Beim SV Rödinghausen schrillen spätestens nach der 0:4-Heimniederlage gegen den neuen Tabellenführer Fortuna Köln die Alarmglocken. Das Team um Trainer Dennis da Silva Félix (34) kommt in dieser Spielzeit einfach nicht ins Rollen, holte bislang nur 8 von 30 möglichen Punkten und findet sich wie schon zu Saisonbeginn auf einem Abstiegsplatz wieder.
Für die Ostwestfalen ist das eine völlig ungewohnte Situation, belegten die Wiehen-Kicker doch nach dem Aufstieg 2014/2015 in Deutschlands vierthöchster Spielklasse bis auf zwei Ausnahmen (2015/2016, 2016/2017) immer einen einstelligen Tabellenplatz im Endklassement, meistens sogar eine Position im oberen Drittel.
Pflichtaufgabe bei Schlusslicht Velbert
Dass für den angeschlagenen SVR und seinen Trainer, der erst seit Saisonbeginn im Amt ist, nun am Tag der Deutschen Einheit (Freitag, 14 Uhr) beim bislang noch sieglosen Tabellenschlusslicht SSVg Velbert die Wende eingeleitet werden soll und von den Verantwortlichen auch erwartet wird, erklärt sich von selbst.
Da Silva Félix, der zuvor ausschließlich im Nachwuchsbereich (am DFB-Stützpunkt, Fortuna Düsseldorf, VfL Wolfsburg) tätig war, hatte sich den Start in seine erste Station im Männerfußball sicherlich anders vorgestellt. Schließlich sprühte der in Krefeld geborene Deutsch-Portugiese in Rödinghausen bei seiner Vorstellung vor Enthusiasmus und Zuversicht, wollte "mit dem Klub erfolgreich sein und meine Spuren hinterlassen".
„Gefühlt haben wir nach jedem guten Spiel wieder zwei Schritte zurückgemacht.“ (Dennis da Silva Félix)
Die Leistungen seiner Mannschaft waren bislang jedoch zu wechselhaft, um den eigenen Ansprüchen und den Erwartungen des Klubs gerecht zu werden. "Wir haben eine wilde Achterbahnfahrt hinter uns", sagt der Chefcoach. "Gefühlt haben wir nach jedem guten Spiel wieder zwei Schritte zurückgemacht." Dabei hatte der SVR beispielsweise bei den Siegen gegen die U 23 von Fortuna Düsseldorf (3:0) und beim Wuppertaler SV (5:0) jeweils gezeigt, zu welchen Leistungen das Team in der Lage ist. Der nächste Nackenschlag ließ danach aber jeweils nicht lange auf sich warten. Auch im Westfalenpokal (7:8 nach Elfmeterschießen beim Verbandsligisten SC Rot-Weiß Maaslingen) war frühzeitig Endstation.
In Velbert müssen die Grundtugenden stimmen
Dem SVR-Trainer ist die Bedeutung des Kellerduells in Velbert bewusst. Er warnt sein Team eindringlich vor dem Gegner. "Die SSVg Velbert spielt einen sehr mutigen Fußball, ist gegen den Ball extrem eklig zu spielen", betont da Silva Félix. Er fordert von seinen Spielern: "Nur wer konstant die Grundtugenden und die Basics auf den Platz bringt, der wird auf Dauer Erfolg haben und kann sich von den unteren Tabellenregionen absetzen."
Die personelle Situation beim SVR ist weiterhin angespannt. Innenverteidiger Viktor Miftaraj (24) muss nach seiner Roten Karte, die er sich gegen Fortuna Köln eingehandelt hatte, zwei Spiele aussetzen. Bei Torhüter Matthias Harsman (25/Gesichtsfraktur) ist eine zeitnahe Rückkehr ausgeschlossen. Neuzugang Benyas-Solomon Junge-Abiol (26/Kreuzbandriss) wird frühestens zur Wintervorbereitung zurückerwartet. Bei Mittelfeldspieler Marco Hober (30/Leiste) ist die Verletzung aus der zurückliegenden Saison wieder aufgebrochen, sodass eine zügige Rückkehr schwer absehbar ist und von einer sechs- bis achtwöchigen Pause auszugehen ist.
„Uns fehlt momentan ein Leader und Kommunikator im Team.“ (Dennis da Silva Félix)
"Ich möchte die Ausfälle nicht als Ausreden verstanden wissen, aber uns fehlt momentan ein Leader und Kommunikator im Team", bemängelt der Trainer. "Wir befinden uns momentan in einer sehr herausfordernden Situation. Vor der Saison wurde ein personeller Umbruch vollzogen, von daher stand die Teamentwicklung im Vordergrund. In der aktuellen Phase sehe ich speziell für die jüngeren Spiele eine Chance, sich zu zeigen. Die Jungs müssen jetzt früher als gedacht in diese Rollen hineinschlüpfen."
Außerdem hegt da Silva Félix die Hoffnung, dass die "Ladehemmungen" bei den Neuzugängen Cottrell Ezekwem (26/zuvor Rot-Weiß Oberhausen) und Niklas Szeleschus (28/SC Wiedenbrück) möglichst schnell abgelegt werden. Beide Hoffnungsträger für die Offensive warten jeweils noch auf ihren ersten Treffer im SVR-Trikot.