Aus Leipzigs Trainingslager in Almancil berichtet Oliver Hartmann
Von wegen blauer Himmel und strahlender Sonnenschein: Dunkle Wolken und Dauerregen empfingen die Profis von RB Leipzig am Freitag bei ihrer Ankunft in Faro an der Algarve, und sie waren auch ein ständiger Begleiter bei der ersten Trainingseinheit in Almancil. Der offensichtlich guten Stimmung im Team beim Wiedersehen nach knapp zweiwöchiger Winterpause tat dies keinen Abbruch, und auch Trainer Ole Werner nahm die ungemütlichen Begleiterscheinungen lächelnd hin.
"Natürlich ist das Wetter relativ nass, aber dafür ist der Regen wenigstens warm, also anders als in Leipzig. Insofern ist der erste Eindruck erstmal positiv, zumal der Platz in einem guten Zustand ist", sagte der Coach nach der ersten, nur einstündigen Übungseinheit. Einen längeren Verbleib auf der Anlage "The Campus" wäre angesichts der hereinbrechenden Dunkelheit auch gar nicht möglich gewesen.
In den nächsten Tagen will Werner seine Belegschaft mit einem deutlich intensiveren Programm auf das Auswärtsspiel am 10. Januar beim FC St. Pauli trimmen. Nach den beiden 1:3-Niederlagen zum Jahresende 2025 bei Union Berlin und gegen Bayer Leverkusen hat diese Partie auch für das Betriebsklima richtungsweisenden Charakter. "Es ist keine eigentliche Vorbereitung, dafür ist die Zeit zu knapp. Ein Fokus wird natürlich auf dem ersten Spiel bei St. Pauli liegen. Und dann geht es noch mal um ein, zwei Themen, die wir aus den letzten Spielen mitgenommen haben", so Werner. Das Gegenpressing-Verhalten muss wieder besser werden, auch die Kompaktheit im Anlaufen. Umso bedauerlicher findet es Werner, dass kein Testspiel-Gegner gefunden wurde.
Positiv stellt sich hingegen für Werner die im Dezember noch sehr angespannte Personalsituation dar: 23 Profis hat er in seinem Portugal-Kader, 21 davon sind zumindest für einen Kaderplatz gegen St. Pauli eine Option. Unter ihnen ist auch Jung-Nationalspieler Assan Ouedraogo, der sich am 23. November unmittelbar nach seinem Länderspiel-Debüt gegen die Slowakei in der Partie gegen Werder Bremen eine Sehnenverletzung in der Kniekehle zugezogen hatte. Knapp sechs Wochen später bestritt der Youngster das komplette Programm, zeigte sich dabei voll belastbar und damit bereit für das Match gegen St. Pauli. "Bei ihm sieht es sehr gut aus", zeigte sich auch Werner zufrieden.
Auch Banzuzi ist wieder einsatzbereit
Zumindest im Mittelfeld herrscht damit wieder ein Konkurrenzkampf, der im Dezember nicht mehr stattfinden konnte. Ouedraogo konkurriert mit den Österreichern Christoph Baumgartner und Xaver Schlager um die beiden Achter-Positionen vor dem im defensiven Mittelfeld nach bisher starkem Saisonverlauf gesetzten Nicolas Seiwald im defensiven Mittelfeld. Angeheizt wird der Kampf um die Plätze zudem von Ezechiel Banzuzi. Der Neuzugang aus den Niederlanden hatte sich Anfang Dezember einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen, präsentierte sich am Freitag aber gleichfalls genesen und voll einsatzfähig.
Nusa und Bakayoko noch im Einzeltraining
So weit sind die Flügelflitzer Antonio Nusa und Johan Bakayoko noch nicht, beide arbeiteten abseits im Fitnesszelt. "Toni hat schon vor dem Jahreswechsel Fortschritte gemacht. Er ist jetzt dabei, immer weiter zu steigern", sagte Werner über Nusa und sieht für den von einer Syndesmose-Verletzung genesenen Norweger zumindest einen Kaderplatz in Aussicht. Der kommt für Bakayoko, der zuletzt mehrfach von muskulären Problemen ausgebremst wurde, aber wohl zu früh. "Bei ihm ist es noch so, dass wir da vorsichtiger rangehen müssen, er hat immer noch Probleme", berichtete Werner.
Anders als im Mittelfeld herrscht damit auf den Flügeln weiter personeller Notstand, zumal Yan Diomande beim Afrika-Cup weilt und dort mit der Elfenbeinküste am Dienstag im Achtelfinale gegen Burkina Faso spielt. Wird der Titelverteidiger da seiner Favoritenrolle gerecht, ist Diomande sicher kein Thema für den Leipziger Pflichtspiel-Start 2026.