Frau Klein, gegen Juventus werden Sie das 42. Mal in der Champions League für den SKN St. Pölten auflaufen und den Klubrekord von Mateja Zver einstellen. Was bedeutet Ihnen das?
Was die Mateja geleistet hat, ist unglaublich. Ja, der Verein hat mir immer wieder das Vertrauen gegeben, wofür ich sehr dankbar bin. Ich durfte hier sehr, sehr viel wachsen und habe mich auch sehr gut entwickelt. Das macht mich schon extrem stolz.
Was waren Ihre bisherigen Highlights in dieser Liga?
Manchester City letztes Jahr war ein sehr cooles Spiel. Wir waren ja sehr nah dran, einen Punkt mitzunehmen. Gegen Barcelona war ich leider verletzt, diese Spielerinnen gegen uns zu sehen, war unglaublich. Und natürlich AS Rom, als wir 3:4 gespielt haben, viele Leute im Stadion waren und die Energie riesig war.
Ihre Erinnerungen an Juventus?
Ja, die sind nicht so positiv. Da habe ich noch nicht so viel Spielzeit gehabt und wir waren mannschaftlich unterlegen. Es wird spannend, welches Team sich seither wie stark weiter entwickelt hat.
Die Torschützinnen Barbara Bonansena und Cristiana Girelli sind nach wie vor bei Juve.
Das sind extrem erfahrene Spielerinnen mit sehr viel individueller Qualität. Vor allem, wenn ich an Girelli denke, die vor dem Tor unglaublich gut ist. Bonansena kommt ja eher über die Seite. Auf die beiden müssen wir schon sehr, sehr gut aufpassen.
Cristiano Ronaldo hat damals den SKN besucht. Wie war das für Sie?
Ich bin jetzt nicht der größte Fan (lacht). Aber ich habe einen Tag vorher für meinen älteren Bruder Patrick ein Trikot gekauft, weil er ein großer Fan von ihm ist und das habe ich dann unterschreiben lassen können. Patrick hat sich riesig gefreut. Der Spieler, der mich zum Fußball spielen gebracht hat, war Ronaldinho. Messi ist auch ein Vorbild und Marta, die ich gegen Neulengbach spielen gesehen habe.
Um noch ins Play-off zu kommen, muss diesmal fast ein Sieg her.
Erste Priorität kann nur sein, kein Tor zu bekommen und gut zu stehen. Aber natürlich werden wir auch schauen, wo sich Räume ergeben könnten und versuchen, schnell umzuschalten und sie zu brechen.
Seit Mitte August haben Sie 21 Pflichtspiele für den SKN und Österreich bestritten und dabei auch fünf Auslandsreisen gehabt. Wie kommen Sie mit dieser Belastung zurecht, zumal Sie im Frühjahr eine Knieverletzung hatten?
Körperlich geht es mir (klopft auf den Holztisch) richtig gut. Ich muss natürlich sehr viel investieren, dass es auch so bleibt. Da gehören eine gute Ernährung und viel Training im Kraftraum dazu. Es ist wichtig, in der Belastung drin zu bleiben, nicht zu viel herunterzufahren und sich immer wieder mit der medizinischen Abteilung abzusprechen. Nach den späten Spielen in der Champions League kommt noch Schlafmangel dazu, den ich am nächsten Tag versuche, zu kompensieren. Da muss aber jede ihre eigene Strategie finden.
Sie spielen beim SKN und im Team alle möglichen Abwehrketten, Dreier-, Vierer- oder Fünferkette. Wie tun Sie sich damit?
Das ist schon eine Herausforderung. Kommunikation ist das A und O. Da haben wir beim SKN noch viel Arbeit vor uns, weil wir schon noch öfters einfache Tore bekommen. Da kann ich meinen Nebenleuten aufgrund meiner Erfahrung schon auch ein wenig helfen.
31 Transfers im Sommer haben das wohl nicht leichter gemacht?
Definitiv. Das ist sehr herausfordernd, aber ich bin richtig stolz, was jetzt schon daraus entstanden ist. Spielerisch erkennt man mittlerweile unsere Idee, man kommt immer besser rein. Mannschaftlich haben wir uns sehr, sehr schnell gefunden und wir verbessern uns von Spiel zu Spiel.
Sehen Sie sich als Kapitänin da mehr in der Verantwortung?
Voll. Ich möchte alle ins Boot holen. Viele neue Spielerinnen waren aber auch sehr leicht zugänglich. Wir haben richtig coole Persönlichkeiten dazu gewonnen und tolle Verbindungen zueinander aufgebaut.
Die Schleife haben Sie ja von Klublegende Jasmin Eder übernommen.
Sie war schon mein großes Vorbild, als ich noch in Neulengbach war. Das war immer mein Highlight, wenn wir gegen St. Pölten und ich gegen die Jassi spielen durfte. Da habe ich auf sie aufgeschaut. In ihre Fußstapfen zu treten war dann nicht einfach, weil sie richtig gute Arbeit geleistet hat. Wir sind mittlerweile sehr gut befreundet und reden auch viel darüber.
Präsident Schmaus hat gesagt, dass Sie die Wünsche der Spielerinnen sehr gut "bis nach ganz nach oben bringen" können.
(Lacht.) Ja, Herr Schmaus und ich haben eine gute zwischenmenschliche Verbindung. Er hat aber genauso Erwartungen an mich, beziehungsweise an uns Spielerinnen. Es ist immer eine Freude, mit ihm zu arbeiten, bei ihm kommt der Schmäh nicht zu kurz. Seine offene Art schätze ich auch sehr.
