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Nach 0:66-Klatsche in Hamburg: "Erster oder Zweiter werden wir wohl nicht mehr"

kicker

Die automatische Texterstellung auf fussball.de kann grausam sein. "Greift Moorburg 1. bei Mesopotamien 2. nach den Sternen?", fragte das DFB-Amateurfußballportal vor dem Duell Letzter gegen Erster in der Hamburger Kreisklasse 4 mit vager Hoffnung auf Fußballromantik. Blickt man aber auf das Ergebnis, das die Antwort bereits spoilert, denkt man sich unweigerlich 'nunja, nein'. 0:66 steht da.

Sechs Männer und eine Frau des Moorburger TSV kassierten von Walid Chabaan (17 Treffer), Jaan De Sousa Baptista (10 Treffer) und dem restlichen Team von Mesopotamien II eine Abreibung, wie sie zuvor wohl selten im Amateurfußball zu sehen war. Nachgefragt beim Moorburger Trainer und Fußball-Abteilungsleiter Patrick Stritzki, der dieser Tage von Medienanfragen überhäuft wird.

Herr Stritzki, können Sie kurz die Rahmenbedingungen schildern? Warum ist das Team schon in Unterzahl gestartet?

Wir haben einen kleinen Kader von gerade mal 16, 17 Leuten, da merkt man sofort, wenn plötzlich drei oder vier verletzt sind, einer arbeiten muss und dann mal eben kurzfristig zwei krank werden. Am Abend vor dem Spiel waren wir gerade eben zu elft auf Biegen und Brechen. In der Nacht habe ich eine Krankmeldung erhalten und am Vormittag eine weitere und von zwei Wackelkandidaten die Absage. Prompt waren wir noch zu siebt und dementsprechend habe ich die Verbliebenen gefragt: 'Wollt ihr, oder nicht? Ich wäre nicht böse, wenn nicht!'

Und sie wollten offenbar ...

In kürzester Zeit kam 'Ich habe Bock', 'Auf jeden Fall', 'Was nur zu siebt, das macht keinen Sinn! - Ich komme' und 'Wir machen das schon zusammen'.

Und das gegen den Tabellenführer.

Wir wussten alle, bei Nichtantritt ist die Saison vorbei, weil wir zuvor einen Abbruch hatten, den wir vom Sportgericht zur Last gelegt bekommen haben. Somit waren wir auch irgendwie gezwungen, anzutreten, um nicht vom Spielbetrieb ausgeschlossen zu werden.

Neben den sechs Männern lief auch eine Frau auf.

Ich unterscheide gar nicht, ob weiblich oder männlich, denn wenn das Mannschaftsmitglied alles gibt, bin ich zufrieden. Sarah ist super zuverlässig und gibt immer alles. Witzigerweise ist sie auch ein kleines Goodie, man glaubt gar nicht, wie sehr sich Männer damit schwertun und auch mal Fehler im Zweikampf machen, die sie sonst nicht machen, aus Angst gegen eine Frau den Ball zu verlieren.

„Ohne unseren Torwart wäre es sicherlich dreistellig ausgegangen.“ (Patrick Stritzki)

Kommen wir mal zum Spiel. Wie lief das in seinen Grundzügen ab? Warum macht man nicht irgendwann hinten dicht?

In der ersten Halbzeit haben wir versucht, defensiv irgendwie gegenzuhalten. In der zweiten haben wir das über Bord geworfen und nur noch mit Torwart und Einerkette hinten gespielt, der Rest hat dann offensiv gespielt, um gegebenenfalls einen Ehrentreffer zu erlangen.

Wenn ich das richtig berechne, fiel alle 82 Sekunden ein Tor. Hat der Gegner auch irgendeine Chance mal nicht verwertet?

