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Leichte DFB-Lose und eine gruselige Anbiederung an Trump

kicker

Als es nach fast eineinhalb Stunden der FIFA-Selbstbeweihräucherung endlich ernst wurde, atmete Julian Nagelsmann schon beim zweiten Los spürbar auf. Mit der Gruppe E erwischte der Bundestrainer eine Konstellation, in der die Nationalmannschaft bei der WM 2026 ihr Wunsch-Basisquartier beziehen kann und Spiele im heißen Mexiko ausschließt. Als dann die drei Gruppengegner feststanden, war Nagelsmanns Erleichterung groß und das Losglück des viermaligen Weltmeisters perfekt.

Weiterkommen ist Pflicht

Ecuador, die Elfenbeinküste und zum Auftakt Curacao: Das ist weit weg von Hammergruppe. Als Nummer neun der FIFA-Weltrangliste geht die deutsche Mannschaft auf dem Papier als Favorit in diese Vorrunde, schließlich hat sie noch nie gegen eine dieser drei Mannschaften verloren. Sicher: Ecuador, Nummer 23 der Welt, beendete die WM-Qualifikation in Südamerika als Zweiter - vor Kolumbien, Uruguay und Brasilien. Und auch die Elfenbeinküste, Nummer 42 der Welt, schaffte die Afrika-Qualifikation souverän.

Trotzdem: Der Ausscheidungs-Hattrick nach den Pleiten in Russland und Katar droht nicht, das Weiterkommen ist in dieser Konstellation Pflicht, schließlich kommen sogar die acht besten Gruppendritten weiter. Und auch der Gruppensieg ist mehr als nur ein machbares Ziel. Damit würde man in der K.o.-Runde zunächst in Boston und im Achtelfinale in Philadelphia weiter Reisestress und Klimastrapazen vermeiden.

Friedenspreis ist eine kaum zu überbietende Anmaßung

Den befürchteten Beleg ihrer Abgehobenheit und Unverfrorenheit lieferte die FIFA und ihr Präsident Gianni Infantino mit der Verleihung eines sogenannten Friedenspreises an US-Präsident Donald Trump. Allein schon die Tatsache, dass sich der Fußball-Weltverband aufgerufen fühlt, eine solche Auszeichnung vorzunehmen, ist eine kaum zu überbietende Anmaßung. Zur Premiere dann ausgerechnet den hoch umstrittenen und eher als Dauerzündler denn als Friedensstifter auffälligen Trump auszusuchen, ist skandalös und wirkt in erster Linie wie eine gruselige Anbiederung des in dieser Hinsicht immer wieder auffälligen Infantino. Erst recht unter dem Gesichtspunkt, dass Trump mit der Drohung, demokratisch geführte WM-Spielorte noch kurzfristig auszutauschen, auch die WM für seine Machtspiele missbraucht.

Selbstverliebtheit der FIFA

Von vornherein klar war, dass der größten WM der Fußball-Geschichte auch die längste und aufwendigste Auslosungs-Zeremonie der FIFA-Historie vorangehen würde. Von Andrea Bocelli bis zu den Village People, von Robbie Williams über Nicole Scherzinger bis hin zu Lauryn Hill reichte die wie eine Retro-Besetzung wirkende Reihe der Topstars, die dieser Show auch dank der Moderation unter anderem von Heidi Klum Schwung und Glanz verleihen sollten.

Gelungen ist das nicht, auch weil es knapp eineinhalb Stunden oder fast die Dauer eines ganzen Fußballspiels dauerte, bis endlich das erste Los gezogen wurde. Bleibt zu hoffen, dass die Mammut-WM im nächsten Jahr kurzweiliger, abwechslungsreicher und sportlicher wird als diese aufgeblähte, kühl inszenierte und von der Selbstverliebtheit der FIFA dominierte Veranstaltung.