Nürnbergs Nummer 1, der die "zu einfachen Gegentore" monierte, gab aber den Ball dann wieder an Scobel zurück: "Wir müssen heute mehr über Piet reden", lachte Reichert.
Scobels Torbeschreibung: Kurz und knapp
Der holte bei der Beschreibung seiner beiden Kopfballtore nicht allzu weit aus: Beim Pfostenabpraller nach Lubach-Schuss habe er vor dem 2:2 richtig gestanden, "ich musste ihn nur noch reinmachen". Und bei seinem Siegtor lobte er Yilmaz ob einer überragenden Flanke. "Und dann haben wir's 3:2 gewonnen."
Der Siegtreffer, mit dem Scobel den Spieß für die Franken umdrehte, fiel in der Nachspielzeit, die Klose nicht mehr am Seitenrand erlebte. Der Weltmeister hatte sich über den Elfmeterpfiff - Referee Konrad Oldhafer hatte nach Berkay Yilmaz' Armeinsatz gegen Frederik Schmahl auf den Punkt gezeigt - so sehr und so lange echauffiert, dass einer Verwarnung letztlich die Gelb-Rote Karte folgte, was eine Sperre beim nächsten Spiel in Darmstadt (Freitag, 18.30 Uhr) nach sich ziehen wird.
"Ich hätte keinen Elfmeter gegeben", meinte Reichert mit Blick auf die TV-Bilder und sprang seinem Coach zur Seite, an den er auch gleich dachte: "Jetzt gehen wir erstmal zum Trainer", sagte der Schlussmann, "und gratulieren ihm auch zum Sieg."