Daniel Gygax, der von 2003 bis 2005 unter Lucien Favre beim FC Zürich spielte, erinnert sich mit einem Lächeln an die gemeinsame Zeit zurück. "Er war für mich entscheidend bei meiner Weiterentwicklung. Unter ihm hatte ich meinen Durchbruch beim FCZ, durfte Nationalspieler werden, bevor ich ins Ausland ging", erzählt Gygax. Er bestritt insgesamt 65 Pflichtspiele unter Favre und betont, wie wichtig dessen Arbeitsweise für ihn als jungen Spieler war.
Favres Engagement für seine Spieler und seine detailorientierte Herangehensweise hinterliessen bei Gygax einen bleibenden Eindruck. "Er war einer, der extrem akribisch gearbeitet hat. Für mich als junger Spieler war es wichtig, den nächsten Schritt zu machen. Er war auch einer, der spontan auf mich zukam und fragte, was ich heute Nachmittag mache. Als Spieler hattest du eigentlich immer Pläne", erinnert sich der heute 44-Jährige. Favre nahm sich stets Zeit für individuelle Trainingseinheiten und zeigte ein tiefes Verständnis für die Entwicklung seiner Schützlinge. "Es war nicht ungewöhnlich, dass er mit dir mal alleine auf den Platz kam oder vielleicht nur mit zwei, drei Spielern noch Extraschichten geschoben hat - sich die Zeit genommen hat", so Gygax weiter.
Favres Persönlichkeit war ebenso einzigartig wie seine Trainingsmethoden. Laut Gygax war er "extrem geradlinig und direkt." Anstelle von Umschweifen brachte er seine Meinungen klar und unverblümt zum Ausdruck. Besonders prägte er Gygax' taktisches Spielverständnis und Positionsspiel: "Er hat immer gesagt: 'Gehen Sie an die Linie, gehen Sie an die Linie.' Also, dass ich an der Seitenlinie immer Platz habe. Im Taktischen und Positionsspiel konnte ich von ihm extrem profitieren." Diese Ratschläge und die gezielte Förderung hätten Gygax geholfen, sich als rechter Mittelfeldspieler zu entwickeln.
Die Zusammenarbeit mit Favre war jedoch nicht nur lehrreich, sondern auch von gegenseitigem Respekt und einer Prise Humor geprägt. Gygax erinnert sich an die kleinen Neckereien im Training: "Favre hatte immer so ein schelmisches Lachen drauf. Wenn er an mir vorbeigelaufen ist, hat er immer gesagt: 'Sie sind nicht normal, Sie sind nicht normal.'" Trotz seiner oft zurückhaltenden Art wusste Favre dennoch, wie er seine Spieler motivieren konnte. "Manchmal war es einfach so ein Lachen, das er dir entgegenbrachte oder er berührte dich mal am Arm. Er hat nicht viel kommuniziert, aber trotzdem viel gesagt", beschreibt Gygax die besondere Art seines Mentors. "Es hat einfach Spass gemacht, unter ihm zu spielen."