In der öffentlichen Debatte um ein mögliches Comeback von Manuel Neuer in der deutschen Nationalmannschaft hat sich am Sonntag auch Ex-Bundestrainer Joachim Löw zu Wort gemeldet - ohne seinem Nach-Nachfolger eine klare Empfehlung auszusprechen.
"Ich glaube, dass Julian Nagelsmann daran denkt, Manuel wieder zurückzuholen, wenn die Leistungen weiterhin so sind wie jetzt", erklärte Löw im Sport1-Doppelpass. "Es soll ja keine Entscheidung der Nostalgie sein, sondern eine Entscheidung aufgrund der Leistungen, die jetzt stattfinden." Neuer sei der "beste" und "kompletteste" Torhüter, den er kennengelernt habe. "Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung und das Torhüterspiel auf ein ganz anderes Niveau gehoben, und dieses Niveau zeigt er immer noch." Neuer hatte im August 2024 nach 15 Jahren und 124 Länderspielen seinen Rücktritt erklärt und daran seitdem nicht mehr gerüttelt. Deshalb müsste Nagelsmann "den ersten Schritt machen und mit ihm sprechen", weiß Löw.
Die Situation um seinen Ex-Schützling Marc-André ter Stegen, der für die WM eigentlich als Nummer 1 eingeplant ist, aber dafür erst wieder fit werden und zu Spielpraxis kommen muss, nannte der Weltmeister-Trainer von 2014 "tragisch". Auch der derzeitige Stammkeeper Oliver Baumann habe wie Alexander Nübel und Noah Atubolu seine Qualitäten. Aber: "Bei der WM, sagt man, sollten die besten Spieler auf ihren Positionen dabei sein." Und da denkt Löw weiterhin an Neuer, auch wenn dieser dann bereits 40 Jahre alt wäre. "Ein Risiko wäre er auf keinen Fall. Er spielt schon über die ganzen Jahre hinweg auf diesem Niveau."
Trainer-Comeback "muss nicht unbedingt sein"
Auf Fragen zu seiner persönlichen Zukunft reagierte Löw am Sonntag zurückhaltend. "Wenn etwas kommt, was mich wirklich unglaublich interessiert, würde ich es vielleicht noch mal machen", schloss er ein Comeback zwar erneut nicht aus, fügte aber im selben Atemzug an: "Muss aber nicht unbedingt sein." Das hänge auch immer "mit den Leuten, dem Konzept" zusammen.
Seit seinem DFB-Rücktritt im Sommer 2021 ist Löw ohne Job, zuletzt lehnte er eine Anfrage des usbekischen Verbands ab. "Ich bin jetzt auch schon in einem gewissen Alter, da muss man sich fragen: Hätte man die Energie dafür noch? Manchmal ist es auch gut, wenn junge Spieler einen jüngeren Trainer haben, der die Sprache besser versteht. Das sind Dinge, die man sich fragt."