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Rangnicks Erfolgsfaktoren: Warum Österreich aus der Gruppe J aufsteigt

kicker

Österreichs Chancen stehen sehr gut: auf den ersten Sieg bei einer WM-Endrunde seit dem letztlich bedeutungslosen 2:1 über die USA in Italien 1990 - und auf den Einzug ins Sechzehntelfinale der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Denn die Auslosung für die Vorrunde bescherte der Mannschaft von Cheftrainer Ralf Rangnick zwar eine immens schwere, aber auch zwei machbare Aufgaben: Titelverteidiger Argentinien mit Lionel Messi, Algerien und Auftaktgegner Jordanien (16. Juni).

Für ein Weiterkommen reichen entweder die Top zwei in Gruppe J oder ein Platz unter den acht besten Dritten der zwölf WM-Gruppen. Ein realistisches Ziel, denn vier Erfolgsfaktoren werden Rangnick und den Österreichern um Marko Arnautovic und Kapitän David Alaba den Weg aus der Weltmeister-Gruppe in die K.o.-Phase ebnen.

Faktor 1: Den Gegner nicht stärker machen, als er ist

Einen österreichischen Kardinalfehler bei der letzten WM-Teilnahme - allerdings im vorigen Jahrtausend - dürfen Ralf Rangnick und seine Spieler diesmal nicht machen. Vor der Endrunde 1998 in Frankreich baute man ab der Gruppenauslosung ein sportliches Drohgebilde auf, das der wahren Stärke der Vorrundengegner nicht entsprach. ÖFB-Teamchef Herbert Prohaska und sein Trainerstab machten Auftaktgegner Kamerun und den zweiten Kontrahenten Chile im Vorfeld viel stärker, als es die Teams in Wirklichkeit waren. Diese Einstellung manifestierte sich dann auch in der taktischen Aufstellung und Spielweise.

Dass man die beiden Unentschieden im Lager der österreichischen Fans dennoch positiv interpretierte, lag daran, dass sich Toni Polster gegen die Afrikaner und Ivica Vastic gegen die Südamerikaner jeweils in der Nachspielzeit zu den viel umjubelten Ausgleichstreffern aufschwangen. Erst gegen Italien spielten die Österreicher mit dem Mute der Verzweiflung, mussten sich aber unglücklich mit 1:2 geschlagen geben. Bei Rangnick und seinen Co-Trainern Lars Kornetka sowie Stefan Oesen kann man sich sicher sein, dass die qualitative Einordnung der am Freitag zugelosten Gegner stimmen wird.

Faktor 2: Fitte Schlüsselspieler und frisches Blut

An dieser Stelle muss eine Portion Zuversicht und Optimismus erlaubt sein. Von Rangnicks Qualitruppe werden hoffentlich alle Führungsspieler und Schlüsselkräfte für das am 11. Juni beginnende WM-Turnier fit bleiben oder werden. Auch David Alaba wird in Übersee gesund an Bord sein und die Innenverteidigung damit zum Prunkstück machen - zumal Kevin Danso und Philipp Lienhart samt Alternativen schon bisher keinen Grund zur Sorge ließen. Mit Reals Alaba wird Österreich aber im Spielaufbau und bei Standards trotz dessen überschaubarer Spielminuten in Madrid kreativer und gefährlicher sein.

Auch im weniger stark besetzten Angriff, vielleicht dem Sorgenkind im ÖFB-Team, werden die aktuellen Zentralwaffen Marko Arnautovic sowie Michael Gregoritsch fit sein. Dazu wird Sasa Kalajdzic beim LASK in WM-Form kommen. Natürlich ebenfalls ein optimistischer Wunschgedanke, aber warum soll sich das enorme Pech, welches Kalajdzic schon mit Verletzungen hatte, nicht auch einmal in Glück umwandeln. Andreas Weimann, Raul Florucz oder Nikolaus Wurmbrand sind dazu noch mögliche Kandidaten für ein Aufspringen auf den WM-Zug.

Faktor 3: Aktuelle Topform schlägt glorreiche Verdienste

Unabhängig von wertvollen und unbestrittenen Verdiensten in der Vergangenheit, zum Beispiel bei der EM 2024 oder in der WM-Quali, sollte auf den Schlüsselpositionen im österreichischen Team grundsätzlich gelten: Wer zum Tag X in Topform ist oder kommt, wird von Beginn an spielen. Auch hier darf man aber sicher sein, dass Rangnick härter zu sich und den betroffenen Spielern sein wird, als es Prohaska 1998 in Frankreich oder teilweise auch Josef Hickersberger 1990 in Italien waren. Damals spielten eher die Verdienten.

Die "magischen" Sturm-Graz-Akteure Ivica Vastic, Markus Schopp, Hannes Reinmayr und Mario Haas waren etwa bei der letzten WM mit Österreich vor 28 Jahren deutlich besser in Form und auch körperlich fitter als der eine oder andere Fixstarter in der letztlich enttäuschenden Vorrunde. Prompt war das letzte, aber schwierigste Spiel gegen Italien (1:2) das beste der Österreicher, weil die Grazer Asse alle spielten. Das Aus vor der durchaus machbar gewesenen K.o.-Phase war im Stade de France nicht mehr zu verhindern. Es war auch das bis dato letzte WM-Spiel einer österreichischen Nationalmannschaft.

Faktor 4: Spielglück - im Fußball immer unterschätzt

Spätestens seit dem mehr als bitteren Aus der Österreicher im EM-Achtelfinale 2024 gegen die Türkei weiß die Nation, dass in entscheidenden Momenten wie beim Last-Minute-Kopfball von Christoph Baumgartner das nötige Glück zur Seite stehen muss. Ebenfalls erlebte man die Bedeutung von Spielglück beim Millimeter-Abseits von Marko Arnautovic im EM-Achtelfinale 2021 gegen Italien, welches das wahrscheinliche Siegestor verhinderte. Die glücklichen Italiener setzten sich in der Verlängerung durch und wurden Europameister.

Bei der EM 2016 in Frankreich lag der Teufel schon in vielen Details im ÖFB-Auftaktspiel gegen die Ungarn, als Alaba nach Anpfiff die Stange traf und sich der damals in Topform befindliche Zlatko Junuzovic schwer verletzte und für den Rest des Turniers ausfiel. Selbstverständlich erzielten die Ungarn in dieser Phase aus der ersten Chance das erste Tor und gewannen am Ende glücklich. Um Missverständnissen vorzubeugen: Österreich ist in der aktuellen Kaderzusammensetzung unter Rangnick qualitativ stark genug, den Aufstieg in die K.o.-Phase zu schaffen. Aber Glück gehört bei Endrunden immer dazu.