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Georgieva: "Ich fühle mich fallen gelassen"

kicker

Plötzlich wurde es ruhig um Marina Georgieva. In der Fiorentina-Kaderliste für die Saison 2025/26 schien die Nationalspielerin nicht auf, von einer Abschiedsbotschaft fehlte sowohl aufseiten des toskanischen Klubs als auch seitens der Verteidigerin jede Spur. "Es ist eine sensible Geschichte", eröffnet Georgieva dem kicker.

Protagonistin dieser sensiblen Geschichte ist Georgievas Schulter: "Sämtliche Sachen waren gerissen", so die 28-Jährige. Vor etwa zwei Monaten unterzog sich die Verteidigerin einer OP, der tatsächliche Verletzungsmoment liegt aber bereits ein Jahr zurück. "Da gab es Versäumnisse seitens des Vereins. Schlussendlich bin ich nach der Saison aufgrund anhaltender Schmerzen, mit denen ich gespielt habe, selbst zu Privatärzten gegangen. Dort wurde die Diagnose gestellt, dass ich umgehend operiert werden muss."

"Ich habe fast die gesamte Zeit mit Schmerzmitteln gespielt"

In einer Phase, in der sich Georgieva bewusst Zeit nehmen wollte, um die nächsten Schritte zu planen und ihre Optionen abzuwägen, traf sie die Ausfalldauer von sechs Monaten hart. Eine Verlängerung bei der Fiorentina war in den Monaten vor der Diagnose immer mal wieder im Raum gestanden. "Schlussendlich hat die Fiorentina ihr Angebot zurückgezogen, nachdem sie im Winter noch unbedingt für zwei Jahre verlängern wollte. Natürlich hat meine Leistung durch die Schmerzen, mit denen ich spielen und trainieren musste, abgenommen. Das will ich gar nicht abstreiten. Ich habe fast die gesamte Zeit mit Schmerzmitteln trainiert und gespielt. Die Diagnose des Arztes im Verein war, dass keine Operation nötig sei."

Die Enttäuschung über die Vorgehensweise der Viola spricht Georgieva offen an: "Ich fühle mich fallen gelassen. Der Verein, der mich vor zwei Jahren aufgefangen hat, lässt mich fallen." Damals war die robuste Verteidigerin nach wenig Spielzeit bei Paris Saint-Germain nach Florenz gewechselt. Der Weg von der Seine an den Arno endete schließlich in der Vereinslosigkeit.

Ein Problem, mit dem die langjährige Teamspielerin nicht allein ist. Ein weiteres heimisches Beispiel für die teils prekäre Lage von Fußballerinnen ist Isabella Kresche. Nach ihrem Vertragsende bei US Sassuolo im Sommer 2024 war die Torhüterin knapp drei Monate vereinslos, ehe sie von der AS Roma verpflichtet wurde. Mittlerweile pflückt die 26-Jährige für den US-amerikanischen Klub Tampa Bay Sun Bälle aus dem Himmel.

"Es war eine Höllenzeit"

Von den ersten Wochen nach Vertragsende bei der Fiorentina zeichnet Georgieva ein düsteres Bild. Der Umzug von Italien nach Österreich musste mit frisch operierter Schulter organisiert werden. Die verzweifelte Suche nach einer Wohnung begann. "Die Reha ist in Wien, also kann ich nicht bei meinen Eltern in Niederösterreich leben und jeden Tag hin und her fahren. Ich war total immobil, hatte kein Fahrzeug, weil ich bis dahin immer mit dem Vereinsauto gefahren bin."

„Ich hätte die Verletzung auch verschweigen und die Reha bei einem Verein machen können. Aber das ist nicht meine Art.“ (Marina Georgieva (28) über ihre Entscheidung, vorerst vereinslos zu bleiben)

Ein gesichertes Einkommen fiel vorerst weg: "Ich habe mich natürlich an das AMS gewandt. Das hat wiederum Daten aus Italien gebraucht. Also hat es erstmal gedauert, bis ich Geld bekommen habe. Plötzlich kein Einkommen zu haben, obwohl man vielleicht auch ein höheres Einkommen gewohnt ist, war sehr belastend. Diese Existenzangst ging wirklich an die Substanz, es war eine Höllenzeit."

Dank der Unterstützung von Freunden und Familie kann sich Georgieva mittlerweile voll und ganz auf den Heilungsprozess und die Rückkehr in den Profifußball konzentrieren: "Eine Freundin hat mich bei sich wohnen lassen, eine andere hat mir über einen Monat ihr Fahrzeug geliehen, mein Bruder war mit mir auf Autobesichtigungen." Der Glaube spendete der christlichen Georgieva in der schwierigen Phase ebenso viel Kraft.

Österreich ist nur ein Zwischenstopp

Hilfe auf dem Reha-Weg gibt es vom ÖFB: "Ich bin bei der Nationalteam-Physiotherapeutin und gehe dort jede Woche zur Therapie. Ich bin sehr zufrieden und dankbar, wie mich das Nationalteam unterstützt, auch in der schweren Zeit. Alex (Schriebl, Teamchef, Anm.) meldet sich immer wieder bei mir, erkundigt sich, wie es mir geht und wie die Reha läuft. Das finde ich super schön, so stelle ich mir das auch vor." Fortschritte sind bei der zweifachen österreichischen Meisterin erkennbar: "Ich bin auf dem Weg der Besserung, es läuft bis jetzt gut. Offensiv geht absolut alles, nur Zweikämpfe darf ich noch nicht machen."

Bis Georgieva ihre Kernkompetenz bei einem neuen Verein unter Beweis stellen kann, werden noch einige Monate vergehen. "Ich habe mich dafür entschieden, erst mal vereinslos zu bleiben, keine Angebote anzunehmen und mich voll und ganz auf die Reha zu konzentrieren. Möglicherweise hätte ich aufgrund meiner Verletzung auch einen schlechteren Vertrag bekommen. Ich hätte die Verletzung rein theoretisch auch verschweigen und die Reha bei einem Verein machen können. Aber das ist nicht meine Art, ich möchte immer professionell und ehrlich meinen Weg gehen. Ich gehe dann im Winter meinen Weg als Profispielerin weiter."

Die Idee einer sportlichen Rückkehr nach Österreich verwarf die ehemalige St. Pölten-Akteurin rasch. "Ich möchte so schnell wie möglich wieder auf hohem Niveau spielen und im Winter wieder im Ausland sein." Als mögliche Ziele nennt Georgieva England, Deutschland und die USA - eine Renaissance abseits von Florenz.