Der FC Red Bull Salzburg hat seine großen Probleme auch zu Beginn der Saison 2025/26 nicht in den Griff bekommen. Nach dem Aus in der Champions-League-Qualifikation hinkt der einstige Serienmeister mittlerweile auch in der Liga den eigenen Ansprüchen hinterher, elf Punkte nach sieben Spielen bedeuten aktuell nur Rang fünf. "Das ist zu wenig", kritisierte Sportchef Rouven Schröder, der seinem Trainer Thomas Letsch für den Europa-League-Auftakt gegen Porto (Donnerstag, 21 Uhr, LIVE! bei kicker) noch eine Jobgarantie gab, nach der 0:2-Pleite gegen Sturm Graz.
Und was, wenn auch das Spiel gegen das portugiesische Spitzenteam verloren geht? Viele Argumente sammelte Letsch seit seinem Amtsantritt im Jänner jedenfalls nicht für sich. Weder gab es unter der Ägide des Deutschen einen Titel noch eine spielerische Weiterentwicklung. Keine Überraschung also, dass der erfolgsverwöhnte Anhang in Salzburg mit der Arbeit des 57-Jährigen unzufrieden ist. "Es ist völlig normal, dass ich in der Kritik stehe. Damit beschäftige ich mich nicht", meinte Letsch nach dem großteils indiskutablen Auftritt gegen Sturm, der von den nur rund 10.000 Fans im Stadion mit Pfiffen bedacht wurde.
Letsch holt nur 1,60 Punkte pro Spiel
Ein Blick auf die nackten Zahlen legt nahe, wie groß die Probleme an der Salzach aktuell wirklich sind. In seinen 35 Pflichtspielen holte Letsch wettbewerbsübergreifend nur 1,60 Punkte pro Partie. Damit liegt er selbst hinter Pepijn Lijnders, der im Dezember 2024 nach 28 Begegnungen mit einem Punkteschnitt von 1,64 entlassen wurde und nicht erst seit diesem Zeitpunkt als eines der größten Missverständnisse in Salzburgs Geschichte gilt. In der 20-jährigen Red-Bull-Ära ist Letschs Wert freilich der schlechteste aller Trainer.
Hinzu kommt, dass die Formkurve der Salzburger in den Keller zeigt. In den jüngsten drei Spielen holte der Vizemeister lediglich einen Punkt, weshalb Routinier Stefan Lainer am Samstag Alarm schlug: "Wir müssen verstehen, anders an die Spiele ranzugehen, aber dafür fehlt uns derzeit das Selbstvertrauen, das Selbstverständnis und die Qualität." Aktuell sei sein Arbeitgeber, für den es in der Vergangenheit auf nationaler Ebene oftmals nur um die Höhe des Sieges gegangen war, nicht mehr als "Mittelmaß".
Porto kommt mit viel Selbstvertrauen nach Salzburg
Begründet ist das auch darin, dass es Schröder und Co. trotz Salzburgs finanzieller Vormachtstellung im Sommer nicht gelang, den besten Kader Österreichs zu stellen. Dies musste im Vorfeld des Spiels gegen Sturm sogar der Sport-Geschäftsführer eingestehen. Womit sich der Deutsche zugleich selbst ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellte, lag und liegt die Kaderplanung doch in seinem Verantwortungsbereich.
Mitte September sind in Salzburg nun Durchhalteparolen angesagt. "Jetzt sind wir alle gefragt. Die Gruppe, der Trainer und ich natürlich auch. Es darf sich keiner aus der Verantwortung nehmen", so Schröder. Beim kommenden Gegner aus Porto ist von einer Krise unterdessen keine Spur. Die Mannschaft von Francesco Farioli startete mit sechs Siegen in sechs Spielen perfekt in die Saison und führt die heimische Liga fünf Zähler vor Benfica an.