Wirklich nichts deutete in der 89. Minute darauf hin, dass der LASK im Heimspiel gegen Hartberg noch etwas Zählbares holen würde. Dank dreier Treffer in der Schlussphase retteten die Hausherren aber doch noch einen Punkt - und sorgten somit für lange Gesichter bei den Gästen aus der Oststeiermark. TSV-Kapitän Jürgen Heil stufte den Auftritt seiner Mannschaft gar als "bundesligauntauglich" ein: "So etwas habe ich noch nie erlebt. Noch nicht einmal im Fernsehen habe ich das bei irgendeinem Spiel gesehen."
Heil, der das Spielfeld in der 85. Minute beim Stand von 3:0 verlassen hatte, redete sich im Sky-Interview förmlich in Rage. "Du reißt dir 80 Minuten den Arsch auf, führst mit 3:0 und willst mit drei Punkten heimfahren. Vor dem Match reden wir noch, dass wir die drei Punkte brauchen, wenn wir um die Top sechs mitspielen wollen. Und was ist dann? Wenn ein paar Spieler ausfallen, kriegen wir jedes Mal zehn ,Hütten‘, oder was?", sprach der 28-Jährige von einem "Skandal".
Auch Trainer Manfred Schmid ortete nach dem Spiel Gesprächsbedarf. "Es sind einige Dinge passiert, die wir besprechen müssen. So etwas habe ich selbst in meiner Karriere nicht erlebt. Wenn ein Tor passiert, bricht Hektik aus. Wir haben es am Ende vermissen lassen, die Emotionen und die Leidenschaft, die wir lange gezeigt haben, zu zeigen", kritisierte der 54-Jährige. "Es sind viele junge Spieler am Platz. Selbst wenn du Gegentore bekommst, darfst du nicht so auseinanderbrechen."
Schon in Graz ging Hartberg spät k. o.
Deutlich härter ging indes Heil mit der Mannschaft ins Gericht: "Das kann ja nicht sein, dass wir innerhalb von fünf Minuten drei Gegentore kriegen, wenn der Kainzi und ich ausgewechselt werden. Dann sind die anderen ja für nichts da." Tobias Kainz wurde vier Minuten nach Heil - ebenfalls noch beim Stand von 3:0 - ausgewechselt.
Schon am vergangenen Sonntag hatten sich die Hartberger bei Meister Sturm Graz in der Nachspielzeit selbst um den Lohn ihrer Arbeit gebracht. "Wir hauen uns Woche für Woche rein und schenken dann die Punkte her, als würde es um nichts gehen", wütete Heil. "Dann gehen wir ins Freibad und kicken dort ein bisschen. Da ist es wurscht, wenn wir verlieren."