Wie hast du dich in Basel eingelebt?
"Sehr gut. Ich habe sehr schnell eine Wohnung gefunden und meine Familie hat mir beim Einzug geholfen. Nach nur einem Wochenende war ich schon in der Wohnung. Wenn es um das Privatleben geht, bin ich wirklich sehr zufrieden."
Und wenn es um das Sportliche geht? Du hast dich schnell in der ersten Elf festgespielt, bist du zufrieden mit deinem persönlichen Start beim FCB?
"Da bin ich auch sehr zufrieden. Es ist nie einfach, zu einem neuen Verein zu kommen und sich dann in die Startformation zu spielen. Ich will damit nicht sagen, dass mir das schon komplett gelungen ist, aber ich bin dankbar für die Chancen die ich bekomme. Ich fühle mich im Verein sehr wohl und hätte nicht gedacht, dass es so schnell so angenehm sein würde."
„Seit Wochen wird das intensiv trainiert, das kann nicht mehr lange dauern, bis es besser wird. Da bin ich mir zu einhundert Prozent sicher.“ (Flavius Daniliuc über die zuletzt mangelnde Chancenauswertung)
Haben dich gewisse Dinge vom Leben in der Schweiz oder auch der Super League selbst überrascht?
"Nein, überrascht nicht. Das Einzige, was mir auffällt ist, dass aktuell gefühlt jeder gegen jeden gewinnen kann. Jeder Verein, egal ob das wir sind oder andere grosse Clubs wie St.Gallen oder YB, muss an seine Grenzen gehen, um zu gewinnen. Macht man das nicht, verliert man. Das hat man auch bei uns in Lausanne gesehen. Wenn man aber an die Grenze geht, kann man auch Topspiele hoch gewinnen. So habe ich das in meiner Karriere noch nicht kennengelernt."
Zuletzt läuft es dem Verein nicht wunschgemäss, das grosse Problem ist in den letzten Wochen die Chancenverwertung. Wie erlebst du das als Verteidiger - hadert man da mit den Teamkollegen oder wie versuchst du, die Kollegen zu unterstützen?
"Wichtig ist es immer, das Gespräch zu suchen. Unabhängig davon ob jemand in einer schwierigen Situation steckt, es ist wichtig, mit dem Mitspieler zu kommunizieren. Gleichzeitig sehe ich wie wir im Training hart an diesem Thema arbeiten. Seit Wochen wird das intensiv trainiert, das kann nicht mehr lange dauern, bis es besser wird. Da bin ich mir zu einhundert Prozent sicher."
Welche Ziele hast du dir persönlich mit dem FC Basel gesteckt?
"Ich habe ein persönliches und ein mannschaftliches Ziel. Persönlich war es mein Ziel, so schnell wie möglich Stammspieler zu sein und der Mannschaft helfen zu können, sei es mit der Kommunikation oder meinen Leistungen. Mannschaftlich will ich in dieser Saison mindestens einen Titel holen. Das habe ich mir vorgenommen. Der FC Basel ist dafür bekannt, zu gewinnen, auch wenn es in den letzten Jahren nicht immer der Fall war."
Die Auslosung im Cup-Viertelfinale hätte für den FCB einfacher sein können. Was denkst du über das Auswärtsspiel gegen den FC St.Gallen?
"Das ist völlig egal. Wir müssen gegen jeden gewinnen, um den Cup zu gewinnen. Da spielst du lieber gegen St.Gallen im Viertelfinale, dann setzt du ein grosses Ausrufezeichen. Ich sage nicht, dass es einfach wird. Ich weiss, es wird schwierig. Der FCSG kann einen sehr in Bedrängnis bringen und aus dem Nichts eine gefährliche Torchance kreieren. Unter dem Strich freue ich mich aber, wie es gelaufen ist. So können wir zeigen, wer wir sind. Es wird ein intensives und interessantes Spiel."
Wenn wir auf dich persönlich blicken: Wo siehst du noch Möglichkeiten, an denen du dein Spiel verbessern kannst?
