Beim SK Rapid ist nach einem starken Saisonstart wieder einmal Krisenstimmung angesagt: Seit über einem Monat warten die Grün-Weißen auf einen Sieg, die jüngsten vier Partien endeten allesamt in einer Niederlage. Dementsprechend sah sich Trainer Peter Stöger nach der 0:2-Pleite gegen den LASK dazu veranlasst, den Ton zu verschärfen - und einigen seiner Profis mit der Bank zu drohen.
Rapids Saisonart erinnert auf den ersten Blick frappant an das Vorjahr, als im Westen Wiens früh von der Mission 33 geträumt wurde. Letztlich schaffte man es - freilich nicht ohne Trainerwechsel - als Tabellenfünfter über das Europacup-Play-off mit Ach und Krach in die zweite Qualifikationsrunde der Conference League. Der Traum vom Cuptitel war wegen der Blamage gegen Stripfing, die am Saisonende in ausnahmslos jeder Nachbetrachtung als Knackpunkt ausgemacht wurde, bereits im Herbst geplatzt.
Das Derby als Anfang vom Ende?
In dieser Saison begann der grün-weiße Negativlauf im Derby gegen die Austria: Die 1:3-Niederlage am 8. Spieltag markierte für Rapid die erste in der laufenden Bundesligasaison. Im Vorjahr hatten die Hütteldorfer ihre erste Pleite auf nationaler Ebene bereits in der 4. Runde (0:3 bei Blau-Weiß Linz) kassiert. Die bis zum 15. Spieltag, als man vor heimischem Publikum erneut den Stahlstädtern unterlag, die einzige in der Bundesliga blieb.
Vergleicht man die Performances nach den nunmehr zehn absolvierten Runden, hat Robert Klauß im Vergleich mit Stöger die Nase vorne. Der Deutsche holte mit seiner Truppe in der Vorsaison im Vergleichszeitraum 21 Punkte und lag damit nur einen Zähler hinter Tabellenführer Sturm und gleichauf mit Red Bull Salzburg (inklusive der beiden Nachholspiele im Dezember) auf Rang drei. Auch jetzt rangiert Rapid wieder auf Position drei, holte in den ersten zehn Runden aber "nur" 17 Punkte und damit vier weniger als vor zwölf Monaten. Nach Verlustpunkten beträgt der Rückstand auf Sturm bereits sieben Zähler.
Hielt Klauß nach zehn Runden bei einer Bilanz von sechs Siegen, drei Remis und einer Niederlage, kommt Stöger auf fünf Siege, zwei Remis und drei Niederlagen. Dass auch die Tordifferenz (14:10 vs. 13:11) für das Team aus der Vorsaison spricht, ist demnach nicht weiter überraschend.
Auch Florenz im Formtief
Auf internationaler Ebene nehmen sich die beiden Trainer nicht viel. Klauß startete mit Rapid im Vorjahr in der zweiten Europa-League-Qualifikationsrunde und kam nach einer Niederlage im Play-off gegen Braga ebenso in die Conference-League-Ligaphase wie Stöger. Der in diesem Sommer freilich in der zweiten Conference-League-Qualifikationsrunde startete und sich eine Ebene tiefer demnach keinen Ausrutscher leisten durfte. Der Start in die Ligaphase ging für Stöger mit dem 1:4 bei Lech Posen schief, Klauß führte sein Team bei Basaksehir zu einem 2:1-Auftakterfolg - und anschließend bis ins Viertelfinale des Bewerbs.
Und nun? Der viel gelobte Kader muss wieder liefern. Schon am Donnerstag (18.45 Uhr, LIVE! bei kicker) steht in der Conference League gegen die AC Florenz, die in der Serie A nach wie vor auf ihren ersten Saisonsieg wartet, die nächste richtungsweisende Partie an. Danach geht es in der Liga nach Ried, ehe am 29. Oktober in St. Pölten das Cup-Achtelfinale auf dem Programm steht. Wo das Unheil im Vorjahr ja erst so richtig seinen Lauf nahm.