Vier Wettbewerbe, 18 Pflichtspiele - die ersten elfeinhalb Wochen der Saison waren für Eintracht Norderstedt kein Marathonlauf, sondern ein Dauer-Sprint von einer Station zur nächsten. Dass dabei die Konstanz auf der Strecke blieb, ist nahezu selbstverständlich, zumal der Kader im Sommer runderneuert wurde und die übliche Verletztenmisere für Leistungsschwankungen sorgte.
Wie der momentane 12. Platz in der Regionalliga Nord zu bewerten ist, wissen die Fans nicht recht zu beurteilen. Mit einem Sieg mehr stünde die Eintracht auf Rang 8, mit einem Sieg weniger wäre sie Vorletzter. Aber: Entscheidend ist, dass Norderstedt bis Ende September bis auf eine Ausnahme (Flensburg) gegen alle Top-10-Mannschaften schon gespielt hat. So wurde mit dem 2:2 beim HSV II und dem 4:2 in Schöningen womöglich der "goldene Oktober" eingeleitet. Und werden bis zum Ende der Hinrunde alle Pflichtaufgaben gelöst, sollte das Saisonziel einstelliger Tabellenplatz weiter im Visier bleiben.
Wucht oder Tempo
Dabei liegen die Hoffnungen auch auf Manuel Brendel, der nach gleich drei Verletzungspausen langsam in Form kommt und nun binnen vier Tagen seine ersten drei Tore seit Oktober 2024 erzielte. Der 26-Jährige hatte am Ende der Saison 2023/24 fast im Alleingang mit zehn Treffern für den Klassenerhalt gesorgt. Nun erhöht seine ansteigende Formkurve die Möglichkeiten für Trainer Elard Ostermann. Dieser kann mit ihm einen wuchtigen Mittelstürmer aufbieten, oder er setzt mit dem wiedergenesenen Felix Drinkuth auf zwei abschlussstarke Stürmer, oder er bringt mit Lucas Camacho, Ezra Ampofo und Lukas Krüger Tempo ins Angriffsspiel.
Letzterer meldete sich am Mittwoch im Pokal nach seinem Handbruch mit fünf Toren zurück, mit denen er den Titelverteidiger beim Achtligisten Hamburg Hurricanes zu einem 11:2-Erfolg und in die vierte Runde schoss. "Jedes Tor gibt einem Selbstvertrauen. Letztlich ist man eine Runde weiter, ganz egal, ob man 1:0, im Elfmeterschießen oder 11:2 gewinnt", hakte Ostermann den Auftritt seiner B-Elf schnell ab, lobte aber die Konzentration und die Ernsthaftigkeit seines Teams.
Wichtiger ist das Heimspiel am Sonntag gegen den Tabellennachbarn Bremer SV. Dabei muss er noch auf sein Mittelfeld-Herzstück Jonas Behounek verzichten. Der 27-Jährige laboriert an einer Knieverletzung, könnte aber in zwei Wochen wieder einsatzbereit sein. Dagegen sollen die Langzeitverletzten Artem Diachun (Schambein), Ohene Köhl und Niklas Petzsch (beide Knie) auf Sicht über die zweite Mannschaft herangeführt werden. Diese gehört inzwischen wie die A-Jugend (Platz 4 in der Regionalliga) zum Konzept des Leistungsfußballs, hat unter Trainer Jörn Großkopf nach dem siebten Sieg in Folge gerade die Tabellenführung in der sechstklassigen Landesliga übernommen.
Bei der ersten Mannschaft geht die Termin-Hatz auch nach dem richtungsweisenden Spiel gegen Bremen weiter: Bis zur Winterpause stehen bis zu elf Pflichtspiele auf dem Programm. Die nächste Pokal-Aufgabe wartet auf das Team am 28. Oktober beim Oberligisten FC Türkiye.