Schwacher konnte ein Trost kaum sein. Als Brahim Diaz von FIFA-Präsident Gianni Infantino den Goldenen Schuh für den besten Torschützen des Afrika-Cups überreicht bekam, standen ihm die Tränen in die Augen und der Eindruck drängte sich auf: Dieser Mann würde gerade überall lieber sein als hier. Der Offensivspieler von Real Madrid gewann die Auszeichnung am Ende mit fünf Toren. Es wäre aber das sechste gewesen, das ihm - und dem Gastgeber-Land - den Titel beschert hätte.
Doch der 26 Jahre alte Star chippte seinen Elfmeter in der Nachspielzeit des Finals gegen den Senegal am Sonntagabend nach fast 20-minütiger Unterbrechung, weil die gegnerischen Spieler aus Protest gegen den Elfmeterpfiff den Platz verlassen hatte, viel zu lässig in die Tormitte. Dort nahm Senegals Keeper Edouard Mendy den Ball locker auf. Statt Afrika-Cup-Sieger wurde Brahim Diaz "nur" Torschützenkönig.
Den Golden Boot gewann er dank einer bemerkenswerten Serie: Er hatte zwar in keinem Spiel mehrfach getroffen, allerdings in seinen ersten fünf Turnierspielen jeweils einmal. Danach nicht mehr - fatalerweise auch im Finale. Erst vor knapp zwei Jahren hatte der in Malaga geborene Angreifer den Verband gewechselt, nachdem er für die spanische Nationalmannschaft zwar in einem Freundschaftsspiel, aber nie in einem Pflichtspiel zum Einsatz gekommen war.
Seitdem läuft er für Marokko auf, das Land, aus dem sein Vater stammt. Bemerkenswert: Seit seinem Verbandswechsel hatte Brahim Diaz noch kein einziges seiner 22 Länderspiele verloren. Die erste Niederlage kam nun im denkbar schlechtesten Moment.
Als Torschützenkönig folgt Brahim Diaz auf Emilio Nsue aus Äquatorialguinea, der vor zwei Jahren in der Elfenbeinküste überraschend den Titel gewonnen hatte, obwohl er mit seinem Team bereits im Achtelfinale ausgeschieden war. Der Mann von Real Madrid ist außerdem der erste Marokkaner, der beim Afrika-Cup alleiniger Torschützenkönig wird. Khaled Al Abyad Labied (1980), Youssef Mokhtari (2004) und Houssine Kharja (2015) hatten sich den Titel jeweils mit anderen Spielern teilen müssen.
Mané bester Spieler - Bono bester Torwart
Zum besten Spieler des Turniers wurde Sadio Mané gewählt, der die Auszeichnung mit deutlich mehr Freude als Brahim Diaz entgegen nehmen konnte. Der Nationalheld war bereits beim Afrika-Cup 2022 als bester Spieler ausgezeichnet worden - auch damals hatte er mit seinem Team triumphiert. Mané hatte zwar "nur" zwei Tore im Turnierverlauf erzielt, darunter aber den wichtigen 1:0-Siegtreffer im Halbfinale gegen Ägypten.
Als bester Torhüter des Turniers wurde Marokkos Keeper Bono ausgezeichnet. Das entscheidende Final-Tor von Senegals Pape Gueye war das erste und einzige Gegentor für den routinierten Keeper aus dem Spiel heraus im gesamten Turnier. Zuvor hatte Bono im Verlauf des Finals bereits zweimal überragend pariert, im Halbfinale gegen Nigeria hielt er im Elfmeterschießen zwei Versuche. Auch der Fair-Play-Preis des Turniers ging an die Marokkaner. Freuen dürften sie sich darüber selbstverständlich nicht wirklich.