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Küver im Interview: "Ich habe auf Autopilot umgeschaltet"

kicker

Im Sommer 2023 wechselte Camilla Küver von Eintracht Frankfurt zum VfL Wolfsburg. Die 1,85 Meter lange Innenverteidigerin galt als großes Talent. Unter Beweis stellen konnte sie das in Wolfsburg lange nicht. Eine Verletzung reihte sich an die nächste. In diesem Sommer konnte die 22-Jährige endlich eine komplette Vorbereitung absolvieren, ist in der Abwehrzentrale des VfL gesetzt und bestätigt das in sie gesetzte Vertrauen mit guten Leistungen.

In der vergangenen Woche wurde Küver von Bundestrainer Christian Wück in den Kader der deutschen Nationalmannschaft für die Nations-League-Halbfinals gegen Frankreich am Freitag in Düsseldorf und am nächsten Dienstag in Caen berufen.

Wie war es, als der Bundestrainer angerufen hat, Frau Küver?

Es war ein besonderer Moment. Das Gespräch war kurz, er wollte mir nur Bescheid sagen, dass ich dabei bin. Das musste ich dann erst mal verarbeiten und habe meine Eltern angerufen. Sofort realisiert hatte ich es nicht.

Hatten Sie gar nicht mit einer Nominierung gerechnet?

Ich habe mitbekommen, dass darüber spekuliert wurde, aber damit wollte ich mich nicht beschäftigen. Es ist immer von Vorteil, dass man nicht alles liest - egal ob es gut oder schlecht läuft (lächelt). Mein Fokus liegt darauf, dass ich seit langer Zeit wieder fit bin und spielen kann. Ich wollte mir keine großen Hoffnungen machen, habe eher damit gerechnet, dass ich für die U 23 nominiert werde.

Wie aufgeregt sind Sie?

Sehr aufgeregt (lacht). Aber es hilft mir natürlich, dass ich schon viele Spielerinnen kenne, sowohl vom VfL als auch von meiner Zeit bei Eintracht Frankfurt.

Haben Sie Ihre Mitspielerinnen gefragt, was man so mitnehmen muss zur Nationalmannschaft?

Ja, das habe ich. Besonders Janina Minge musste mir schon einige Fragen beantworten. Ich fühle mich sehr gut betreut (lacht).

Sie haben in den mehr als zwei Jahren, in denen Sie in Wolfsburg sind, kaum gespielt, hatten eine Sprunggelenkverletzung, Meniskusprobleme, Knieprobleme und eine Schulterverletzung. Wie haben Sie diese Zeit überstanden?

Es ist schwierig, das in wenigen Sätzen zu beantworten. Sportlich war es natürlich eine schwierige Zeit. Ich hatte viele einzelne Rückschläge. Und die vergangene Saison war wohl die härteste meiner Karriere, weil so viel zusammenkam. Zwischenzeitlich habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt noch mal spielen kann. Das war mental sehr hart. Es war sehr wichtig, dass ich ein gutes Umfeld habe, Familie und gute Freundinnen. Sonst wäre es noch schwieriger geworden.

Wie schafft man es, sich abzulenken?

Das werde ich oft gefragt. Und ich kann es im Nachgang schwer beantworten. Irgendwie ging es. Ich habe auf Autopilot umgeschaltet. Man steht auf, geht zur Reha und danach wieder nach Hause. Ich habe auch viel mit Freundinnen unternommen, um mich abzulenken.

Waren Sie mal an dem Punkt, dass Sie aufgeben wollten?

Das war mal kurz im letzten Jahr ein Thema, meine Mutter hatte mich darauf angesprochen. Aber ich war nie bereit, mich damit auseinanderzusetzen. Ich hatte auch Angst davor. Für mich war immer klar, dass ich Fußballerin sein möchte.

Hatten Sie keinen Plan B?

Einen konkreten Plan B habe ich noch nicht verfolgt. Ich studiere aber online Medien- und Kommunikationsmanagement, kann mir gut vorstellen, nach meiner Karriere weiter im Sport zu arbeiten. Gerne im Bereich Medien.

Hätten Sie erwartet, dass es für Sie auf dem Platz wieder so schnell so gut läuft?

Das hätte ich so nicht gedacht. Mir hat auch geholfen, dass ich bei der U 23 des DFB wieder Spielzeit auf hohem Niveau sammeln konnte. Wir hatten in der Saisonvorbereitung auch einige Testspiele, die ich dazu nutzen konnte, Sicherheit zu bekommen. Trotzdem war ich überrascht, wie gut es für mich gelaufen ist. Ich bin beschwerdefrei und habe wieder Vertrauen in meinen Körper.

Haben Sie die Hoffnung, dass Sie in den beiden Nations-League-Spielen gegen Frankreich Ihre Premiere in der Nationalelf feiern können?

Natürlich hoffe ich das. Aber erst mal bin ich froh, überhaupt dabei zu sein. Das war immer mein Traum und mein Ziel, das ich erreichen wollte.

Sie haben ja auch die norwegische Staatsbürgerschaft.

Ja, das stimmt. Meine Mutter ist Norwegerin. Und die hätte sich auch sehr gefreut, wenn ich für Norwegen spielen würde. Mein Ziel war aber die deutsche Nationalmannschaft.