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Salahs Ausbruch in der Analyse - und sein schiefer Kane-Vergleich

kicker

Tief in der Nachspielzeit kassierte der FC Liverpool am Samstag beim 3:3 in Leeds den nächsten empfindlichen Rückschlag. Danach jedoch gab es nur ein Thema: Bankdrücker Mohamed Salah, der vor den Medienvertretern seinem Frust freien Lauf ließ und sogar nicht ausschloss, die Reds schon im Winter zu verlassen. Ist das wirklich realistisch? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was genau hat Salah gesagt?

Salah fühlt sich vom FC Liverpool "unter den Bus geworfen", wie es im Englischen sprichwörtlich heißt: Man habe ihn fallen lassen. "Jemand will, dass ich die ganze Schuld auf mich nehme. Der Verein hat mir im Sommer viel versprochen. Jetzt sitze ich auf der Bank, also kann man sagen, dass sie diese Versprechen nicht gehalten haben." Sein einst gutes Verhältnis zu Trainer Arne Slot sei nicht mehr vorhanden, "und ich weiß nicht, warum. Es scheint, als wolle mich jemand nicht im Verein haben." Er habe nach all den Jahren und Toren etwas anderes verdient.

Salah, der im April nach monatelangem Hin und Her um zwei Jahre verlängert hatte, deutete sogar an, Liverpool schon in Kürze zu verlassen. "Ich habe meine Mama und meinen Papa angerufen und gesagt, dass sie zum Brighton-Spiel kommen sollen. Egal, ob ich spiele oder nicht: Ich werde es genießen, in Anfield zu sein und mich vor dem Afrika-Cup von den Fans zu verabschieden, weil ich nicht weiß, was danach passiert." Sogar die Antwort auf die Frage, ob er seine Verlängerung bereue, fiel Salah "schwer": "Ich dachte, ich würde hier unterschreiben und meine Karriere beenden. Jetzt läuft es nicht mehr nach Plan."

Wie konnte es so weit kommen?

Im Ringen um eine Wende nach neun Niederlagen aus zwölf Pflichtspielen hatte Trainer Slot Salah im Auswärtsspiel bei West Ham United erstmals in seiner Amtszeit auf die Bank gesetzt. Nach dem 2:0-Sieg hielt er daran auch beim 1:1 gegen Sunderland und nun in Leeds fest. Gegen Sunderland war Salah zur Pause eingewechselt worden, am Samstag jedoch erneut nicht. Slots lapidare Begründung: Er habe angesichts der 2:0- und 3:2-Führung "kein Tor mehr gebraucht".

Klar ist: Salah hatte mit seinen Leistungen vehement für eine Pause geworben. Allein schon deswegen war ein Vergleich, den er am Samstag zog, reichlich schief: "Als Harry Kane zehn Spiele nicht oder nur ein- oder zweimal getroffen hatte, haben alle gesagt: 'Harry wird sicher wieder treffen.' Jetzt heißt es: 'Mo muss auf die Bank.'"

Anders als einst bei Kane war auf den Torschützenkönig der Vorsaison allerdings nicht nur vor dem Tor kaum noch Verlass, sondern vor allem in puncto Defensiveinsatz und Intensität. Dass bislang niemand die Lücke von Salahs kongenialem Partner Trent Alexander-Arnold schließen konnte, hat auch damit zu tun, dass Salah in den vergangenen Wochen die verschiedenen Rechtsverteidiger in der Arbeit gegen den Ball viel zu wenig unterstützte.

Dominik Szoboszlai überzeugte als Salah-Vertreter auf der rechten Seite gegen West Ham, zeigte gegen Sunderland und Leeds aber Licht und Schatten. Dennoch bleibt Slots Ansatz, mit dem Ungarn mehr Spielkontrolle und Stabilität zu gewinnen, nachvollziehbar, erst recht vor dem Hintergrund, dass Salah in Kürze ohnehin mehrere Wochen beim Afrika-Cup weilen wird.

Wie waren die Reaktionen auf Salahs Ausbruch?

Wenig verständnisvoll. Während Slot seine Pressekonferenz schon hinter sich hatte, als Salah vor die Aufnahmegeräte traf, kritisierte etwa der Ex-Liverpooler Danny Murphy als BBC-Experte, dass der Ägypter sich mit seinem Auftritt in den Mittelpunkt gestellt und damit Mannschaft und Klub geschadet habe. "Das geht nicht, so geht man nicht damit um." Salah hätte seinen "berechtigten" Frust ausschließlich intern kommunizieren müssen. Mehrere Kommentare in englischen Medien gingen in eine ähnliche Richtung. The Athletic fand Salahs Ausbruch "egoistisch und respektlos".

Verlässt Salah Liverpool wirklich im Winter?

Davon ist erst einmal nicht auszugehen. Zwar gibt es seit Langem mindestens loses Interesse aus Saudi-Arabien an Salah, aber: Schon in der Vergangenheit krachte es öffentlich zwischen Liverpool und dem stolzen Stürmer, ohne dass es weitreichende Folgen gehabt hätte - sei es mit Jürgen Klopp, als dieser ihn mal auf die Bank gesetzt hatte, oder mit der Klubführung, als diese ihm lange keinen neuen Vertrag anbieten wollte. Insofern dürfte sie auch am Samstag nicht allzu überrascht gewesen sein, als Salah nicht an sich halten konnte.

Selbst wenn Liverpool während des Afrika-Cups plötzlich reihenweise gewinnen sollte: Das Ziel muss sein, den Torjäger danach auf und neben dem Platz wieder zu integrieren, dafür aber auch eine entsprechende Gegenleistung einzufordern, wobei der alleinige Hinweis auf frühere Verdienste nicht genügen wird. Noch mehr personellen Umbruch in der Offensive können die Reds jedenfalls nicht gebrauchen - schon gar nicht in der schwierigen Winter-Transferphase. Mal abgesehen davon, dass Salah einen solchen Blitz-Abschied tatsächlich nicht verdient hätte.