Am 29. August war es so weit: Durch den Last-Minute-Sieg beim damaligen Schlusslicht aus Großschwarzenlohe (2:1) erklomm der TSV Neudrossenfeld erstmals in seiner Vereinsgeschichte die Spitze der Bayernligatabelle. Freilich war dies nur eine Momentaufnahme - und doch schwingt bei Trainer Andreas Baumer ein gewisser Stolz mit: "Da bereits acht Spieltage gespielt waren, ist es schon ein kleiner Meilenstein, Tabellenführer gewesen zu sein. Für uns als Dorfverein ist das definitiv nicht normal."
Letztendlich hielten die Neudrossenfelder den Platz an der Sonne allerdings nur für eine Woche - nach einem 0:2 beim Titelfavoriten aus Eltersdorf war das "besondere" Tabellenbild schon wieder vorüber.
Formstärke versus Selbstzufriedenheit
Anschließend hing nach einem 2:5 beim starken Aufsteiger aus Stadeln der Haussegen sogar kurzzeitig etwas schief - vor allem, weil den Oberfranken immer wiederkehrende Probleme Sorgen bereiten: "Wir bekommen leider in regelmäßigen Abständen unser Potenzial nicht auf den Platz - vor allem, wenn wir im Flow sind und dann in eine Art Selbstzufriedenheit fallen", prangert der 43-Jährige den eigenen Schlendrian an. Schließlich sei in der Bayernliga ohne hundertprozentigen Einsatz kein Sieg möglich - und doch falle seine Mannschaft "immer wieder ins gleiche Muster".
Was da helfen kann? "Es ist eine Frage der mentalen Stärke. Wir müssen von Beginn an da sein und uns auch nach Rückständen aufbäumen", lautet der Kern der Analyse. Denn das gelang der Elf vom Weinberg weder in Stadeln noch ein paar Wochen zuvor in Neumarkt (0:3). Gefühlt passte der Saisonauftakt gegen den ATSV Erlangen (4:5) ebenso in das Schema der fehlenden Prozentpunkte - so verspielte Neudrossenfeld einen 4:1-Vorsprung nach 25 Minuten noch gänzlich und stand letztendlich ohne Punkte da.
Ein Goalgetter für den nächsten Schritt?
Dabei ist die Defensivstärke grundsätzlich eine der Stärken bei den Grün-Weißen, die bereits fünf Mal zu Null spielen konnten. Gepaart mit dem fußballerischen Ansatz von Baumer, den der Trainer seit seinem Amtsantritt im Sommer 2024 verordnete, sind die Grundlagen vor eine erfolgreiche Saison prinzipiell vorhanden. "Es ist weiterhin oft unser Schwerpunkt im Training, wie wir Lösungen gegen unsere Gegner finden - egal, ob die uns hoch anlaufen oder tief stehen", sieht der Übungsleiter die Entwicklung auf einem guten Weg, jedoch als "Teil eines fortlaufenden Prozesses".
Fehlt nur noch eins: Eine solide Torausbeute. Die ist bei den Neudrossenfeldern nämlich weiterhin nicht gut genug - oder wie es der Coach formuliert: "Aufwand und Ertrag passen häufig nicht zusammen." Dabei hätte man mit dem regionalligaerprobten Routinier Stefan Kolb sogar einen Goalgetter mit "unfassbarer Erfahrung" im Kader, doch der mittlerweile 34-Jährige kommt in der aktuellen Spielzeit vermehrt als Joker zum Einsatz.
Vielleicht hat der TSV kürzlich aber auch die erhoffte Lösung gefunden: Mit Marin Hrgota, der zuletzt für die SpVgg Greuther Fürth II in der Regionalliga auflief, kam ein vielversprechender Stürmer an den Weinberg - und knipste bei seinen ersten zwei Auftritten gleich zweimal. "Rein statistisch hat er schon mal gut angefangen", schmunzelt Baumer.
Richtungsweisende Wochen warten
So könnte der 21-Jährige genau zur richtigen Zeit zum Team gestoßen sein - schließlich erwarten die Oberfranken mit dem Regensburg-Doppelpack richtungsweisende Wochen: "Ich sehe das als Reifeprüfungen. Wenn wir die bestehen, können wir uns vielleicht oben festbeißen und zumindest schnell eine sorgenfreie Saison spielen", schätzt der Übungsleiter die Situation ein. Als Fünfter ist man nämlich weiterhin im Vorderfeld der Tabelle platziert, weist gleichzeitig jedoch nur zwei Zähler Vorsprung auf Rang zehn auf.
Und Vorsicht ist zusätzlich geboten: "Die Jahn-Reserve ist eine Wundertüte", weiß Baumer um den potenziellen Nachteil der Länderspielpause, "und gegen Fortuna haben wir zuletzt insbesondere auswärts schlechte Erfahrungen gemacht". So gab es im Mai in der Oberpfalz kurz vor dem Saisonende eine herbe Klatsche zum Abschluss einer eigentlich guten Saison. Der TSV hat somit etwas gut zu machen - an der eigenen Motivation sollte es in den kommenden Partien demnach nicht scheitern.