Herr Rost, Sie haben Ihrer Mannschaft bei der vor dem Saisonstart eine spannende Rolle in der Liga zugetraut. Wie zufrieden stimmt Sie da jetzt der aktuelle Blick auf die Tabelle?
Ich beurteile unseren Saisonstart unabhängig vom Tabellenplatz. Das hat vor allem damit zu tun, dass wir vor einem Jahr vom ersten Spieltag an der Musik hinterhergerannt sind und es dann ganz schwer wird, einen Rhythmus aufzubauen, noch dazu mit einer recht jungen Mannschaft. Unser Fokus lag also darauf, gut reinzukommen, auch wenn wir kein einfaches Startprogramm hatten. Sieben von neun Punkten waren ein angenehmer Start. Die Ergebnisdelle gegen Grimma hat uns alle dann noch einmal sensibilisiert. Wir sind mit den 16 Punkten jetzt zufrieden und können das auch gut einordnen.
Sie haben die bisher einzige Niederlage im Heimspiel gegen Grimma angesprochen. Ist die abgehakt oder trauern Sie dem Spiel noch nach?
Wir haben da in der ersten Halbzeit die Intensität vermissen lassen. Dadurch ist es uns selbst mit viel Ballbesitz und hoher Dominanz schwergefallen, Lösungen in der Offensive zu finden. In der zweiten Hälfte war es dann ein Spiel auf ein Tor, bei dem uns das Spielglück gefehlt hat. Aber es geht bei Misserfolgen ja immer darum, daraus zu lernen. Daher war für mich wichtig, dass die Mannschaft eine Woche später im Landespokal gegen Wernigerode (3:1/d. R.) eine sehr gute Reaktion gezeigt hat.
„Es zeigt auf alle Fälle, dass wir nicht durch die Liga fliegen, sondern von Woche zu Woche an unser Limit gehen müssen, um die Spiele zu ziehen.“ (Manuel Rost)
Für die drei folgenden Punktspielsiege hat ihr Team jeweils Mitte der zweiten Halbzeit die Weichen gestellt. Ist das Zufall?
Es zeigt auf alle Fälle, dass wir nicht durch die Liga fliegen, sondern von Woche zu Woche an unser Limit gehen müssen, um die Spiele zu ziehen. Ansonsten ist es schon so, dass unsere Geschlossenheit gerade ein Stück weit unser Prunkstück ist und neben dem Teamspirit auch eine gewisse Breite dazu gehört. Die Jungs, die von der Bank kommen, brennen und erledigen ihre Aufgaben. Das hatten wir vorige Saison nicht immer so und spricht für unsere Mannschaftszusammenstellung im Sommer.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Halberstadt solche Gegner wie Krieschow, Plauen, Freital oder Halle im Herbst noch vor sich hat. War das der Hintergedanke, als Sie vorhin davon sprachen, die aktuelle Lage richtig einordnen zu können?
Nicht unbedingt. Zum einen hatten wir auch schon zwei Topspiele dabei. Zum anderen denke ich, dass wir uns ganz unabhängig von der Tabelle auch anhand der bisherigen Gegner einen guten Eindruck von unserer Mannschaft verschaffen konnten. Was uns schwerer ausrechenbar macht, ist die geduldige und kompakte Arbeit gegen den Ball. Die Verteidigungsmentalität und Verteidigungsfreude wird auch genau das sein, was wir im Herbst benötigen, um in unserem Spiel variabel zu bleiben. Denn gute Aktionen im Ballbesitz haben uns auch bisher schon ausgezeichnet.
Am Sonntag steht das Harzderby gegen Wernigerode an, zu dem zuletzt mehrfach über 1.000 Zuschauer im Halberstädter Friedensstadion gezählt wurden. Der Gegner hat seine letzten beiden Spiele gewonnen und dürfte zudem Revanche fürs jüngste Pokal-Aus anstreben…
Es ist ein Highlight und jedes Mal ein ganz spezielles Spiel. Wir haben zuletzt viermal nacheinander gegen Wernigerode gewonnen und gehen mit dem Selbstvertrauen auf den Platz, diese Serie auf unserem Platz auch aufrechtzuerhalten. Uns ist aber genauso klar, dass der Gegner mit den zwei Siegen im Rücken alles investieren wird und will, um den Spieß diesmal umzudrehen. Ich erwarte ein sehr interessantes Spiel, das wir am Ende erfolgreich gestalten wollen.