"Da habe ich noch einige Dinge. Bei Standards könnte ich noch torgefährlicher werden. Das ist ein Ziel, das ich mir selbst gesetzt habe. Dazu sehe ich auch beim Spielaufbau noch Situationen, die ich anders lösen könnte. Zum Beispiel könnte ich mehr andribbeln, lange Bälle spielen oder gegnerische Ketten überspielen. An solchen Details möchte ich feilen, um mein Spiel zu perfektionieren."
„Dadurch, dass wir nicht so viele Linksfüsser haben und ich auf der linken Seite spiele, kann ich im Training von Finn van Breemen abschauen.“ (Flavius Daniliuc über die Qualitäten seiner Mitspieler)
Gibt es auch Mitspieler beim FC Basel, bei denen du denkst, du könntest etwas in dieser Beziehung abschauen?
"Dadurch, dass wir nicht so viele Linksfüsser haben und ich auf der linken Seite spiele, kann ich im Training von Finn van Breemen abschauen. Er ist jetzt wieder fit und da sehe ich, wie er Dinge mit dem linken Fuss löst, die ich so bislang nicht im Kopf hatte, da ich Rechtsfüsser bin."
Gibt es Verteidiger weltweit, an denen du dich etwas orientierst?
"Ja, auf jeden Fall. Ruben Dias finde ich sehr interessant. Auch Sergio Ramos war immer ein Thema, da er sich durch eigene Kraft immer weiterentwickelt hat. Er war nie besonders gross oder besonders schnell, aber durch die harte Arbeit konnte er diese Schritte gehen."
Dein letzter Verein, Salernitana, ist ohne dich in die Serie C abgestiegen. Dann wechseltest du erst spät im Transferfenster zum FC Basel. Erfolgte die Kontaktaufnahme mit dem FC Basel so spät oder war es über längere Zeit eine finanzielle Frage?
"Die Kontaktaufnahme kam relativ früh. Schon zu Beginn des Sommers gab es die ersten Kontakte zwischen meinem Berater und dem Verein. Die Vereine lagen zu Beginn beim finanziellen Paket weit auseinander. Dann wurde der Transfer zunächst auf Eis gelegt, doch am Ende ging alles auf und das hat uns alle glücklich gemacht."
Wie war der Sommer für dich, das müssen doch nervenaufreibende Wochen und Monate für dich gewesen sein?
"Ich dachte, ich müsste wahrscheinlich dableiben. Ich habe gemerkt, dass der Verein viele Offerten kategorisch ausschlägt. Dann habe ich für mich akzeptiert, dass ich wohl noch ein Jahr in Salernitana bleiben werde. Es wäre mein letztes Vertragsjahr gewesen. Ich hätte mich auf meinen Fussball fokussiert und versucht, mich in der Serie C zu präsentieren."
Wie hast du dich im Vorfeld über FC Basel informiert? In der Vergangenheit spielten beim FC Basel beispielsweise auch Landsmänner wie Aleksandar Dragovic oder Heinz Lindner, hast du mit ihnen sprechen können?
"Ich weiss, dass die beiden hier gespielt haben und auch sehr gut gespielt haben. Trotzdem habe ich meine Informationen von Dan Ndoye eingeholt. Ich habe ihn angerufen, es war mir wichtig seine Meinung zu hören. Seine Karriere hat mit dem Transfer zum FC Basel einen riesigen Aufschwung genommen, besser kann es kaum laufen. Dazu hatte ich einst einmal einen privaten Trainer in der Jugend: Ognjen Zaric. Ihn konnte ich auch fragen und er meinte ebenfalls, der Schritt zum FC Basel wäre super für mich."
Zusammen mit dir sind noch Dylan Bronn und Lilian Njoh von Salernitana ebenfalls in die Super League gewechselt, habt ihr noch Kontakt?
"Ja, auf jeden Fall. Auch als wir gegeneinander spielten, haben wir vor und nach dem Spiel miteinander geredet und auch Trikots ausgetauscht. Das sind gute Freunde von mir, der Kontakt ist immer noch da."
„Ich war sehr nervös, habe es mir angeschaut und mich sehr gefreut, als Gregoritsch zum 1:1 traf. Das war ein schöner Moment für das ganze Land.“ (Flavius Daniliuc zur gelungenen WM-Qualifikation Österreichs)
Kommen wir noch zur österreichischen Nationalmannschaft. Sie hat sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Du warst nicht dabei, sondern auf Abruf, wie hast du das entscheidende Spiel gegen Bosnien-Herzegowina verfolgt und erlebt?
