Spieler aus der eigenen Jugend von Real Madrid haben es nicht gerade leicht. Im Gegensatz zum ewigen Konkurrenten FC Barcelona setzen sie am Manzanares eher auf namhafte Stars, die jede Menge Qualität mitbringen - und natürlich Ansprüche.
Und so hätte es die Geschichte von Gonzalo Garcia bei der Klub-WM sicherlich nicht gegeben, wenn nicht gleich zwei Konkurrenten ausgefallen wären. Zunächst nahm er den Kaderplatz des verletzten Endrick ein. Als dann auch noch Kylian Mbappé wegen eines Magen-Darm-Virus ausfiel, fand sich der 21-Jährige beim Auftaktspiel gegen Al-Hilal auf einmal in der Startelf als vorderste Sturmspitze wieder.
Es ist eine dieser seltenen Gelegenheiten, die ein No Name bei den Königlichen erhält und dann für sich nutzen muss. Und das tat Gonzalo Garcia. Genauso wie die zweite Chance. Und die dritte.
Beim 1:1 gegen Al-Hilal erzielte er für die Königlichen den einzigen Treffer. Auf etwas glückliche Weise, zugegeben: Der Youngster schoss sich selbst mit dem rechten an den linken Fuß, der Abschluss mutierte zu einem perfekten Heber über Keeper Bono hinweg. Nach einem weiteren Scorerpunkt beim 3:1 gegen Pachuca - Garcia bereitete den Treffer von Arda Güler mit einer cleveren Ablage im Strafraum vor - traf er auch gegen RB Salzburg mit einem herrlichen Chip zum 3:0-Endstand.
Garcia folgt dem Walk of Fame
Ein komplett Unbekannter war Garcia allerdings schon vor der Klub-WM nicht mehr. Im Februar erzielte er in der 93. Minute des Viertelfinals in der Copa del Rey bei Leganes per Kopfball den 3:2-Siegtreffer. Wieder mal hieß es: Chance genutzt, Rampenlicht ausgekostet. Eine filmreife Story, die sogar ein wenig in seinen Genen verankert ist. Sein Großvater ist der Stierkämpfer Manuel Torres-Cansino, der ein Cousin der amerikanischen Schauspielerin Margarita Carmen Cansino war. Bekannt wurde "Rita" unter ihrem Mädchennamen - Hayworth.
Nun macht der nächste Cansino-Erbe in den USA von sich reden, und für Xabi Alonso ist das "nicht so überraschend, was er leistet", wie er nach dem Spiel gegen Salzburg erklärte. "Ich wusste viel, weil ich die Castilla intensiv verfolgt habe." In vielerlei Hinsicht erinnere ihn der junge Stürmer an Raul.
Ausreichend Tipps dürfte er vom ehemaligen Topstürmer jedenfalls bekommen haben. Real Madrid Castilla, die zweite Mannschaft der Königlichen, wurde schließlich bis zum Sommer noch von Raul trainiert. Bereits 2014 war er in die Jugendabteilung Reals gewechselt und zunächst als Flügelstürmer eingesetzt worden. Eine Position, die er durchaus zur Zufriedenheit ausfüllte und nach wie vor ausfüllen kann.
Arbeloa lässt Garcia explodieren
Doch erst Juniorentrainer Alvaro Arbeloa erkannte das Potenzial des 1,82 Meter großen und kopfballstarken Garcia als Neuner - mit dem Ergebnis, dass er in der Saison 2022/23 für die A-Junioren 35 Tore erzielte. In der zweiten Mannschaft hatte er zunächst Anpassungsschwierigkeiten, doch nach fünf Treffern in der ersten Spielzeit traf er 2024/25 gleich 25-mal. Nie gelangen einem Spieler in der dritten spanischen Liga mehr Tore in einer Saison.
Bleibt die Frage, wie Real mit Garcia, der nebenbei einen Doppelstudiengang in Betriebswirtschaft und Unternehmensführung sowie Business Analytics absolviert, in Zukunft plant. Einen Typen wie einst Joselu, sprich einen vielseitigen Back-up ohne allzu große Startelf-Ambitionen, sucht Real dem Vernehmen nach ja eigentlich. Zudem hat Garcia auch Stärken im Pressing, was Alonsos Spielweise zugutekommt.
Vor dem US-Trip war noch eine Leihe angedacht, um Garcia mehr Spielpraxis zu ermöglichen. "Es gibt noch keine Entscheidung", erklärte Alonso vor dem Achtelfinalduell mit Juventus Turin am Dienstag (1:0).
Garcia, der als äußerst ehrgeizig gilt, ist jedenfalls sicher, sich bei Real durchsetzen zu können. "Natürlich bin ich davon überzeugt", sagte er. "Dafür arbeite ich und dafür habe ich gearbeitet, seit ich in die Akademie von Real Madrid gekommen bin."