Brandur Hendriksson Olsen ist sich schon ziemlich sicher. "Wir sehen uns in Amerika", sagte der Mittelfeldspieler der Färöer lachend nach dem 2:1-Sieg über Tschechien am Sonntagabend. Es sei einer der "größten Siege" in der Fußball-Geschichte des Inselstaats, erklärte der 29-Jährige weiter. 71 Länderspiele hat er für die Färöer in über zehn Jahren absolviert, aber so etwas hat er noch nicht erlebt: Insgesamt drei Pflichtspielsiege in Folge, darunter letzte Woche der 4:0-Rekordsieg gegen Montenegro, jetzt der knappe Erfolg über die angesehene Fußball-Nation Tschechien.
"Ich habe mehrmals gesagt, dass wir kurz davor waren, gegen einen der ganz Großen zu gewinnen", jubelte Trainer Eydun Klakstein. "Heute Abend haben wir es geschafft." Nach dem Coup von Sonntagabend ist sogar der ganz große Wurf noch möglich: Die Färöer liegen in der Tabelle der Qualifikationsgruppe L auf Platz drei, nur einen Punkt hinter den zweitplatzierten Tschechen. Hinter den enteilten Kroaten auf Platz eins würde der zweite Platz für eine Teilnahme an den Play-offs zum Turnier in den USA, Kanada und Mexiko bedeuten.
"Das Beste, was die Nationalmannschaft je gezeigt hat"
"Was wir am Donnerstagabend und heute Abend gesehen haben, ist fast das Beste, was die färingische Nationalmannschaft je gezeigt hat", freute sich Verbandsboss Christian Andreasen. Nach dem dritten Gruppenspieltag lagen die Färöer nur auf dem vorletzten Platz der Gruppe, noch hinter Montenegro. Da, wo sie auch normalerweise in ihrer von vielen Niederlagen geprägten Fußball-Historie stehen. Nach der jüngsten Siegesserie sieht plötzlich alles anders aus. "Wir haben ein bisschen aufgeholt", sagte Trainer Klakstein bescheiden mit einer Tasse Kaffee in der Hand.
Vielleicht weiß auch er, dass zwar geträumt werden darf, die Realität aber ein etwas anderes Bild zeichnet: Damit ein Play-off-Einzug überhaupt möglich wäre, bräuchten die Färinger im November mindestens einen Punkt gegen den souveränen Tabellenführer Kroatien und müssten dann noch darauf hoffen, dass drei Tage später - wenn die Färöer zum Qualifikations-Abschluss spielfrei haben - Tschechien gegen den punktlosen Tabellenletzten Gibraltar noch böser patzt als am Sonntag geschehen. Ein äußerst unrealistisches Szenario.
"Wir müssen mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben", sagte Trainer Klakstein am Sonntagabend, schickte aber noch hinterher, dass es "keinen Grund" gebe, nicht zumindest an die Chance zu glauben. Wer weiß, ob sie noch einmal so groß sein wird. Sollte eine Qualifikation für das Endturnier gelingen, wären die 55.000 Einwohner zählende Inselgruppe das mit Abstand kleinste Teilnahmerland in der WM-Historie.