"Das ist ein Tiefschlag", sagte Olaf Janßen nach der 1:5-Heimpleite gegen den TSV Steinbach Haiger. Dabei ist der Trainer des SV Sandhausen Kummer gewohnt. Seine Mannschaft blamierte sich mit 0:4 gegen den Lokalrivalen FC-Astoria Walldorf und verlor mit 1:3 gegen zehn Spieler des damaligen Tabellenletzten TSG Balingen. Der Aufstiegs-Favorit ist als Tabellen-13. weit von der Rückkehr in die 3. Liga entfernt.
Janßen war betroffen, sagte: "Ich dachte, wir hätten das Schlimmste überwunden." Gegen Kickers Offenbach gab es nach einem 1:3-Rückstand einen 4:3-Sieg. Beim 3:2 in Großaspach zeigte der Drittliga-Absteiger sein bestes Saisonspiel.
Umso weniger nachvollziehbar ist der Rückfall. "Wir waren in jeder Hinsicht unterlegen: läuferisch, spielerisch, kämpferisch", gestand Kapitän Pascal Testroet. Es dürfte Janßen Stiche versetzt haben, als sein Steinbacher Kollege Daniel Wilde die Tugenden seiner Mannschaft aufzählte: Wille und Disziplin. Leidenschaft und Herz. Es waren die Eigenschaften, die der einstige Aufstiegs-Kandidat vermissen lässt.
Qualität statt Quantität
In elf Spielen kassierte Sandhausen 29 Gegentore, nur eines weniger als Freiburg II und Schlusslicht Schott Mainz. In den drei Spielen der zurückliegenden englischen Woche waren es zehn. Aus der ursprünglichen Dreierkette wurde eine Viererkette. Lukas Schneller löste Arthur Lyska als Nummer 1 ab. Am Torwart liegt es nicht, die Ursachen sind selbst für den Trainer schwer zu durchschauen. Ohnehin sind seine Möglichkeiten begrenzt. 22 Feldspieler stehen unter Vertrag, fünf sind derzeit verletzt. "Der Kader ist auf Kante genäht", stellt Janßen fest. Es war eine bewusste Entscheidung. In der vergangenen Saison standen 35 Profis auf der Gehaltsliste. "Wir haben uns für Qualität statt Quantität entschieden", erklärt Janßen.
Der sang- und klanglose Abstieg aus der 3. Liga nach einer desaströsen Saison wirkt nach. Die Vereinsführung jagte 34 Profis vom Hof. Es scheint, als habe man sich mit dem Neuaufbau zu viel zugemutet. Obwohl man aus den Erfahrungen der Vergangenheit Lehren hätte ziehen können. In den letzten Jahren war der SV Sandhausen mit abenteuerlich vielen Transfers - weit über 200 seit dem Zweitliga-Aufstieg 2012 - Wechsel-Weltmeister.
An Testroet hängt alles
Die Mannschaft mit 25 Neuen tut sich schwer mit der Balance zwischen Defensive und Offensive. Der vom Trainer bevorzugte Ballbesitz-Fußball stellte sich als Überforderung heraus. Ein neues System war gegen Steinbach Haiger nicht erkennbar. Janßen sagt, dass die Hierarchie stimmen würde. "Wir haben Führungsspieler, und einen besseren Kapitän wie Pascal Testroet gibt es nicht." An Testroet hängt alles. Der 34-jährige Angreifer war mit jeweils zwei Toren Matchwinner gegen Offenbach und Großaspach. Mit neun Saisontoren und fünf Assists ist er eine der wenigen positiven Erscheinungen.
Andere hinken hinterher. Spieler, denen der Trainer großes Potenzial bescheinigt, von denen er aber auch sagte, dass sie ihr Talent bislang verschleudert hätten. Janßen kann Menschen motivieren. Schafft er es bei den Problemfällen nicht, dann ist alles möglich. Auch der dritte Abstieg innerhalb von drei Jahren.