Am Sonntag (17 Uhr, LIVE! bei kicker) blickt ganz Fußball-Österreich wieder in den Westen Wiens. Rapid vs. Austria. Ein prestigeträchtigeres Duell gibt es hierzulande nicht. Auch in der 347. Ausgabe des großen Wiener Derbys geht es wieder um die Vorherrschaft in der Bundeshauptstadt. Eine hitzige Atmosphäre ist vorprogrammiert - und das, obwohl auch diesmal keine Auswärtsfans zugelassen sind.
Ein Spieler, der die Rivalität zwischen den beiden Klubs wie kaum ein anderer mitgeprägt hat, ist Raphael Holzhauser. Der heute 32-Jährige stand jahrelang im Mittelpunkt der hitzigen Derby-Atmosphäre. Aus gutem Grund: Im Nachwuchs trug er Grün-Weiß, zwischen 2015 und 2018 dann aber Violett - ein No-Go für Rapid-Fans, die ihn zu ihrer Hassfigur machten.
Besonders in der Saison 2017/18 wurde Holzhauser zur Zielscheibe von Hass und Gewalt. Feuerzeuge, Bierbecher und andere Gegenstände flogen in Richtung des Austrianers. Nach einem Derby erhielt er sogar Morddrohungen eines Rapid-Anhängers. Die Polzei riet ihm damals zu einer Anzeige, Holzhauser entschied sich dagegen und nahm die Entschuldigung des reumütigen Fans an. "Ich bin auch ein Riesen-Fan von Rivalität. In den 90 Minuten am Feld, da liebt man sich nicht, da wird gefightet für seine Farben. Aber man darf das Außenbild - das, was nach dem Schlusspfiff ist - nicht vergessen."
„Im Moment sehe ich weder bei Rapid noch bei der Austria jemanden, der für den Gegner zum Feindbild werden könnte.“ (Raphael Holzhauser)
Warum Holzhauser derart polarisiert hat, kann er sich nicht erklären. "Wenn du für einen Verein spielst, gibst du alles dafür, dass dein Verein die drei Punkte holt. Da habe ich alles hingestellt und alles probiert, dass meine Mannschaft gewinnt." Nach ihm sei auch der frühere Austria-Tormann Patrick Pentz eine Reizfigur im Derby gewesen, meint Holzhauser. "Wenn der Pentzi einen Schuss pariert und lacht… na klar wirkt das für viele provokant. Aber er selbst will damit sicher nicht provozieren. Genauso wie ich damals nicht provozieren wollte, wenn ich einen Eckball geschossen habe oder gelacht habe am Feld. Ich habe immer das getan, was ich für richtig hielt und das, womit ich meiner Mannschaft helfen konnte."
Reizfiguren verschwinden
Spieler, die polarisieren, die im eigenen Lager Kultstatus genießen, aber beim Gegner Wut und Zorn entfesseln, gehörten lange zum Fixpunkt der Duelle zwischen Rapid und Austria. In den vergangenen Jahren ist dieser Typus allerdings seltener geworden, meint Holzhauser. "Im Moment sehe ich weder bei Rapid noch bei der Austria jemanden, der für den Gegner zum Feindbild werden könnte. Das ist in den letzten Jahren ein Stück weit verloren gegangen." Denn: "Das Wiener Derby braucht solche Reizfiguren. Das macht dieses Spiel einfach aus."
„Für mich ist Rapid der Favorit, aber ich glaube an den Sieg der Austria.“ (Raphael Holzhauser)
Mit Blick auf das bevorstehende Derby schätzt Holzhauser die Rollen klar ein: "Rapid hat sich gut verstärkt. Sie sind eine der stärksten Mannschaften in Österreich und somit auch einer der Favoriten für die Meisterschaft." Dennoch traut er auch seinem Ex-Klub etwas zu: "Bei Austria war es wichtig, dass sie das Spiel gegen Ried gedreht haben und jetzt mit einem positiven Gefühl ins Derby gehen können. Für mich ist Rapid der Favorit, aber ich glaube an den Sieg der Austria." Entscheidend sei dabei vor allem die Rückkehr von Aleksandar Dragovic, der der violetten Defensive "unglaubliche Stabilität" verleihe.
"Parallelen zur Vorsaison" bei der Austria
Dass es bei der Austria aktuell nicht rund läuft, sieht Holzhauser gelassen: "Ich sehe Parallelen zur Vorsaison. Auch damals ist die Austria schlecht in die Saison gestartet, ist im Europacup früh ausgeschieden und am Ende haben sie trotzdem noch um den Meistertitel mitgespielt. Vom Meistertitel braucht die Austria heuer zwar nicht reden, aber dass sie wieder oben mitspielen können, das traue ich ihnen schon zu."
Holzhauser selbst lässt seine Karriere mittlerweile beim SV Gloggnitz in der Regionalliga ausklingen. Auf seine Profi-Laufbahn blickt er mit Dankbarkeit zurück. "Es war unglaublich, in jungen Jahren in der deutschen Bundesliga vor 60, 70 oder 80.000 Zuschauern zu spielen. Ich erinnere mich noch gut daran, im ausverkauften Signal-Iduna-Park in Dortmund einzulaufen. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut." Besonders stolz ist er auf seine Jahre in Belgien: "Die Zeit war überragend. Meistertitel und 16 Tore sowie 16 Assists in einer Saison - ich glaube, das haben noch nicht viele Österreicher geschafft im Ausland."