Am vergangenen Sonntag hatte SC-Coach Julian Schuster im Heimspiel gegen Köln (2:1) im Vergleich zum Europa-League-Spiel gegen Tel Aviv (1:0) drei Tage zuvor nur einen Wechsel vorgenommen. Jetzt dürfte er im letzten Ligaspiel der Europa League beim OSC Lille (Donnerstag, 21 Uhr) wieder etwas mehr rotieren, auch weil personell ein paar Optionen weggefallen sind.
Lukas Kübler hat sich gegen Köln am Knie verletzt und ist wie Lucas Höler (Infekt) und Max Rosenfelder (Belastungssteuerung) gar nicht mit nach Nordfrankreich gereist. Philipp Lienhart (Bauchmuskelverletzung) fehlte schon davor, und er wird auch noch eine Weile brauchen.
Schusters Planspiele
Jeder Ausfall schmerze, meinte Schuster. Stürmer Höler sei ein Kandidat für die Startelf gewesen. Diese Chance könnten nun andere nutzen, und der SC-Coach nannte dabei explizit Junior Adamu, bei dem es ihm schwergefallen sei, ihn zuletzt nicht mehr einzusetzen. Andererseits hat Igor Matanovic in den vergangenen drei Spielen jeweils getroffen, befindet sich folglich im Flow.
Schuster glaubt nicht, dass der Kroate diesen verlieren würde, wenn er in Lille mal wieder auf der Bank sitzen würde. "Der Flow muss deshalb nicht weg sein", betonte Schuster. Den könne man auch als Einwechselspieler fortsetzen, fügte er in Bezug auf alle hinzu, die nicht zur Startelf gehören. "Es ist ein schmaler Grat und es gilt abzuwägen, wer mal eine Pause braucht, und wer die Belastung wie wegsteckt", sagte er. "Wir werden noch sehr wichtige Spiele im Laufe der Rückrunde haben."
Neben Mittelfeld-Dauerläufer Maximilian Eggestein wird aber auch Verteidiger Matthias Ginter in Lille nicht pausieren. "Er ist mit seiner körperlichen und mentalen Frische einer unserer stabilsten und konstantesten Spieler", lobte Schuster den 32-Jährigen: "Er hat mit dem Ball Lösungen, punktuell auch Torgefahr und Kopfballstärke, er führt mit die meisten Duelle in der Defensive."
Ginter, der bisher nur das Spiel in Leipzig krankheitsbedingt verpasst hat, sagt selbst, dass er sich "sehr gut fühlt" - und nach seinem Empfinden die vielleicht konstanteste Saison spielt. Allerdings gehe die "gefühlt in den nächsten Wochen erst richtig los. Dann kommen die heißen Spiele, da wollen wir alle auf unserem Leistungs-Peak sein."
In der Bundesliga haben die Freiburger wieder Anschluss an die internationalen Plätze, in zwei Wochen steht das DFB-Pokal-Viertelfinale bei Hertha BSC auf dem Programm, und dann würden die Freiburger gerne mal wieder eine Zeit lang ohne englische Wochen planen und trainieren.
Das Ziel ist es also, direkt ins Achtelfinale der Europa League einzuziehen, wozu dem Sport-Club als Tabellendrittem schon ein Punkt reicht. Abhängig von den anderen Ergebnissen gelingt der Achtelfinal-Einzug auch bei einer Niederlage, aber die Freiburger wollen in der Ligaphase ungeschlagen bleiben.
Warnung vor Lille
Allerdings rechnet Schuster in Lille mit der "schwersten Aufgabe dieser Gruppenphase", weil es ein Verein "mit höchster Qualität und Anspruch ist, der auch schon in der Champions League gespielt hat". Im Sturm läuft für sie der frühere französische Nationalstürmer Olivier Giroud auf. Der mittlerweile 39-Jährige ist zweitbester Torschütze seines Teams. Der treffsicherste Angreifer, Hamza Igamane, hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen.
Dass die Franzosen zuletzt fünf Pflichtspiele in Folge verloren haben, habe auch an den schweren Gegnern gelegen, erklärte der SC-Coach. "Wir haben es selbst zu Beginn der Saison erlebt, dass Niederlagen etwas auslösen können, dass man enger zusammenrückt", so Ginter. "Bei ihnen geht's noch um alles, um jedes Tor und jede Platzierung."
Lille ist in der Europa-League-Tabelle auf Platz 21 - und kann es maximal noch in die Play-offs schaffen, bei einer Niederlage droht jedoch das frühe Aus. "Es ist wichtig, dass wir die umkämpften Spiele zuletzt auf unsere Seite gezogen haben", sieht Ginter sich und seine Kollegen für die Herausforderung jedoch gut gewappnet.