Das gab es in der langen Derbygeschichte Leipzigs auch noch nie: zwei Duelle zwischen der BSG Chemie und dem Erzrivalen 1. FC Lok innerhalb einer Woche. Das Pokalspiel ist absolviert und bescherte Chemie mit einem 0:3 die vierte Derbyniederlage in Folge. Der Frust sitzt tief bei Chemie, Trainer Adrian Alipour fand ungewohnt scharfe Worte für die Leistung seiner Mannschaft in Hälfte zwei. Am Sonntag geht's zur zweiten Runde - dann geht es um Punkte im Bruno-Plache-Stadion. Um erfolgreicher zu sein als am vergangenen Sonntag, muss sich einiges ändern.
"Wir müssen jetzt ganz viel aufarbeiten", kündigt Alipour an, dem es vor allem unverständlich war, wie seine Truppe nach guter und engagierter erster Hälfte nach dem ersten Gegentreffer so auseinanderfallen konnte: "Wir sind zusammengefallen wie ein Kartenhaus, hatten absolut keine Entlastung mehr, standen ewig weit auseinander zwischen den Linien. Wir hatten keinen Zugriff mehr, keine gewonnenen Zweikämpfe, konnten fußballerisch nichts mehr investieren." Die Kritik des Coaches ging aber noch weiter, denn Alipour monierte auch, dass nun nach vorn nicht mehr viel kam: "Wir haben nicht mehr mutig nach vorn gespielt, sind gar nicht mehr nachgerückt, als ob wir das Ergebnis gar nicht mehr regulieren wollten."
Beängstigende Fehlerquote
Chemie versuchte viel, scheiterte aber in der Phase nach dem ersten und vor dem zweiten Gegentor vor allem an sich selbst - und einem starken Gegner Lok. Die Gastgeber spielten mit der Selbstverständlichkeit eines Spitzenteams, Chemies Fehlerquote stieg in beängstigende Höhen. Gerade das Spiel nach vorn war für den 1000-köpfigen Anhang zum Haareraufen. Doch wie will man nur eine Woche später alles anders und vor allem besser machen?
Zuerst einmal rechnet man mit Stürmer Stanley Ratifo. Der kehrt am Mittwoch von seiner Länderspielreise mit Mosambik zurück - und dürfte ob des Ausscheidens seines Landes aus der WM-Qualifikation für 2026 leicht frustriert sein. Ob er fit und gesund ist, muss abgewartet werden. Wunderdinge wird auch der Angreifer mit den bisher fünf Saisontoren nicht vollbringen können. Vor allem aber wird es darauf ankommen, leichte Fehler wie zuletzt zu vermeiden, mutiger zu sein und an sich zu glauben. Nach vorn muss unbedingt mehr passieren, die Qualität dafür hat Chemie zweifellos, wenn man nur an die schnellen Nils Lihsek und Jean Marie Nadjombe denkt.Die Erkenntnisse liegen vor, allein sie auf dem Rasen umzusetzen, ist die andere Sache. Chemie muss einen Sahnetag erwischen, nur dann kann man vielleicht etwas mitnehmen beim Spitzenreiter der Regionalliga Nordost.
Der Blick geht ohnehin nach vorn. Die fast noch wichtigeren Duelle - aber wer will das bei einem Ortsderby schon laut aussprechen - finden danach statt. Dann nämlich, wenn die BSG daheim die U 23 von Hertha BSC empfängt und anschließend nach Berlin-Zehlendorf reist. Dort liegen die Punkte, die wichtig sind für den Klassenerhalt. Ein wenigstens teilweiser Erfolg beim Ortsrivalen wäre hingegen ein XXL-Zusatzpunkt.