"Ich habe es von zu Hause aus verfolgt. Das war mir und wohl der gesamten Nation wichtig. Am Ende des Tages hat sich Österreich zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder für eine WM qualifiziert. Ich war sehr nervös, habe es mir angeschaut und mich sehr gefreut, als Gregoritsch zum 1:1 traf. Das war ein schöner Moment für das ganze Land."
Ist es auch ein persönliches Ziel von dir, noch auf den WM-Zug aufzuspringen und noch an die Endrunde zu fahren?
"Ich glaube, es ist ein Ziel, von jedem Spieler, der einmal die Möglichkeit hatte, bei der Nationalmannschaft dabei zu sein. Trotzdem ist mir bewusst, dass ich es nur mit meinen eigenen Leistungen beeinflussen kann. Ich kenne Trainer Ralf Rangnick gut, er trifft seine Entscheidungen bewusst. Ich weiss auch, dass es auf meiner Position in der Nationalmannschaft viele sehr gute Spieler gibt. Die spielen alle bei ihren Vereinen und bringen ihre Leistungen, am Ende wird es der Trainer entscheiden. Mein Job ist es, mich durch harte Arbeit zu empfehlen."
„Ich habe das oft gesagt und dabei bleibe ich auch, wenn es geht, möchte ich solange wie möglich hierbleiben und das solange wie möglich geniessen.“ (Flavius Daniliuc über seine Ambitionen beim FCB)
Dein Wechsel zum FC Basel kam aber nicht mit der WM im Hinterkopf zustande?
"Nein. Ich habe den Trainer angerufen und er hat mir seine Meinung zum Transfer gegeben. Er hat sehr gut über den FC Basel gesprochen und gesagt: 'Mach das, es ist das Wichtigste das du spielen kannst.' Ich wusste, dass es aber nicht ausschlaggebend sein wird, ob ich zur Nationalmannschaft stossen werde oder nicht."
Für dein junges Alter bist du bereits ordentlich herumgekommen. Du hast im Jugendalter in Spanien gespielt, dann in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und jetzt der Schweiz. Ist das alles teilweise glücklichen oder unglücklichen Umständen geschuldet oder bist du ein Mensch, der immer gerne wieder neue Herausforderungen annimmt?
"Es war beides. Wäre ich nicht ein Mensch, der sich auf neue Herausforderungen freut, wäre das gar nicht möglich gewesen. Trotzdem waren einige Entscheidungen gezwungenermassen. Beispielsweise die beiden Leihen nach den Abstiegen von Salernitana. Nur so konnte ich weiter Erstligafussball spielen. Ich würde aber nicht sagen, dass ich das Leben lang so fortführen möchte. Ich habe das oft gesagt und dabei bleibe ich auch, wenn es geht, möchte ich solange wie möglich hierbleiben und das solange wie möglich geniessen: Das Umfeld, die Stadt, der Verein, der mir mehr gibt als ich hätte erwarten können. Das möchte ich mit guten Leistungen und Laufzeit zurückgeben, wenn es geht. Das hängt natürlich nicht nur von mir ab. Am Ende hat auch der Verein einen Plan. Sollte ein Angebot kommen, dass man nicht ablehnen kann, muss man sich das natürlich anhören und darüber sprechen. Momentan ist das aber nicht der Fall und deshalb bin ich sehr glücklich hier."
Hast du noch Träume oder Ziele, die du in deiner Karriere noch erreichen möchtest?
"Auf jeden Fall. Ich möchte unbedingt einmal Champions League spielen. Das habe ich mir schon immer gesagt. Ich glaube das ist auch hier möglich. Wenn wir hier als Mannschaft unser Potenzial abrufen und wir Erster werden, dann nehmen wir wieder an der Qualifikation teil und es besteht die Möglichkeit, Champions League spielen."
Zum Abschluss eine persönliche Frage: Du bist wieder gänzlich fit und einsatzbereit für das Spiel gegen den FC Winterthur am Sonntag?
"Ja, ich bin fit und einsatzbereit. Ich habe meine Krankheit ausgeschlafen, mir geht es gut - Dankeschön."