Trainer Nassir Malyar betonte vor der Partie, sein Team sei fest entschlossen, Wattenscheid die erste Niederlage zuzufügen. Dazu reichte es zwar nicht, doch das 0:0 an der Lohrheide war ein Ausrufezeichen - und für die SpVgg Erkenschwick weit mehr als nur ein Bonuspunkt in der Oberliga Westfalen. "Das war ein Punkt für Selbstbewusstsein und Moral, nicht unbedingt für die Tabelle", ordnete Malyar ein. Grund zum großen Jubel sah er dennoch nicht: "Ich hätte lieber 4:2 gewonnen." Zusätzlich wurde die Stimmung durch Fan-Proteste gegen die Eintrittsbedingungen in Wattenscheid gedämpft. Es ging nach Darstellung der Erkenschwicker Anhänger um personalisierte Stehplatzkarten, vom Gästeblock über einen Kilometer entfernte Parkplätze und Zaunfahnen, die einer vorherigen Genehmigung bedurft hätten.
Zurück zum Sport: Wattenscheid setzte die Gäste früh unter Druck, doch Erkenschwick verteidigte konzentriert und eng. "Wir hatten uns vorgenommen, jeden Weg des Gegners bis zum Ende mitzugehen. Wenn du in dieser Liga zehn Minuten nicht wach bist, verlierst du das Spiel", analysierte Malyar. Die Bereitschaft war auf dem ganzen Feld spürbar, und auch etwas Glück half in brenzligen Situationen - etwa bei einem fälschlicherweise wegen Abseits zurückgepfiffenen Treffer von Robert Nnaji kurz nach der Pause.
Chancenverwertung ist das Manko
Kurios: Ausgerechnet beim großen Favoriten gelang das erste Zu-Null-Spiel der Saison. In den bisherigen 16 Spielen kassierte das Team 38 Treffer - neben dem großen Umbruch vor der Spielzeit ein Grund, warum der Traditionsverein nach unten schauen muss. "Wir bekommen zu viele Gegentore, ja. Aber das liegt auch daran, dass wir vorn oft unsere Chancen nicht nutzen und den Gegner somit am Leben lassen", erklärt Malyar.
Strategisch setzt er auf lange Bälle und Eins-gegen-Eins-Situationen. Dass diese oft ungenutzt bleiben, liegt vor allem an der Fähigkeit, in Drucksituationen die richtige Entscheidung zu treffen. "Mit Glück oder Pech hat das wenig zu tun. Das ist eine Frage der Qualität", sagt Malyar.
Personell bleibt die Lage angespannt. Gegen Wattenscheid fehlten sieben Akteure - darunter Vizekapitän und Abwehrchef Andreas Ovelhey. Hinzu kommen schwierige Trainingsbedingungen: Da der Rasen im Stimberg-Stadion kaum bespielbar ist, weicht das Team regelmäßig auf einen harten Kunstrasen-Nebenplatz aus. Die Krux: Das Training dort belastet Muskeln und Gelenke stärker als Naturrasen.
Igbinadolor auf dem Weg der Besserung
Außerdem fehlt Mittelstürmer Brightney Igbinadolor seit Spieltag 6 nach einem Herzstillstand während des Spiels gegen die TSG Sprockhövel. Damals wurde die Partie wegen des Vorfalls beim Stand von 2:1 für Erkenschwick in der Nachspielzeit abgebrochen. Der Offensivmann trägt mittlerweile einen Defibrillator und kann voraussichtlich im neuen Jahr wieder leicht trainieren. "Meine Jungs standen 30 Zentimeter vor ihm, als er de facto tot war. Eine Woche später mussten sie trotzdem wieder hundertprozentig fokussiert sein - das war menschlich extrem schwer", beschreibt Malyar die dramatischen Szenen.
Für die Winterpause sind Transfers geplant, um alle Mannschaftsteile zu verstärken; Abgänge werden ebenfalls folgen. Die Auswahl der Spieler muss kreativ erfolgen, da die finanziellen Rahmenbedingungen eine Rolle spielen. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung von Talenten wie Ayoube Amaimouni-Echghouyab, der in Erkenschwick erste Seniorenerfahrungen sammelte und nun in der U 23 der TSG Hoffenheim in der 3. Liga überzeugt: "Wenn du hier gut spielst, kommst du in den Fokus."