Es gibt Fußballspieler, die sehr gerne reden und sehr gut erklären können, warum Spiel X so und so ausgegangen ist und warum Spieler Y daran einen großen Anteil hatte. Und es gibt Fußballspieler, die sehr gut Fußball spielen und das Reden lieber anderen überlassen.
Aleksandar Pavlovic ist, wie seine Position auf dem Platz, irgendwo in der Mitte einzuordnen. So gut und genau der Mittelfeldspieler des FC Bayern für gewöhnlich Fußball spielt, so präzise und vor allem kurz fallen zumeist seine Antworten danach aus.
Das Münchner Eigengewächs ist auch in seiner dritten Saison noch kein Mann für die großen Worte oder messerscharfe Analysen, deshalb überraschte es zumindest ein klitzekleines Bisschen, dass ausgerechnet er am Tag vor dem Champions-League-Spiel gegen Saint-Gilloise zum allerersten Mal auf einer Pressekonferenz auftauchte.
Dort sagte Pavlovic ein paar Standard-Sachen ("Einfach unser Spiel spielen"; "Ich versuche in jedem Spiel, mein Bestes zu geben"; "Mit den Fans im Rücken spielen wir noch einen Tick besser"), stets mit einem schüchternen Lächeln versehen, immer sehr höflich. Und doch merkt man ihm an, dass er kein Neuling mehr ist und gewisse Dinge für sich beanspruchen darf.
„Ich kann das Spiel gestalten, wie ich möchte.“ (Aleksandar Pavlovic)
Lediglich vier Spiele hat Pavlovic in dieser Saison angeschlagen oder krankheitsbedingt verpasst, was beim Blick in die Krankenakte des nach wie vor erst 21-Jährigen einer positiven Überraschung gleichkommt. "Ich bin froh, dass ich über eine längere Zeit gesund und fit bin", sagt er selbst, denn es waren ja schon allerlei kuriose Verletzungen dabei; von Schlüsselbein- oder Augenhöhlenbrüchen bis hin zum Pfeifferschen Drüsenfieber. "Viel geändert habe ich eigentlich nicht, für viele Sachen konnte ich ja nichts", erklärt er. "Jetzt bin ich da, jetzt bin ich fit. Jetzt wird nach vorne geschaut."
Und da wäre dann wieder der Übertrag vom Gesagten aufs Spielfeld, nach vorn schauen kann Pavlovic nämlich auch dort ganz gut. "Ich glaube, ich spiele einen einfachen Fußball", findet er und erfährt dafür keinen Widerspruch, das Einfache ist aber eben das Gute. Die schnelle Entscheidungsfindung, der erste Kontakt nach vorn, die Passgenauigkeit - Qualitäten, die einfach aussehen, aber den Münchner Vortrag prägen. "Ich kann das Spiel gestalten, wie ich möchte. Ich glaube, meine Ruhe am Ball ist sehr gut für das Team."
Und die Einsatzbereitschaft obendrauf. Zum zweiten Mal avancierte Pavlovic am vergangenen Spieltag beim 5:1 in Leipzig zum Torschützen und laufstärksten Akteur der Bundesliga (13,86 Kilometer), hinzu kommen national durchschnittlich 101 Pässe pro Spiel (95 kommen an) sowie international 80 (76). In der Champions League bringt allein PSG-Motor Vitinha mehr angekommene Anspiele (589) zustande als Pavlovic (433).
Bis zu dieser Saison hatte sich Bayerns Nummer 45 die Aufgaben neben dem gesetzten Joshua Kimmich mit Kumpel Leon Goretzka mehr oder weniger teilen müssen, jetzt ist Pavlovic die klare Nummer zwei neben dem Nationalmannschaftskapitän, auch wenn Vincent Kompany das öffentlich natürlich nie so sagen würde.
Dem Trainer ist das sowieso egal, genauso wie das, was Pavlovic sagt oder eben nicht sagt. Die Taten sprechen in der Regel für sich.