Für Marko Arnautovic bietet sich am Donnerstag (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker) die Gelegenheit, Toni Polsters Torrekord in Österreichs Nationalmannschaft näherzurücken - oder ihn einzustellen oder vielleicht sogar zu übertreffen. 41 Mal, dreimal weniger als Polster, hat Arnautovic bisher in der ÖFB-Auswahl gescort, nun könnte er sein Torkonto gegen den Weltranglistenletzten aufstocken. Im ersten Duell mit dem Team aus dem Kleinstaat gelang Arnautovic im Juni ein Doppelpack, er vergab aber auch einen Elfmeter.
Der 36-Jährige ist mit 127 Länderspielen bereits ÖFB-Rekordinternationaler. Sollte er Polster tatsächlich erreichen, wäre Arnautovic der erste ÖFB-Kicker in der Fußball-Neuzeit, der beide prestigeträchtigen Bestmarken innehat. In seinem Schatten könnte ein aktueller ÖFB-Kollege den Vorstoß unter die Top ten schaffen. Marcel Sabitzer ist derzeit mit 23 Toren Elfter - auf den Zehntplatzierten Karl Zischek fehlt nur ein Treffer. Selbst der Vierte Johann Horvath (29) ist für Sabitzer auf mittlere Sicht in Reichweite.
Andere derzeitige Teamspieler könnten sich in der ewigen Rangliste ebenfalls nach vorne bewegen: Michael Gregoritsch ist momentan 14. (21 Tore), Christoph Baumgartner 15. (19). Die Chance auf Zuwächse in persönlichen Torbilanzen ist groß, schließlich gab es in bisher drei Duellen mit San Marino drei klare Siege, das Torverhältnis steht bei 15:1.
Ein Erfolg über die Auswahl aus dem Kleinstaat wäre der fünfte Pflichtspielsieg des ÖFB-Teams in Serie. Zuletzt war man im Zuge der Quali für die EURO 2016 so gut unterwegs, damals wurde mit neun Erfolgen en suite die bis heute gültige Bestmarke aufgestellt. Fünf Länderspielsiege am Stück gelangen zum bisher letzten Mal von Oktober bis November 2020, dabei handelte es sich allerdings um drei Nations-League-Matches und zwei Testpartien.
Polster fordert nach wie vor, "dass dieser Irrtum korrigiert wird"
Polster hat sich gedanklich inzwischen auf den Verlust des prestigereichen Titels eingestellt: "Ich gehe davon aus, dass der Marko den Rekord überbieten wird. Er hat ja viel mehr Spiele als ich." Der 61-Jährige kam 95 Mal für die ÖFB-Auswahl zum Einsatz. "Da ist keine Wehmut dabei. Ich bin sehr, sehr froh, dass ich diesen Rekord über so viele Jahre innehatte", sagte Polster, der sich seit 1996 und also fast drei Jahrzehnte lang mit dem Attribut Rekordtorschütze schmücken darf. Damals überholte er "Goleador" Hans Krankl, der 34 Mal getroffen hatte. Sollte Arnautovic seine Marke zu Fall bringen, will Polster "ihm gratulieren, und gut ist es", wie er trocken meinte.
Weiterhin plant er, um die offizielle Anerkennung dreier seiner ÖFB-Einsätze in den 1980er-Jahren inklusive dreier Tore zu kämpfen - die der ÖFB als inoffiziell führt. Polster klagte auf nachträgliche Anerkennung, das Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen wies das 2024 aber ab. Konkret geht es um die Partien Liechtenstein - Österreich (0:6 am 7. Juni 1984 in Vaduz, ein Polster-Tor), Tunesien - Österreich (1:3 am 7. Februar 1987 in Tunis, zwei Polster-Tore) und Marokko - Österreich (3:1 am 2. Februar 1988, kein Polster-Tor).
Polster wolle das Gespräch mit dem neuen ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Pröll suchen. "Ich hoffe doch, dass er sich der Sache annimmt und erkennt, dass es ein Irrtum des ÖFB ist und dass dieser Irrtum korrigiert wird", sagte Polster, der aktuell den Regionalligisten Wiener Viktoria betreut. "Es betrifft ja auch ÖFB-Angestellte wie Manfred Zsak oder Peter Schöttel. Ich habe das Gefühl, dass das im ÖFB eigentlich alle wollen, außer der Anwalt, der vorgeschickt wird."