Nur gut 6,5 Prozent seiner Rekordtransferausgaben im Sommer 2025 von insgesamt 30,7 Millionen Euro an Basisablösen für fünf Zugänge hat der SC Freiburg in Derry Scherhant investiert. Trotzdem warf der von Hertha BSC dank einer Ausstiegsklausel für nur zwei Millionen Euro gekommene Offensivspieler zunächst die höchste Rendite ab.
Scherhant trat die undankbare Planstelle als Back-up respektive Herausforderer von Vincenzo Grifo auf der linken Offensivseite an. Dem alljährlichen Freiburger Top-Scorer hatte bis dato in über acht Saisons kein Konkurrent wesentliche Spielanteile streitig machen können. Dem gebürtigen Berliner gelang das zumindest teilweise relativ schnell - obwohl Grifo auch in der gerade abgelaufenen Saison wettbewerbsübergreifend die SC-Scorerwertung bis zum Ende anführte.
In der erwartbaren Jokerrolle gestartet, hatte Scherhant in fast jeder Partie das Freiburger Spiel durch sein Tempo, seinen Tiefgang, seine Stärke im Eins-gegen-eins und seine mutige Spielweise positiv beeinflusst bzw. verändert. In seinen ersten 15 Pflichtspielen (dabei 12-mal eingewechselt) gelangen dem 1,86-Meter-Mann fünf für den Erfolg (vier Siege, ein Remis) mitentscheidende Scorerpunkte (4 Tore/1 Assist).
Höchstwertung im Transfer-Ranking
Bei allem auch damals vorhandenen Verbesserungsbedarf war Scherhant im Rahmen seiner Rolle eine Art offensiver Unterschiedsspieler und bekam deshalb Mitte November im kicker-Transferranking für Sommerzugänge die Höchstwertung von zehn Punkten.
Danach konnte Scherhant allerdings nur noch punktuelle Duftmarken setzen, als er zu den knappen wie wichtigen Siegen kurz vor Weihnachten in Wolfsburg (4:3) und Ende Januar gegen Köln (2:1) jeweils einen Treffer beisteuerte. Vor und nach dem Wolfsburg-Spiel blieb Scherhant allerdings in drei Partien in Liga und Europa League ohne Einsatz und ließ dann vor allem ab Ende Januar in seinem Einfluss auf das Freiburger Spiel ähnlich stark nach, wie er in die Saison gestartet war.
Nur ein Scorerpunkt in 22 Einsätzen und ein bitterer Fehler
In den 22 Pflichtspieleinsätzen nach seinem Tor gegen Köln verbuchte Scherhant nur noch einen einzigen Scorerpunkt, als er eine insgesamt gute Leistung beim 3:3 gegen Leverkusen mit einer Vorlage abrundete. Ansonsten waren eine Reihe schwächere, fehlerbehaftete Auftritte zu beobachten, die teilweise auch spätere Einwechslungen zur Folge hatten.
Eine bittere taktische Fehleinschätzung unterlief Joker Scherhant im Pokal-Halbfinale in Stuttgart, als er wenige Minuten vor einem greifbaren Elfmeterschießen allein vorne anlief und dadurch seine linke Seite freigab, über die der VfB seinen späten 2:1-Siegtreffer einleitete. Auf dem Weg ins mit 0:3 gegen Aston Villa verlorene Europa-League-Finale, in dem er als Joker überhastet eine von nur drei Freiburger Torchancen vergab, stand Scherhant letztmals am 7. Gruppenspieltag beim 1:0 gegen Maccabi Tel Aviv in der Startelf, blieb beim berauschenden 3:1-Rückspielsieg im Halbfinale gegen Braga komplett auf der Bank.
Insgesamt kann sich Scherhant darüber freuen, gleich in seiner ersten SC-Saison in 49 von 54 Pflichtspielen mitgewirkt und dabei 15-mal ein Startelfmandat von Julian Schuster bekommen zu haben. Er hat fraglos seinen Anteil an dieser vor allem in den Pokalwettbewerben so außergewöhnlich erfolgreichen wie auch historischen Freiburger Spielzeit. Durch den persönlichen Leistungsabfall in der zweiten Saisonhälfte ist seine Scorerbilanz (7 Tore/2 Assist) aber vor allem bei den Vorlagen ausbaufähig.
Scherhants Ziel sollte es nun sein, kommende Saison möglichst konstant an seine Frühform 2025 anzuknüpfen und sich bei allem Engagement vor allem im taktischen Verhalten und in der offensiven Entscheidungsfindung zu steigern. Durch sein Tor zum 4:1-Endstand gegen Leipzig am 34. Spieltag, als der SC die Conference-League-Quali sicherte, hat Scherhant sein persönlich durchwachsenes Halbjahr immerhin mit einem Mutmacher in dieser Hinsicht beendet.