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HSV: Niederlage, Erkenntnisgewinn und ein Luxusproblem

kicker

Die Hamburger Mini-Serie mit drei Partien ohne Niederlage hat ein Ende genommen, die Entwicklung indes ausdrücklich nicht. Diese Bilanz steht nach der Rückreise aus Leipzig für sämtliche Protagonisten unverrückbar fest. "Wir haben unser Ergebnisziel nicht erreicht und sind damit nicht zufrieden", sagt Polzin, "aber auf der anderen Seite steht die inhaltliche Betrachtung des Spiels. Es war zu sehen, dass wir den nächsten Schritt in unserem Prozess gegangen sind, was die Intensität, das Verhalten gegen den Ball, aber auch das Spiel mit dem Ball angeht."

Remberg ist unverzichtbar für die Statik im Spiel

Der HSV hat gegen den amtierenden "Bayern-Verfolger Nummer 1" eine Halbzeit überaus stabil und kompakt verteidigt, und er hat, als es nach der Pause nach dem Rückstand gefordert war, auch Druckphasen entwickelt. Insbesondere die Schlussviertelstunde glich einem Dauerdruck. "Nicht viele haben erwartet, dass Leipzig nur noch hinten drinsteht und die Bälle wegschlägt", sagt Yussuf Poulsen. "Dass wir so schnell eine Entwicklung machen und über 90 Minuten auf der gleichen Ebene wie Leipzig spielen können, ist nicht normal als Aufsteiger. Es ist ein sehr starkes Zeichen."

Poulsen selbst hat an diesem Entwicklungsprozess wegen zweier Oberschenkelblessuren noch nicht wunschgemäß mitwirken können. An der ehemaligen Wirkungsstätte kam er als Joker, war sofort ein bedeutender Teil der Schlussoffensive und weckt die Fantasie, dass er den HSV noch gefährlicher machen kann. Im Sturmzentrum, das wurde abermals deutlich, fehlt es noch an Präsenz: Rechtsaußen Rayan Philippe, gegen RB wirkungslos, hat seine Bundesligatauglichkeit schon nachgewiesen, sein Pendant auf dem linken Flügel, Jean-Luc Dompé, gewinnt nach auskurierter Verletzung mit zunehmender Fitness auch zunehmend an Einfluss, lediglich Ransford Königsdörffer fehlt, obwohl am Samstag verbessert, noch der Nachweis, auf höchstem Niveau ein Gewinn sein zu können.

Eine Position dahinter, im zentralen Mittelfeld, bahnt sich gar ein Luxusproblem an. Albert Sambi Lokonga hat in seinen beiden Startelf-Einsätzen gegen Mainz (4:0) und nun Leipzig nicht nur wegen zweier Treffer demonstriert, dass er mehr als ein Platzhalter für Fabio Vieira ist. Der stark gestartete Spielmacher kehrt nach Rotsperre am kommenden Samstag gegen den VfL Wolfsburg zurück - nur, wie ordnet Polzin sein Zentrum nun an?

Kaum vorstellbar ist, dass der Trainer beide Kreativkräfte zulasten von Nicolai Remberg nebeneinander aufbietet. Denn: Der Ex-Kieler hat sich nicht nur an der Seite eines spielstarken Spielers entwickelt, er ist mit seiner Robustheit, seinen Balleroberungen und seiner Dynamik auch unverzichtbar für die Statik des Spiels. Fabio Vieira, wie ursprünglich einmal angedacht, wieder als spielmachenden "Rechtsaußen" aufzubieten, würde dem HSV wiederum den Tiefgang nehmen, für den Philippe steht, wenn er ins Spiel gebracht wird.

Dass Polzin perspektivisch vor der Aufgabe steht, wie er zwei potenzielle Unterschiedsspieler in seine Startelf einbaut, garantiert zwar keine Punkte - es ist aber wie der Auftritt in Leipzig ebenfalls ein Beleg, dass die Entwicklung beim HSV deutlich in Richtung Konkurrenzfähigkeit geht.