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Irvine und St. Pauli: Ist die einstige Muster-Ehe noch zu retten?

kicker

St. Paulis Verantwortliche hatten den Plan einer Erklärung bereits im Sommer. Während des Trainingslagers im österreichischen Flachau bekam Irvine die Möglichkeit, sich in einer Medienrunde in einem vorbereiteten Gespräch zu distanzieren, vor allem von dem veröffentlichten Foto, auf dem er ein Trikot des fiktiven FC Palestine trägt. Auf diesem war die Landkarte ohne Israel symbolisiert. Dass der Australier sich seinerzeit, entgegen des Briefings, nicht klar äußerte, sondern lediglich in eine Opferrolle begeben hatte, wurde vereinsintern mit Irritation zur Kenntnis genommen. Bis zu einem Instagram-Post von Aufsichtsratsmitglied René Born vor zwei Wochen aber köchelte das Thema vor allem in den sozialen Netzwerken vor sich hin. Nun geht es darum, ob der Großbrand noch zu löschen ist? Und vor allem: Wie?

"Jeder teilt unsere Empörung und Enttäuschung"

Born hatte sich mit seinem Beitrag ("Niemand ist größer als der Klub. Das ist unser Klub, nicht deiner") in seiner Funktion als Aufsichtsrat zwar einen beispiellosen Fehltritt geleistet, er hat aber mit dem Inhalt ganz offensichtlich den Nerv vieler St. Paulianer getroffen. Irvines nach außen getragene Haltung im Nahost-Konflikt ist zur Belastungsprobe für den Verein geworden. Im TV-Interview mit ABC News hat er am Wochenende gesprochen - und es abermals vermieden, sich klar zu positionieren.

Borns Posting, sagt Irvine, sei "hart" gewesen für ihn und Ehefrau Jemilla Pir. "Wir sind seit über vier Jahren Teil dieser Gemeinschaft und haben viele Beziehungen in allen Ecken der Stadt aufgebaut. So etwas von einer Person in dieser Position zu hören, war natürlich zutiefst verletzend." Er berichtet in dem Gespräch von viel Unterstützung: "Worauf wir uns mehr fokussieren, ist das hohe Level an Unterstützung von Fans, von Leuten aus unserer Community. Wir leben im Herzen von St. Pauli, wir sind ein Teil dieser Community. Jeder, mit dem wir gesprochen haben, teilt unsere Enttäuschung und Empörung und unterstützt uns. Wir fühlen Liebe und Support von den Menschen um uns herum und das ist das Wichtigste."

Den Ursprung für die Diskussionen um ihn herum klammert der sich nach einer Fuß-Operation immer noch im Aufbau befindliche Kapitän aus mit der Begründung, er wolle über den "offiziellen Aspekt" nicht sprechen. "Die meisten Leute, die meine Geschichte in den vergangenen Monaten verfolgt haben, wissen, warum das passiert ist. Da geht es um viel tiefere Dinge, weit weg vom Fußball."

Es sind "Dinge", die Irvine auch in diesem Interview abermals im Raum stehen lässt. Die Folge: Statt klare Antworten zu geben, bleiben auch nach den Aussagen in seiner australischen Heimat vor allem Fragezeichen. Das größte steht hinter seiner Zukunft. Zur Einordnung gehört: Der langjährige Publikumsliebling gehört nicht zum Typus Fußballer, der unbedarft und unbedacht in eine Falle getappt ist. Stattdessen hat er nun bei seinem zweiten öffentlichen Auftritt die Möglichkeit verstreichen lassen, sich von seinen Postings zu distanzieren. "Ich hoffe, dass die Angelegenheit gelöst wird", sagt er. "Das ist nichts, mit dem du dich auseinandersetzen willst, insbesondere, wenn man aus einer Verletzung kommt." Was er an der Stelle nicht sagt: Es sind "Dinge", die er selbst ausgelöst hat.