Die finale Entscheidung soll erst am Spieltag fallen, am Freitag aber war eine positive Tendenz zu vernehmen. Die Chancen auf ein Mitwirken der in dieser Woche von einem Infekt ausgebremsten Fabian Reese und Marton Dardai gegen Schalke 04 sind gestiegen. Der Einsatz der beiden Leistungsträger am Samstagabend gegen den Spitzenreiter wäre wichtig für Hertha BSC. Der Hauptstadtklub, der die Hinrunde als Sechster beendet hat, bläst zur Aufholjagd. Die Berliner, 2023 abgestiegen und in den beiden Jahren danach mit den Saisonplatzierungen 9 und 11 ohne Chance im Aufstiegsrennen, wollen zurück in die Bundesliga. Das sind die Schlüsselfaktoren für das Gelingen der Mission:
Heimstärke: Die bisherige Heimbilanz ist stark ausbaufähig. Von neun Liga-Auftritten im Olympiastadion gewann Hertha in dieser Saison vier - und schoss erst sieben Tore. Die stärksten Heim-Auftritte gelangen im DFB-Pokal (3:0 gegen Elversberg, 6:1 gegen Kaiserslautern). "Wir wollen eine Heimmacht sein und haben ein klares Ziel: 15:30 Uhr", sagt Geschäftsführer Peter Görlich. "Dazu müssen wir konstant Leistung bringen." Zu Hause spielt Hertha bis Mitte Februar gegen Schalke, Darmstadt und Hannover, die Teams von den Plätzen 1, 3 und 5. Wenn man oben andocken will, müssen Siege her.
Konstanz: Hertha hatte in der Hinrunde einen starken Mittelabschnitt mit sieben Pflichtspielsiegen in Serie zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember, ließ aber zu Saisonbeginn und am Ende der ersten Halbserie viel liegen. Ein Kernelement: Intensität. Schon zu seinen Fürther Zeiten war das Credo von Trainer Stefan Leitl: "Identität durch Intensität." Das ist bei Hertha unter ihm nicht anders. Bringen die Berliner genug Intensität aufs Feld, kommt ihre spielerische Qualität zum Tragen. Das war - auch in puncto Anlaufen - nicht durchgehend der Fall. Wochenlange Schwächephasen wie zu Beginn und am Ende der Hinrunde kann sich Hertha, aktuell Siebter bei der Team-Laufleistung, im zweiten Saisonabschnitt nicht mehr leisten.
Produktivität: 21 Tore - in der Hinrunde trafen nur vier Teams (Nürnberg, Kiel, Braunschweig, Düsseldorf) seltener. Für einen gerade in der Offensive für Zweitliga-Maßstäbe derart hochkarätig besetzten Kader ist das ein unbefriedigendes Zwischenzeugnis. Luca Schuler, mit fünf Liga-Toren bester Berliner Hinrunden-Schütze, rangiert ligaweit auf Platz 14. Schlechte Entscheidungsfindung, fehlende Klarheit am und im gegnerischen Strafraum, mangelnde Coolness im Abschluss: Hertha hat nicht genug Ertrag erwirtschaftet. "Im letzten Drittel", sagt Mittelfeldspieler Paul Seguin, "brauchen wir teilweise noch mehr Ruhe und müssen unsere Chancen konsequenter nutzen. Wir müssen vor dem Tor einfach noch kaltschnäuziger sein."
Spielkontrolle: Mit dem Oktober-Comeback von Seguin und Diego Demme, der aktuell wieder auf unbestimmte Zeit ausfällt, bekam Herthas Spiel mehr Struktur und Ruhe. Dennoch gaben die Berliner auch danach in einigen Spielen zu leichtfertig den Taktstock aus der Hand. Gefragt ist ein noch besserer Mix aus Ruhe und Beschleunigung, aus kurzen und langen Bällen in der Eröffnung. "Im Ballbesitz", erklärt Routinier Seguin, "können wir uns steigern, zum Beispiel, indem wir den Ball phasenweise länger in den eigenen Reihen halten."
Form: Mit Ausnahme von Keeper Tjark Ernst, der eine herausragende Hinrunde gespielt hat, haben alle Berliner Profis Luft nach oben. Die Eigengewächse Linus Gechter und Marten Winkler haben in ihrer Entwicklung in dieser Saison zwar den nächsten Schritt gemacht, können aber in Sachen Beständigkeit weiter zulegen. Schlüsselspieler wie Seguin, Dawid Kownacki und Deyovaisio Zeefuik verpassten Teile der Sommer-Vorbereitung und waren verletzungsbedingt erst spät oder fast gar nicht im Rhythmus. Kownacki, im Herbst wegen einer Sprunggelenkverletzung zwei Monate raus, wurde zuletzt von einem Infekt zurückgeworfen und verpasste das Winter-Camp in Portugal. Leitl plant ihn gegen Schalke als Joker ein. Kownacki (3), Reese (3) und Regisseur Michael Cuisance (2) stehen nach der Hinrunde in Summe bei acht Toren: Wenn der Aufstieg gelingen soll, müssen die Stars in der Rückrunde explodieren - und das Team noch mehr als bisher tragen.