Beim SC Freital stand auch im letzten Punktspiel des Kalenderjahres hinten wieder die Null. Das 1:0 gegen den FC Grimma war für den Sechsten der Vorsaison der neunte Saisonsieg ohne Gegentor und der Schlüssel, um als Tabellenführer in die Winterpause zu gehen. Das ist für den 2020 aus einer Fusion der Vereine Stahl Freital, Hainsberger SV und Motor Freital hervorgegangenen Klub in seinem vierten Jahr in der Oberliga NOFV-Süd ein historischer Erfolg. "Es macht uns stolz und es hatten sicher auch nicht viele so erwartet", sagt Trainer Christopher Beck. In der Tat wurden im Sommer eher der VfB Krieschow, der RSV Eintracht Stahnsdorf, der VFC Plauen, der VfB Auerbach und Germania Halberstadt als Staffelfavoriten gehandelt. Für den Freitaler Trainer ist die Spitzenposition, die seine Mannschaft seit dem 6. Spieltag innehat, eine Belohnung "für die Arbeit und die Leidenschaft, die vom Team bis zum Staff alle im Verein an den Tag legen".
Die gute Zwischenbilanz hängt mit der starken Abwehrleistung ursächlich zusammen. Für Beck ist die stabile Defensive aber nicht nur ein Verdienst der Hintermannschaft, in der unter anderem Torhüter Matti Kamenz (10 Drittliga-Einsätze für den FSV Zwickau) und Innenverteidiger Paul Horschig (103 Regionalliga-Spiele für Chemie Leipzig) höherklassige Erfahrung einbringen. "Da steckt auch eine Entwicklung als gesamtes Team dahinter", sagt der Trainer. Seine Grundidee, mit viel eigenem Ballbesitz das Geschehen so zu dominieren, dass der Gegner nur zu wenigen Tormöglichkeiten kommt, geht im zweiten Jahr als Cheftrainer des SC Freital immer besser auf. "Es hat ein bisschen gedauert, um die richtigen Stellschrauben zu finden und Automatismen reinzukriegen. Aber so gelingt es uns jetzt in vielen Spielen, den Gegner von unserem Tor fernzuhalten."
Rückstand aufgeholt
Die 0:1-Heimniederlage im Topspiel gegen den RSV Eintracht Stahnsdorf ist trotz des umstrittenen Elfmeters, der zum Tor des Tages führte, abgehakt. "Wir nehmen mit, dass wir nicht unbesiegbar sind und an unserer Cleverness arbeiten müssen. Wir nehmen aber insgesamt aus der Hinrunde auch mit, dass wir mit Mannschaften mithalten können, die vor zwei Jahren vielleicht noch eine Ebene über uns standen", unterstreicht der SC-Trainer.
Er ist guter Dinge, im neuen Jahr an die guten Leistungen anknüpfen zu können. "Wir werden weiter mutig auftreten, weil die Jungs einfach Bock auf Fußball haben. Es gab im Herbst keine einzige Trainingseinheit, in der ich den Eindruck hatte, dass sie sich auf der Tabellenführung oder den Ergebnissen ausruhen", berichtet Beck. Auch die Kadergröße und der gute vereinsinterne Unterbau spielen den Freitalern in die Karten. "Wenn mal ein, zwei Spieler platt sind, kann ich jederzeit andere bringen, die einen frischeren Eindruck machen", sagt der Trainer. Die interne Torschützenliste führen Bruno Schiemann und Philip Weidauer mit je sechs Treffern an.
Beck blendet die Tabelle aus
Während sich der Vorstand des Vereins zu Beginn des neuen Jahres vorsorglich schon mal genauer mit den Voraussetzungen für die Regionalliga-Lizenz beschäftigen wird, versucht Chefcoach Beck die Tabellensituation in der Rückrundenvorbereitung ein Stück weit auszublenden. Seine Herangehensweise: "Wir wollen topfit sein und müssen weiterhin die gleiche Gier an den Tag legen, um Woche zu Woche abzuliefern." Die größten Kontrahenten sieht er in den Verfolgern RSV Eintracht Stahnsdorf ("das ist eine sehr kompakte Truppe") und Germania Halberstadt ("sie haben viele Spiele hintenraus gezogen"). Doch auch den VfB Krieschow und den VFC Plauen hat er noch nicht abgeschrieben. Um für die ersten Spiele im Februar gut gerüstet zu sein, absolviert der SC Freital unter anderem Mitte Januar ein viertägiges Trainingslager in Oberfranken.