„Es gibt generell noch zu wenige Trainerinnen, die auf Bundesliga-Niveau sind. Das braucht einfach noch, das geht nicht von heute auf morgen.“ (Jennifer Klein über die Männer an der Spitze der Frauenliga)
Seit Lisa Alzner nicht mehr SKN-Cheftrainerin, sondern Assistentin von Laurent Fassotte ist, gibt es gar keine Frau mehr an der Spitze einer Betreuerbank in der österreichischen Bundesliga. Wie ist das für Sie?
Es gibt generell noch zu wenige Trainerinnen, die auf Bundesliga-Niveau sind. Das braucht einfach noch, das geht nicht von heute auf morgen. Natürlich finde ich es schade, weil meiner Meinung nach mehr Frauen auf Führungspositiionen gehören, aber auch da darf man einfach noch nichts überstürzen. Im Hintergrund wird eh schon sehr gut gefördert, was die Trainerausbildung betrifft. Da werden schon noch mehrere nachkommen.
Sie selbst haben nebenbei vor kurzem den Bachelor of Education absolviert. Gratulation! Wie gewichten Sie jetzt, Sie könnten ja sofort als Pädagogin starten?
Fußball ist ganz klar Nummer eins. Aber ich mache nebenbei schon den Master. Für mich ist es wichtig, schon jetzt ein zweites Standbein aufzubauen, weil ich ein Sicherheitstyp bin. Ich brauche das, dass ich weiß, dass ich nach dem Fußball was habe. Eine Verletzung kann schnell passieren und dass man danach vielleicht nicht mehr auf dem Niveau spielen kann. Wenn das vorbei ist, hab ich schon eine Idee und keinen Stress.
Mit ihrem Kopfballtor gegen Tschechien zum Klassenerhalt in der Nations League A, als nachnominierte Spielerin, sorgten Sie für große Schlagzeilen. War das Ihr bisheriges Karriere-Highlight?
Von den Emotionen her war das mein persönliches Highlight in diesem Jahr. Ich habe noch nie ein Siegestor gemacht, das so viel bedeutet. Und es war eine unglaubliche Leichtigkeit dabei, weil ich mich, als ich zum Nationalteam gekommen bin, sofort wieder so wohl gefühlt habe. Weil ich froh war, alle wieder zu sehen, auch viele, die letztes Jahr bei mir in St. Pölten waren. Ich war dann eine Zeit lang überfordert, das einzuordnen. Danach haben wir das Cup-Spiel gegen die Austria veloren. Das war eine unglaubliche Achterbahnfahrt für mich.
Der sprichtwörtliche Funke ist gegen Tschechien im Stadion übergesprungen. Bei SKN gegen Barça waren knapp 9.000 Zuschauer im Horr-Stadion. Warum sind die Zahlen in St. Pölten immer noch überschaubar?
Das finde ich sehr schade. Österreich ist generell nicht das fußballbegeisterte Land. Der Stellenwert vom Frauenfußball ist auch noch nicht so hoch. Was wir in St. Pölten vielleicht noch nicht geschafft haben, ist rund um uns eine Marke aufzubauen. Ich habe auch schon mit unserer Medienabteilung darüber geredet, dass ich es sehr schade finde, dass wir vielleicht etwas im Schatten stehen, wenn immer über die großen Namen beim Gegner berichtet wird. Wir sollten uns gemeinsam vermarkten, um so einmal eine authentische Fanbase zu schaffen. Die Leute sollen ja bei uns bleiben, weil sie uns unterstützen wollen und nicht kommen, weil sie ein Mal Chelsea sehen wollen.
Wie können Sie das angehen, nur über die sportliche Schiene?
Heutzutage hat Social Media das größte Potenzial, um ein authentisches Bild abzugeben, kurze Videos, Challenges, wo man nahbarer ist für die Menschen. Vielleicht wollen sie uns dann ja nicht nur zuschauen wegen dem sportlichen Wert, sondern weil sie uns auch ein bisschen als Vorbilder sehen oder überhaupt das menschliche im Blickfeld haben.
Gegen Valerenga haben Sie beim Elfmeter Verantwortung übernommen und zum 2:2-Endstand und ersten Punktgewinn verwandelt. Ist das für Sie eine Angelegenheit für die Kapitäninnen, oder ist das gewachsen?
Das kam so über die Jahre. Ich habe eine Freude entwickelt, mich Drucksituationen zu stellen und bin darin gewachsen. Da habe ich eine Seite an mir kennengelernt, die ich vorher nicht kannte. Ich habe eine Routine entwickelt, bin da sehr bei mir und das tut mir sogar extrem gut.
Sie waren schon einmal im Ausland, wollen Sie mittelfristig auch wieder woanders hin?
In der Zeit in Hoffenheim habe ich sehr viel über mich gelernt und festgestellt, dass ich dort am besten spiele, wo ich mich wohl fühle. Aktuell fühle ich mich in St. Pölten sehr, sehr wohl und das ist auch der Grund, warum ich meine Leistungen bringe. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag hier, bin also gebunden und je nachdem, wie wohl ich mich dann in meiner Rolle fühle, werde ich entscheiden. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier anstehe, das ist sehr wichtig für mich.
In Wahrheit wollen aber alle immer am liebsten in der Champions League spielen. In Österreich ist es für den Meister viel leichter, dorthin zu kommen, als für den Vize. Demnach ist der Zweikampf mit der Austria wohl am wichtigsten?
Ja! Die Liga hat oberste Priorität wegen dem Champions-Lague-Platz. Da hat sich nichts daran geändert. Es ist ist alles offen, wir spielen noch drei Mal gegen die Austria. Im Cup haben wir zwar verloren, aber den Meisterteller geben wir nicht so leicht her.