Beim 0:2 in der Slowakei saß der Leipziger Kapitän zu Beginn der Partie draußen, seit seiner Einwechslung zur Pause ist er unverzichtbar, bereitete schon beim anschließenden 3:1 gegen Nordirland das wichtige 2:1 vor. Nun traf er zum 1:0 gegen Luxemburg, servierte Woltemade zum Schulter-Tor. Dem Bundestrainer indes ist wichtig, den Linksverteidiger nicht allein wegen seiner drei Scorerpunkte in drei aufeinanderfolgenden Länderspielen zu loben, er streicht vor allem dessen Mentalität heraus.
Der Verteidiger fühlt sich an Zweitligazeiten erinnert
"David", sagt Nagelsmann, "ist unser Emotional Leader." Er registriert, dass dem 27-Jährigen das Kapitänsamt bei den Roten Bullen Flügel verliehen hat, dass er sich auch im Kreise der Nationalmannschaft in der Verantwortung sieht. "Er pflügt in Situationen rein, setzt Zeichen. Das ist das, was ich sehen will." Raum wirkte in diesen Oktober-Tagen im Kreise des DFB nicht wie einer, der zwanghaft versucht, eine Rolle zu spielen, sondern vielmehr wie ein Profi, der gewachsen ist an seinen Aufgaben - und mit diesen in eine neue Rolle hineingewachsen ist.
Dass insbesondere der Auftrag in Nordirland ihm und seinen Grundtugenden entgegenkam, weil Nagelsmann es zum obersten Gebot erklärt hatte, kämpferisch dagegenzuhalten, verhehlt er nicht. "Entscheidend war nicht, dass wir schönen Fußball spielen, sondern dass wir das Spiel ziehen", sagt Raum, "mich hat das ein bisschen an meine Zweitligazeiten erinnert. An erster Stelle steht da immer, dass man die Spiele annimmt, dass man den Kampf und auch die Stimmung annimmt. Es zählen bestimmte Werte und nicht Schönheit."
Raum ist beileibe kein Raubein, Emotionen auszuleben aber kommt seinem Naturell entgegen. Und er setzt darauf, dass auch seine Kollegen Gefallen an diesen Tugenden finden. Er ist sich sicher: "Solche Spiele und Erfahrungen bringen uns als Mannschaft weiter."
Den Prozess sieht er nach den Rückschlägen im Juni und September bereits in Gang gesetzt: "Wir waren in diesem Lehrgang als Gruppe sehr eng miteinander. Es wächst etwas heran, und durch so einen Kampfsieg wie in Nordirland kann zusätzlich etwas entstehen. Es muss auch etwas entstehen in Richtung Weltmeisterschaft." Und Raum, das zeichnet sich nach den jüngsten Eindrücken in Leipzig und im Nationalteam ab, ist nicht mehr Wackelkandidat, sondern ein wichtiger Bestandteil.