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"Man braucht Spieler, die auch mal auf den Tisch hauen": Schulze soll Lupo retten

kicker

Es dauerte gerade mal zwei Spieltage, da musste in der Bundesliga der erste Trainer seinen Hut nehmen. Nach dem dritten Spiel erwischte es den nächsten Chefcoach im Oberhaus. In der Oberliga Niedersachsen hat es sich immerhin bis zum fünften Spieltag ausgedehnt, ehe die erste Trainerentlassung der Saison feststand: Ludger Tusch musste bei Lupo Martin Wolfsburg gehen. Jener Tusch, der den Klub erst im Januar übernommen und vor dem Abstieg gerettet hatte.

"Dafür sind wir ihm auf immer und ewig dankbar", meint Luciano Mileo, Präsident der Wolfsburger. Nach nur einem Unentschieden und vier Niederlagen war der Kredit nun offenbar aufgebraucht und das Vertrauen in die Arbeit von Tusch dahin. "Man muss immer das große Ganze sehen. Es ging zu viel in die falsche Richtung. Und so haben wir gesagt, es ist besser, einen Schlussstrich zu ziehen und nicht länger zu warten", erklärt das Vereinsoberhaupt die Entscheidung.

Verunsicherung nach Kritik an der Mannschaft

Besonders aufgestoßen ist den Verantwortlichen, dass sich Tusch öffentlich zunehmend negativ über die Qualität des Kaders geäußert und so die neue Mannschaft zusätzlich verunsichert habe. Der Betroffene weist diese Vorwürfe zurück. "Ich bin von Haus aus alles andere als negativ", erwidert Tusch und zeigt sich auch zwei Wochen nach seiner Freistellung noch immer sehr enttäuscht: "Die Art und Weise tut mir weh."

So habe Mileo ihm am Telefon die Entscheidung mitgeteilt und sei dann in den Urlaub gefahren. Tusch, der viele Jahre erfolgreich bei Eintracht Braunschweig im Nachwuchsbereich gearbeitet hat, wolle unbedingt noch einmal mit dem Vereinspräsidenten persönlich reden. An dem Entschluss ändert das freilich nichts mehr.

Riesenumbruch im Sommer

Nun ist der schlechte Saisonstart durchaus erklärbar. Nach der Rettung gab es bei Lupo einen Riesenumbruch. 16 Spieler verließen den Verein, 17 neue kamen. Auch deshalb habe er um Zeit gebeten. "Wir müssen sehen, dass wir in der Liga bleiben", so lautete die Marschroute vor der Saison, erzählt Tusch.

Diese Aufgabe liegt nun bei Kevin Schulze. Der 33-Jährige, der als Spieler weit über 100 Regionalligaspiele absolvierte und auch über Drittligaerfahrung verfügt, hätte den SSV Vorsfelde als Interimscoach im Mai mit einer Siegesserie fast noch vor dem Abstieg gerettet. Schließlich musste die Mannschaft aus einem Wolfsburger Ortsteil nur wegen der schlechteren Tordifferenz in die Landesliga absteigen.

Zuletzt hatte Schulze eine Pause eingelegt, sich gelegentlich Spiele von Lupo Martini angeschaut. Einen Kontakt habe es zuvor aber nie gegeben. "Wenn man aus der Region kommt, gibt es nicht so viele Vereine", war sich Schulze schnell klar, die Aufgabe übernehmen zu wollen. Es ist sein erster Posten als Chefcoach.

Fehlstart trotz "Feuer in den Augen"

"Man hat das Feuer in seinen Augen gesehen", erinnert sich Mileo noch gut an das erste persönliche Gespräch mit dem 33-Jährigen. Der wiederum hatte nur eine Bedingung, er bestand darauf, seinen Vorsfelder Co-Trainer Marc Zerbe mitzubringen. Ansonsten hat Schulze das vorhandene Personal übernommen. Wie groß die Herausforderung für das neue Trainerduo wird, verdeutlichen die beiden ersten Spiele: 2:4 in Bersenbrück und 0:2 gegen Verden zu Hause. Vorletzter Tabellenplatz mit einem Punkt und einer Tordifferenz von 4:16.

Beunruhigt zeigt sich Schulze trotz des missglückten Starts nicht. "Man muss die Netto-Trainingszeit sehen, die wir bisher hatten. Wir müssen zunächst die defensive Kompaktheit wieder herstellen", beschreibt der Coach seine erste Aufgabe. "Vorne machst du immer mal eins."

„Wir sind am Scheideweg und müssen gucken: Können wir weiterhin Oberliga spielen oder nicht?“ (Luciano Mileo)

Anders als Tusch, der eine 4-3-3-Formation bevorzugte, setzt Schulze mehr auf ein 4-2-3-1 mit einem klaren Zehner. Davon werde er auch nicht abweichen. Die Qualität im Kader sei da, das sehe man im Training. Ein Problem ist die Unerfahrenheit. "Dass die Jungs noch nicht alle ausgebildet sind, sieht man allein am Alter", stellt Schulze fest.

Tatsächlich liegt der Altersdurchschnitt bei 22,5 Jahren. Jünger sind nur die U-23-Teams von Eintracht Braunschweig und dem SV Meppen. Zwangsläufig fehlen in der Kaderstruktur Typen, Leute, die es gewohnt sind, Verantwortung zu übernehmen. "Man braucht halt Spieler, die auch mal auf den Tisch hauen", sieht Schulze ein Defizit an Spielern, die für "ein Hallo-Wach-Effekt" sorgen können.

"Dass man das nicht von Geburt an ist, sehe ich auch. Aber man muss schauen, wer in der Lage ist, so ein Typ zu werden." Auf jeden Fall seien alle lernwillig. "Und wenn jeder seine Qualität ins Spiel einbringt, sehe ich uns nicht unten drin", zeigt sich Schulze zuversichtlich.

Nun stellt sich die Frage, warum der Verein bei 17 Neuen keine routinierten Spieler hinzugeholt hat? Ein Versäumnis, das sich gerade negativ auswirkt. Die Antwort darauf ist wie so oft das Geld. "Unser finanzieller Rahmen hat Grenzen", erklärt Mileo. Und zwar so eng, dass Lupo Martini, seit über einem Jahrzehnt in der Oberliga etabliert, um seine Existenz kämpfen muss. "Wir sind am Scheideweg und müssen gucken: Können wir weiterhin Oberliga spielen oder nicht?", beschreibt der Vereinsboss die missliche Situation.

„Leichter Husten bei VW führt zu Fieber in der Region.“ (Luciano Mileo)

Die schlechte allgemeine wirtschaftliche Lage hat auch Auswirkungen auf den Amateurklub. "Die Krise in Wolfsburg trifft natürlich auch so einen Verein wie Lupo Martini. Leichter Husten bei VW führt zu Fieber in der Region", macht Mileo anschaulich deutlich. So bleibt dem "Wolf" nichts anderes übrig, als auf den die Jugend zu setzen. Und zu hoffen, dass sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen mittelfristig wieder verbessern.

Vom Kader ist man bei Lupo Martini überzeugt. "Wir kommen da wieder raus, wenn wir die Ruhe bewahren", blickt Mileo nach vorn. "Ich bin sehr optimistisch und noch sehr ruhig", ergänzt Schulze. Als Nächstes geht es gegen Aufsteiger TSV Wetschen, einen Gegner, den man auf Augenhöhe wähnt. Mileo benutzt dafür eine Redewendung, die man häufig von Fußballern hört: "Wir müssen den Bock endlich umstoßen, dann kommt auch das Selbstvertrauen zurück."