Mitte der zweiten Halbzeit hat sich leider unser Keeper am Fuß verletzt und auch unser Stürmer, sodass in der Defensive in der zweiten Halbzeit eigentlich nichts mehr stattgefunden hat. Ohne unseren Torwart wäre es sicherlich dreistellig ausgegangen. Nach seiner Verletzung stand er dann aber nur noch vor dem Tor und musste alles passieren lassen. Unser Stürmer hat sich dann auch zeitweise nur irgendwo hingestellt.

Wie hat der Gegner denn auf die doch ungewöhnliche Situation reagiert?

Der Gegner war extrem respektvoll. Sie fanden das mega, dass wir durchziehen. Obwohl der Schiri auch schon gefragt hat, ob wir weitermachen wollen und auch seitens Mesopotamien das Angebot eines frühzeitigen Abpfiffs da war. Aber das wollten wir nicht, zu groß war die Gefahr, dass irgendwie entschieden wird, es als Nichtantritt zu werten.

Das heißt, Aufgeben war keine Option?

Wenn sich einer verletzt hätte im Spiel, hätte der Schiri abbrechen müssen und dann hätte der Spielausschuss entschieden, wie die Wertung wäre. Das Risiko wollten wir während des ganzen Spiels nicht eingehen. Somit war von vornherein klar, wenn wir antreten, ziehen wir auch definitiv durch! Sprich: Dass Mesopotamien gewinnt, war klar, dass es so hoch wird, ist natürlich nur den beiden Verletzungen geschuldet. Sonst wären es vielleicht 20 weniger gewesen.

Mitleid hatte Mesopotamien nicht?

Die Gegner haben komplett Gas gegeben. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass die wohl auch einen Clinch mit dem Sportgericht haben und einfach mal ein Zeichen setzen wollten. Da haben wir kein Problem mit, alles gut... Aber ein Tor hätten wir natürlich gerne gemacht!

Klingt jetzt aber nicht unbedingt nach einer deprimierenden Erfahrung ...

Gar nicht. Alles in allem hat es uns auch Spaß gemacht, zumal ja auch kein Druck da war. Einfach auch mal versuchen, was geht. Hacke, Spitze, 1-2-3.

„Am Ende geht es doch nur darum, mit seiner Mannschaft zu kicken und Spaß zu haben.“ (Patrick Stritzki)

Es war ja nicht Ihre erste hohe Niederlage. Im Pokal gab es in der letzten Saison ein 2:53. Warum machen die Spieler das überhaupt Woche für Woche mit?

Kurz und knackig: Wir wollen einfach kicken. Wir sind nicht in der Bundesliga, wer das denkt und um Leben und Tod spielt, ist zumindest in einer Kreisklassenmannschaft völlig falsch! Am Ende geht es doch nur darum, mit seiner Mannschaft zu kicken und Spaß zu haben. Hier und da vielleicht Punkte einzufahren oder an Erfahrung zu gewinnen, wie man hier und da was besser machen könnte. Einfach das Miteinander leben!

In den Netz-Kommentaren kommt auch mal der Vorwurf auf, Sie würden regelmäßig absichtlich so hoch verlieren, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Was sagen Sie dazu?

Ja, das ist völlig korrekt, denn wir haben furchtbar Langeweile! Nein, Spaß beiseite! Solche Äußerungen interessieren mich nicht, ich denke, den Verein auch nicht und auch sonst niemanden, der normal im Kopf ist. Und wenn es die Leute glücklich macht, deren Tag etwas versüßt, dann freue ich mich auch für die!

Die Tabelle ist derzeit nicht auf Ihrer Seite: Sieben Spiele, sieben Niederlagen, ein Torverhältnis von minus 114.

Unser Ziel ist es, mal einen oder drei Punkte mitzunehmen, der Rest ist völlig wurscht. Sprich, wen juckt es, wenn ich vielleicht ein Spiel 0:100 verliere, wenn ich den Rest gewinne? Oder wir verlieren alle Spiele und fegen den Tabellenersten im letzten Spiel vom Platz, das ist doch auch eine geile Sache. Das Torverhältnis ist uns völlig egal, Erster oder Zweiter werden wir wohl nicht mehr.