Aus Basel berichten Oliver Hartmann und Sebastian Wolff
Auf der Pressekonferenz im prall gefüllten Medienraum des Basler St.-Jakob-Park hatte Serge Gnabry am Donnerstagabend seinen Platz auf dem Podium, direkt neben Bundestrainer Julian Nagelsmann. Es ist ein weiteres untrügliches Zeichen für dessen Stellenwert vor dem ersten Länderspiel des WM-Jahres in der Schweiz am Freitag (LIVE! ab 20.45 Uhr bei kicker). Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Geschichte des Alleskönners in der Nationalmannschaft auserzählt schien.
"Serge muss sich bei uns nicht nur über Tore definieren"
Das Final Four in der Nations League im vergangenen Juni war für Gastgeber Deutschland mit zwei Niederlagen (1:2 gegen Portugal, 0:2 gegen Frankreich) überaus ernüchternd zu Ende gegangen, Gnabry, bei der vorangegangenen Heim-EM nicht nominiert und unverändert mit dem Status des Wackelkandidaten versehen war, hatte bei beiden Auftritten enttäuscht. Sein Ende mit dem DFB-Emblem auf der Brust schien nah, ehe ihm ab dem Sommer Erstaunliches gelang: Der gleichermaßen Hochbegabte wie Wankelmütige lieferte verlässlich Scorerpunkte - und zwar ohne Unterbrechungen.
In der laufenden Spielzeit stehen für Gnabry beim FC Bayern in der Bundesliga acht Treffer und sieben Vorlagen in der persönlichen Statistik, in der Champions League traf er zweimal, legte dreimal auf. Diese Konstanz ruft er auch unter Nagelsmann ab, steuerte drei Tore und eine Vorlage zur letztlich erfolgreichen WM-Qualifikation bei - und ist für den Sommer als feste Größe eingeplant.
Der Bundestrainer hat den Status seines früheren Bayern-Spielers auf der Pressekonferenz am Donnerstag klar untermauert. Während der gemeinsamen Vorbereitungstage in Herzogenaurach hat Nagelsmann die angekündigten Rollengespräche mit seinen Spielern geführt und sagt: "Serge hatte ein gutes Rollengespräch. Weil er sehr gut und intensiv trainiert und gearbeitet hat. Man merkt, dass er gut drauf ist, dass er fit ist. Und er muss sich bei uns nicht nur über Tore definieren, er hat ganz grundsätzlich einen großen Wert."
Fester Platz, der überall sein kann
Das Thema Fitness ist für Gnabry selbst ein ganz entscheidendes. Wenn er erklärt, "ich fühle mich sehr gut", dann ist dies bei ihm mehr als die branchenübliche Floskel. "Fehlende Fitness durch Verletzungen hat mich schon oft gute Phasen gekostet oder diese zumindest unterbrochen." Aktuell scheint kein Bruch in Sicht, dementsprechend hat er einen festen Platz - auch wenn dieser überall sein kann. In München hat er in dieser Saison bereits sämtliche Offensivpositionen bekleidet, beim DFB ist er ebenfalls im Zentrum und auf der Außenbahn einsetzbar. "Das", sagt er gelassen, "war schon immer so."
Was neu ist an Gnabry, ist die Tatsache, dass er Verantwortung verspürt vor einer WM-Teilnahme, die im vergangenen Sommer noch ein gutes Stück entfernt schien. "Meine Rolle als älterer Spieler ist die, ein Vorbild zu sein und mit Leistung voranzugehen." Das funktioniert schon seit Monaten so konstant wie selten zuvor.